Europaweite Statistik Fledermausbestände erholen sich

45 Arten von Fledermäusen gibt es in Europa - und viele von ihnen sehen nach Jahren des Niedergangs wieder einer besseren Zukunft entgegen. Daten von 6000 Orten zeigen, dass 16 beobachtete Spezies in ihrem Bestand kräftig zugelegt haben.

DPA

Berlin - Kleines Mausohr, Große Hufeisennase, Braunes Langohr: Europa hat eine reiche Artenvielfalt an Fledermäusen. Und offenbar geht es den fliegenden Säugern wieder etwas besser als noch vor ein paar Jahren. Zu diesem Fazit kommt jedenfalls die Europäische Umweltagentur (EEA) in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht. Demnach hat sich der Fledermausbestand von 1993 bis 2011 in neun europäischen Staaten um mehr als 40 Prozent erholt.

Die Auswertung stützt sich auf Daten von Beobachtern vor Ort. Sie hatten 16 von 45 Fledermausarten an rund 6000 Orten über Jahre beim Überwintern beobachtet. "Insgesamt scheint es so, dass diese Arten um 43 Prozent zugenommen haben", lautet das Fazit der EEA. Seit dem Jahr 2003 gebe es bei der positiven Entwicklung eine "relativ stabile Tendenz".

Für die Studie seien erstmals Daten aus Deutschland, Lettland, Ungarn, den Niederlanden, Österreich, Portugal, Slowenien, der Slowakei und Großbritannien zusammengeführt worden, teilte die Agentur mit. In Deutschland wurden die Tiere allerdings nur in Bayern und Thüringen erfasst.

Diskussion um Windräder

"Es ist sehr ermutigend zu sehen, wie sich die Fledermauspopulation nach deutlichen Rückgängen erholt", sagte der Direktor der Umweltagentur, Hans Bruyninckx. Gleichwohl seien viele Arten noch bedroht, so dass der Erhalt ihrer Lebensräume hohe Priorität genießen müsse.

Fledermausbestände hatten jahrzehntelang massiv unter Druck gestanden. Schuld war unter anderem eine Intensivierung der Landwirtschaft, gezielte Jagd, aber auch die Vergiftung der Tiere durch an Dächern verwendete Holzschutzmittel. In Nordamerika waren viele Tiere auch durch eine Pilzinfektion gestorben, in Europa spielte der Erreger keine wichtige Rolle.

Die Umweltagentur sieht die Erholung der Bestände als Beleg dafür, dass nationale und europäische Strategien zum Schutz der Tiere Erfolg haben. Es blieben aber weitere mögliche Bedrohungen für die Tiere, untere anderem die Gefahr durch die Rotoren von Windkraftanlagen.

Im August 2013 hatte eine Studie der Leibniz-Universität Hannover über ein Fledermaus-Massensterben an Windrädern für Aufsehen gesorgt. Sie hatte allerdings nur sehr unkonkrete Angaben geliefert: Bundesweit könne die Zahl jährlich getöteter Tiere von wenigen tausend bis zu sechsstelligen Zahlen reichen, so Studienleiter Michael Reich. Für eine genaue Angabe seien weitere Studien nötig.

chs/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Permafrost 30.01.2014
1. optional
wer FM gerne mal hören möchte und mit einem Lötkolben umgehen kann - sucht nach "Franzis Fledermausdetektor" - recht preisgünstig. Auch bieten NaBu und andere Naturschutzgruppen diverse Fledermausexkursionen an. Kann dazu leder nichts näheres sagen, ich habs selbst leider noch nicht geschafft eine zu besuchen. Wird sich aber lohnen.
Hübitusse 30.01.2014
2.
Zitat von sysopDPA45 Arten von Fledermäusen gibt es in Europa - und viele von ihnen sehen nach Jahren des Niedergangs wieder einer besseren Zukunft entgegen. Daten von 6000 Orten zeigen, dass 16 beobachtete Spezies in ihrem Bestand kräftig zugelegt haben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/europaweite-statistik-fledermausbestaende-erholen-sich-a-950213.html
Die sollten sich besser von hier fernhalten. Letzten Herbst hat meine Katze innerhalb 2 Wochen 3 Fledermäuse auf der Dachterasse gefangen - zwei habens überlebt, weil sie mit ihrem "Spielzeug" zunächst immer extrem pfleglich umgeht...
nereb 30.01.2014
3. Kaum zu glauben,
wo doch angeblich meterhoch tote Fledermäuse unter jedem Windrad liegen sollen. Oder waren das vielleicht Fake-Meldungen? Unglaublich.
matthias__g 31.01.2014
4. witzig
Als ob es jemals zu wenig Fledermäuse gab. Das ist nur eine Frage der Erfassung, nichts anderes. Mittlerweile gibt es halt immer mehr Leute die zählen. Die müssen nur aufpassen dass sie die Arten nicht von der roten Liste herunter zählen ;-)
Fricklerzzz 31.01.2014
5. Bei uns (Raum Braunschweig)
Kann ich an Sommerabenden in der Dämmerung allein von meinem Grundstück aus ~20 Fledermaüse regelmäßig jagen sehen. Am besten sind sie zu sehen wenn im Mai die Maikäfer schwärmen. In der Dämmerung machen sich dann Amseln und Fledermäuse die Beute streitig. Bei uns kann ich zwei Arten unterscheiden eine kleine und eine größere ber der man die Schreie noch hören kann (sicher nur zum kleinen Anteil)
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