Europäische Welse: Fische gehen auf Taubenfang
Mit einem Sprung befördern sich die Fische aus dem seichten Wasser, schnappen zu und tauchen dann mit einer Taube im Maul wieder ab. Forscher staunen über eine ungewöhnliche Jagdmethode, die Welse im französischen Fluss Tarn entwickelt haben.
Europäische Welse zählen nicht gerade zu den kleinen Fischen. Knapp ein bis zwei Meter lang sind die meisten Exemplare, die im französischen Fluss Tarn herumschwimmen. Besonders alte Welse sind noch größer, sogar von fünf Meter großen Tieren wird berichtet. Bei dem stattlichen Umfang müssen die Raubfische einiges fressen: Auf ihrem Speisezettel stehen unter anderem Flusskrebse, Karpfen, Rotaugen, diverse andere Flussfische - und Tauben.
Zu fliegenden Fischen haben sich die Welse nicht entwickelt, um die Vögel zu erlegen. Aber sie nehmen in Kauf, sich selbst für einen kurzen Moment aus dem Wasser hinaus an Land zu befördern. Freiwillig zu stranden, um Beute zu erlegen - das wurde bisher nur bei Großen Tümmlern und Schwertwalen beobachtet. Letztere stürzen sich in spektakulär aussehenden Manövern auf Robben. Die Welse peilen nicht ganz so große Beute an: Sie stürzen sich auf Tauben, die am Tarn trinken oder sich putzen.
Europäische Welse (Silurus glanis) sind eigentlich nicht in Westeuropa heimisch, sondern in Osteuropa. Sie wurden erst vor wenigen Jahrzehnten in vielen Gewässern angesiedelt - aus ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet gibt es keine Berichte von Tauben fangenden Fischen.
Knapp 30 Prozent der Angriffe erfolgreich
Ein französisches Forscherteam hat das Verhalten der Welse, das vor Ort so manchen erstaunt hatte, dokumentiert. Im Fachmagazin "PLoS ONE" berichten Julien Cucherousset von der Université Paul Sabatier in Toulouse und Kollegen, dass sie in rund 72 Stunden 54 Angriffe beobachten konnten. 15-mal hatten die Welse Erfolg und tauchten mit einer Taube im Maul wieder ab. In 40 Prozent der Fälle wuchteten die Fische mehr als die Hälfte ihres Körpers aus dem Wasser. Lange blieben sie nicht an Land - nach maximal vier Sekunden befanden sich die Welse wieder in ihrem Element.
Die Wissenschaftler vermuten, dass die Fische auf Vibrationen im Wasser reagieren, welche die Tauben durch ihre Bewegungen auslösen. Denn die Welse griffen niemals stillstehende Vögel an, selbst wenn diese ganz in ihrer Nähe waren und sie sie eigentlich gut hätten sehen können.
Mittels einer sogenannten Isotopenanalyse wollten die Forscher klären, welchen Anteil an der Nahrung Tauben bei einzelnen Welsen ausmachten. Dafür nahmen sie kleine Gewebeproben der Raubfische, ihrer typischen Beutetiere im Wasser sowie von Tauben. Das Ergebnis: Der Anteil an Flusskrebsen scheint von Wels zu Wels nicht stark zu variieren, der Fisch- und Taubenanteil dagegen schon. Die Beobachtung zeigte auch, dass die Taubenfänger unter den Welsen im Schnitt kleiner waren als der Durchschnittswels im Tarn. Die größten bei der Taubenjagd beobachteten Welse waren schätzungsweise 1,5 Meter lang.
Möglicherweise ist das Stranden für größere Welse zu kräftezehrend oder gefährlich. Vielleicht weichen die kleineren Welse auf die Vogelbeute aus, weil sie da nicht mit größeren Artgenossen um die Beute konkurrieren müssen. Geklärt ist das noch nicht.
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- Freitag, 07.12.2012 – 16:15 Uhr
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