EU-Schätzung: Klimaschutz soll über 100 Milliarden Euro jährlich kosten

Finanzexperten sehen hohe Kosten für den weltweiten Klimaschutz voraus. Laut einem Zeitungsbericht geht die EU von rund hundert Milliarden Euro jährlichem Bedarf allein in Entwicklungsländern aus. Hinzu kämen 23 bis 54 Milliarden für Anpassungsmaßnahmen wie etwa den Deichbau.

Hamburg - Mit gigantischen Milliardenforderungen sind Finanzexperten in Zeiten der Wirtschaftskrise inzwischen vertraut. Die voraussichtlichen Kosten des globalen Klimawandels, die die Finanz- und Umweltministerien der 27 EU-Mitgliedstaaten jetzt berechnet haben, schockieren deshalb womöglich niemanden mehr. Allein der Finanzbedarf der Entwicklungsländer soll bei rund hundert Milliarden Euro jährlich liegen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht für die Finanzminister der EU-Länder. Das Geld wird demnach benötigt, um auf saubere Energien umzusteigen, Wälder zu schützen und damit klimaschädliche Emissionen zu senken.

Stahlwerk in Duisburg: In der EU ist strittig, wie die Lasten für den Klimaschutz verteilt werden sollen Zur Großansicht
AP

Stahlwerk in Duisburg: In der EU ist strittig, wie die Lasten für den Klimaschutz verteilt werden sollen

Zusätzlich würden ab 2030 jährlich 23 bis 54 Milliarden Euro weltweit für die Anpassung an den Klimawandel gebraucht, zum Beispiel für den Deichbau in Küstenregionen, heißt es in dem Bericht. Einen erheblichen Teil der Summe müsste demnach Europa aufbringen: "Im Falle eines globalen und umfassenden Abkommens steht die EU bereit, ihren Anteil für die internationalen Unterstützungszusagen zu leisten", heißt es laut "FTD" in einem Entwurf für die Schlussfolgerungen der Finanzminister.

Es sei jedoch ausgeschlossen, dass die Minister bereits konkrete Summen nennen. Auch die Staats- und Regierungschefs der EU wollen sich beim Gipfel am 18. und 19. Juni demnach noch nicht auf ihre Verhandlungsposition für die Weltklimaverhandlungen festlegen. In der EU ist strittig, wie die Lasten für internationale Klimaschutzzusagen intern verteilt werden sollen.

Milliardenzusagen aus der EU, den USA und Japan gelten als Voraussetzung dafür, dass sich Schwellenländer wie China und Brasilien ebenso wie Entwicklungsländer auf ein Klimaabkommen verpflichten. Im Dezember soll in Kopenhagen beim Uno-Gipfel ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgasausstöße verhandelt werden.

Es existieren bereits mehrere Studien zu den voraussichtlichen Kosten des Klimawandels. Besondere Beachtung fand der 2006 veröffentlichte Stern-Report, eine 700-seitige, im Auftrag der britischen Regierung erstellte Studie. Die Folgen des Klimawandels könnten künftig zwischen 5 und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts auffressen, heißt es darin. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von 20 Prozent aus und bezifferte die globalen Kosten für die nächsten 50 Jahre mit 64 Billionen US-Dollar. Auf Deutschland kommen laut DIW-Schätzung bis 2100 Kosten von fast drei Billionen Euro zu. Das Umweltbundesamt hat die Ausgaben für Deutschland ab 2020 mit rund elf Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

hda/AFP

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