Expeditionen zum Mekong: Biologen entdecken mehr als 200 neue Arten

Die Region um den Mekong ist eine Schatzkammer der Artenvielfalt: In letzter Zeit entdeckten Forscher dort bislang unbekannte Affen, Echsen, Orchideen und viele andere Tiere und Pflanzen. Doch der Mensch baut Plantagen, Straßen und Staudämme - und bedroht die einzigartige Natur.

Neu entdeckte Arten: Niesende Affen, sich klonende Echsen Fotos
Martin Aveling / WWF Fauna & Flora Int.

Hanoi/Bangkok - Die Natur rund um den Mekong bietet einige Überraschungen: In der Region rund um den längsten Fluss Südostasiens haben Wissenschaftler im Jahr 2010 insgesamt 208 neue Arten entdeckt, wie die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) in ihrem neuesten Mekong-Report berichtet.

Spektakulär ist ein Stupsnasenaffe aus Burma. Rhinopithecus strykeri hat eine Haartolle, die an Elvis Presley erinnert. Zudem ist seine Nase regenempfindlich - nach Angaben der Anwohner der Kachin-Region sitzen die Affen bei Schauern mit zwischen den Beinen eingeklemmtem Kopf in den Bäumen. Der Grund: Die Regentropfen fallen sonst in ihre nach oben gerichteten Nasenlöcher, so dass die Affen niesen müssen.

Laut WWF gibt es vermutlich nur noch zwischen 260 und 330 dieser Stupsnasenaffen - sie sind damit vom Aussterben bedroht. Forscher hatten den Affen bereits im "American Journal of Primatology" vorgestellt.

Vietnam war besonders ergiebig für die Wissenschaftler: So kreucht auf der Halbinsel Ca Mu zum Beispiel ein Gecko in Hippiefarben. Er hat einen leuchtend gelben Hals mit schwarzen Streifen, einen blaugrauen Körper und orangefarbene Füße. Der Forscher Ngo Van Tri von der Wissenschaftsakademie entdeckte in einem Restaurant in Süden Reptilien, die sich zum Verwechseln ähnlich sahen. Die neu entdeckte Agamen-Art (Leiolepis ngovantrii) klont sich selbst, die Weibchen pflanzen sich ganz ohne Männchen fort. Zudem sichteten Forscher ein bisher unbekannte Spitzmausart.

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Neu entdeckte Arten: Niesende Affen, sich klonende Echsen
In der vietnamesischen Provinz Dak Lak blühte im Verborgenen eine Orchidee in Weiß-Orange (Dendrobium daklakense). "Es ist bemerkenswert, dass ein so auffallendes Exemplar bis vor kurzem unbekannt war" sagte der Orchideenexperte des botanischen Gartens in Kew bei London, Andre Schuiteman.

Vor der Entdeckung ausgestorben

Pflanzen stellen den größten Teil der 2010 neu entdeckten Arten - nämlich 145. Dazu kamen 28 Reptilien, 25 Fischarten, sieben Amphibien, zwei Säugetiere sowie eine neu entdeckte Vogelspezies.

Entlang des Mekong, der durch Kambodscha, Laos, Burma, Thailand, Vietnam und China fließt, haben Forscher zwischen 1997 und 2009 knapp 1400 neue Arten entdeckt, so der WWF. Doch die Tier- und Pflanzenwelt um den rund 4500 Kilometer langen Fluss ist vielerorts gefährdet. Seit 1990 werden dort nach Angaben des WWF pro Jahr 2,7 Millionen Hektar Dschungel für Kaffee- Kautschuk oder Palmölplantagen kahlgeschlagen. Wachen erschießen Tiere, die sich dorthin verirren und womöglich die Ernte gefährden. Auch durch den Bau von Straßen, Siedlungen und Staudämmen schwindet der Lebensraum der Tiere.

"Wir laufen Gefahr, dass zahlreiche Arten verschwinden, bevor sie überhaupt beschrieben wurden", sagte WWF-Experte Stefan Ziegler. 70 Prozent der Säugetierarten, die nur in dieser Region vorkommen, sind laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN bereits gefährdet. In diesem Jahr starb etwa das Java-Nashorn in Vietnam aus - das letzte Exemplar wurde von Wilderern erlegt, so dass diese Tiere nun nur noch auf Java selbst vorkommen. Der WWF fordert grenzüberschreitenden Schutz der Mekong-Region.

wbr/dpa

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1. Der gemeine Laubfrosch
xiezeren 12.12.2011
"Sieben neue Froscharten sichteten Wissenschaftler entlang des Mekong. Doch Umweltschützer warnen, dass diese neu entdeckten Arten bald bedroht sein könnten. Rodung, Staudämme und Zersiedlung nehmen den Tieren den Lebensraum." (Bildunterschrift Bild 9) Kommt uns das nicht irgendwoher bekannt vor? Vor beinahe 100 Jahren haben *wir* in den OECD-Staaten diesen unseligen Prozess begonnen bzw. nicht gestoppt (und er geht weiter trotz Schutz des Jurtenkäfers). Oft genug wird auf andere Staaten draufgehauen und Regime angeblich bloß gestellt, die nur auch nicht in der Lage sind, diesen Prozess zu stoppen.
2.
whocaresbutyou 12.12.2011
Zitat von xiezeren"Sieben neue Froscharten sichteten Wissenschaftler entlang des Mekong. Doch Umweltschützer warnen, dass diese neu entdeckten Arten bald bedroht sein könnten. Rodung, Staudämme und Zersiedlung nehmen den Tieren den Lebensraum." (Bildunterschrift Bild 9) Kommt uns das nicht irgendwoher bekannt vor? Vor beinahe 100 Jahren haben *wir* in den OECD-Staaten diesen unseligen Prozess begonnen bzw. nicht gestoppt (und er geht weiter trotz Schutz des Jurtenkäfers). Oft genug wird auf andere Staaten draufgehauen und Regime angeblich bloß gestellt, die nur auch nicht in der Lage sind, diesen Prozess zu stoppen.
gestern wussten wir nicht mal dass sie existieren und morgen sind sie schon wieder weg... tragisch... Kaum (er)finden Menschen irgendwas neues, springt gleich wieder einer hinterm nächsten Baum hervor weil es entweder bedroht ist oder er sich selbst dadurch bedroht fühlt. Kann nicht mal jemand die Welt für ein paar Jahre anhalten, damit wir die ganzen Bedrohungen endlich mal vernünftig ausdiskutieren können ohne ständig von neuen überrollt zu werden?
3. Tja,
xiezeren 14.12.2011
Zitat von whocaresbutyougestern wussten wir nicht mal dass sie existieren und morgen sind sie schon wieder weg... tragisch... Kaum (er)finden Menschen irgendwas neues, springt gleich wieder einer hinterm nächsten Baum hervor weil es entweder bedroht ist oder er sich selbst dadurch bedroht fühlt. Kann nicht mal jemand die Welt für ein paar Jahre anhalten, damit wir die ganzen Bedrohungen endlich mal vernünftig ausdiskutieren können ohne ständig von neuen überrollt zu werden?
Sie und die Damen und Herren Wissenschaftler kannten diese Tiere nicht, das heißt nicht, daß es nicht Menschen vor Ort gab oder gibt, die diese kennen. Aber die fragt ja keiner, die sterben vielleicht auch schon aus.. (Zynismus aus)
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