Exoskelett: Darmgas macht Krabben hart

Eine Landkrabbe hat einen besonderen Trick entwickelt, um sich nach der Häutung vor Feinden zu schützen: Sie pumpt sich mit Darmgas auf, bis der neue Panzer hart ist. Die Entdeckung wurde unter anderem vom US-Verteidigungsministerium bezahlt.

Zum Glück kommen Menschen nie in diese Situation: Man wächst und wächst, bis das Skelett irgendwann zu klein ist und weg muss. Da Menschen ihr Knochengerüst innen tragen, bleibt ihnen diese gefährliche Prozedur erspart. Geschöpfe mit einem Exoskelett haben es dagegen weniger leicht: Um weiter wachsen zu können, brauchen sie Platz. Der Panzer aber wächst nicht mit.

Die Betroffenen müssen ihre Hülle deshalb von Zeit zu Zeit abwerfen - und stehen anschließend recht nackt da. Zwar reift unter dem alten ein neuer Panzer heran, doch der ist direkt nach der Häutung butterweich. Die Landkrabbe Gecarcinus lateralis hat einen besonderen Trick entwickelt, diese prekäre Zeit zu überbrücken: Sie bläht sich auf, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn das notwendige Gas kommt aus dem Darm.

Eine Skelettstütze aus Gas - das macht Gecarcinus lateralis, die in Deutschland auch als "Halloween-Krabbe" bekannt ist, so schnell kein anderes Tier nach. Die Wissenschaftler um Jennifer Taylor von der University of North Carolina, die den Panzertrick der Krabbe entdeckt haben, halten ihn für weltweit einzigartig. Der Mechanismus sei möglicherweise gar von zentraler Bedeutung für die Anpassung der Schalentiere an das Leben an Land, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" (Bd. 440, S. 1005).

Den Druck für ihr Übergangs-Skelett erzeugen die Tiere demnach mit Hilfe von komprimiertem Gas in ihrem Darm. Dank der Aufblähung bleibt die Krabbe stabil genug, bis der neue und etwas größere Panzer ausgehärtet ist. Bis dahin muss die Krabbe aber einige Zeit in den eigenen Gasen verbringen: Es kann mehrere Tage dauern, bis der neue Panzer hart genug ist, um Muskelkräfte auszuhalten.

Druck sorgt für Bewegung

Andererseits ist der Druck im Innern des neuen Panzers so stark, dass er allein reicht, um die Krabben-Gliedmaßen zu bewegen und so für alternatives Fortkommen zu sorgen. Das, so heißt es in einer Mitteilung der University of North Carolina, sei wie bei einem Luftballon, der sich beim Aufblasen zunächst kurz spannt, ehe sich das Gummi ausdehnt.

"Unseres Wissens ist das der erste Beweis eines Skelett-Verstärkung, die mit Hilfe von Gas Bewegungen erlaubt", erklärte Taylor. Die Forscherin war bereits 2003 an einer im Fachblatt "Science" veröffentlichten Studie beteiligt, die einen ähnlichen Mechanismus bei im Wasser lebenden Krabben beschrieb. Auch die Wasserbewohner lagen nach der Häutung nicht schlaff umher, sondern pumpten ihr Skelett auf - allerdings mit Wasser und nicht mit Darmgasen.

Bezahlt wurde die aktuelle "Nature"-Studie übrigens unter anderem mit Geldern des US-Verteidigungsministeriums. Das Pentagon ist bekanntlich schon lange an Exoskeletten interessiert, die Infanteristen in unbesiegbare Kampfmaschinen verwandeln. Offen ist bislang, wie die Soldaten der Zukunft ihre Panzer aufpumpen werden.

mbe

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