Expertenwarnung Wölfe in Nordeuropa vom Aussterben bedroht

Noch leben etwa 1000 Wölfe zwischen Norwegen und Westrussland - 2000 zu wenig, um das Überleben dieses nordeuropäischen Stammes zu sichern, warnen Experten. Dennoch wird in Schweden wieder Jagd auf die Tiere gemacht.

Geschossener Wolf in Schweden: Zu wenige Exemplare für sicheres Überleben
AFP

Geschossener Wolf in Schweden: Zu wenige Exemplare für sicheres Überleben


Stockholm - Wissenschaftler warnen vor einem möglichen Aussterben der Wölfe in Nordeuropa. Der zwischen Norwegen und dem westlichen Russland lebende Stamm mit etwa 1000 Tieren sei zu klein für ein stabiles Überleben. Inzucht schade zudem dem Nachwuchs, warnen vier Experten in der Zeitung "Dagens Nyheter" vom Dienstag. Der schwedischen Reichstag wollte am Dienstag über das Für und Wider der Wolfsjagd debattieren.

Um das Überleben des Stammes zu sichern, müsste es mindestens 3000 Tiere und einen Austausch mit Wölfen aus anderen Gebieten geben, hieß es in der Zeitung weiter. Die vier Forscher aus verschiedenen Ländern untersuchen für Schwedens Regierung die Lage für die heimischen Raubtierbestände.

In Schweden, wo etwa 200 Wölfe leben, wird seit 2010 heftig über die Wiederzulassung der Jagd auf die Raubtiere gestritten. Die EU-Kommission hat eine Klage gegen Schwedens Regierung angekündigt, nachdem Stockholm 20 Wölfe zum Abschuss freigegeben hatte. Der zuständige Umweltminister Anders Carlgren dafür am Dienstag vor den Reichstag zitiert. Wegen der Inzuchtschäden im schwedisch-norwegischen Stamm will Schwedens Regierung ab diesem Sommer einige Tiere aus dem finnisch-russischen Stamm im eigenen Land aussetzen.

Von den seit Januar zur Jagd freigegebenen 20 Wölfen sind bisher 19 erlegt. Während Umwelt- und Tierschützer die Jagd heftig kritisieren, verlangen sowohl der Jägerverband als auch die Anwohner der betroffenen Bezirke deutlich höhere Abschussquoten.

Auch in Deutschland leben wieder Wölfe in freier Wildbahn. Landesweit gibt es nach Schätzung der Umweltorganisation WWF zwischen 50 und 60 Tiere. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz, wo mittlerweile die Angst vor den Raubtieren wächst. Auch aus Hessen und Bayern werden immer wieder Sichtungen gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern ist nach früheren Angaben des Umweltministeriums seit fünf Jahren ein Wolf in der Ueckermünder Heide nachgewiesen. Er soll sogar eine Gefährtin haben und in diesem Jahr Nachwuchs erwarten. Ein anderer tappte vergangenen August in eine Fotofalle in der Lübtheener Heide.

boj/dpa

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insgesamt 112 Beiträge
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Salonbolschewik 08.02.2011
1. Eines stirbt niemals aus..
- die Dummheit der Menschen. Alles mögliche Viechzeugs wird zur Plage - von Mücken einmal ganz abgesehen - weil immer mehr natürlichen (Freß-)feinden die Lebensgrundlage genommen wird. Da mühen sich Forscher, einen solchen wieder anzusiedeln - und was geschieht? Es wird Jagd gemacht... .
Vex 08.02.2011
2.
Es gibt glaube ich noch immer keinen bewiesenen Fall bei dem ein Wolf einen erwachsenen Menschen gejagt und erlegt hätte. Bei Wildkatzen und Luchsen verhält es sich ähnlich trotzdem haben wir all diese Tiere ausgerotten und meist auch die Umwelt so verändert das eine Ansiedlung kaum mehr möglich ist. Woher die Angst vor diesen Tieren kommt ist ein absolutes Rätsel. Selbst Haie, Tieger und Löwen in freier Wildbahn brigen es zusammen auf kaum mehr als 5 Todesfälle im Jahr und liegen wahscheinlich noch unter der Todesquote von Zoos/Zirkus und wohl auch deutlich unter der von Haustieren. Wenn man das mal mit dem Verkehr vergleicht merkt man wie lächerlich das ist. Ein absolutes Alkohol verbot würde mehr Menschenleben retten als wohl alle Wildtiere zusammen auf der Welt verursachen trotzdem würde niemand auf die Idee kommen .... Wenn man sich hingegen ansieht welches Leid wir den Tieren (Haien zB) antun wirkt es schon nichgt mehr lächerlich sondern erbärmlich.
d_grat 08.02.2011
3. Das Problem wird sich von allein erledigen.
Vor allem ist es mit einer Wiederansiedlung nicht getan. Wenn man sich allein hier zu Lande mal anschaut mit welcher inbrunst Bauern oder Viehhalter gegen Füchse oder Biber vorgehen (werden zu 90% nachts erschossen), dann kann man sich vorstellen was mit Wölfen oder Hunden passiert, die in die Nähe von solchen Beständen geraten. Meiner Meinung nach werden in 30 Jahren eh alle größeren Säuger (nein keine Nutztiere) nahezu ausgestorben sein. Es ist einfach kein Platz mehr für diese vorhanden.
karin_hutter 08.02.2011
4. Wolfshatz auf schwedisch
Genau 6747 Jäger haben sich registrieren lassen, um die Lizenz zum Töten zu erhalten. Und am frühen Morgen des 15. Januar 2011 stehen sie Gewehr bei Fuß. 20 Wölfe, aus dem geschätzten schwedischen Gesamtbestand von höchstens 250 Tieren, sind vier Wochen lang zum Abschuss freigegeben. Wölfe, die auch in Schweden unter besonderem Schutz stehen und normalerweise gar nicht gejagt werden dürften. Ja, doch, Artenschützer haben dagegen protestiert. Vielleicht ein wenig zu zögerlich und zaghaft. Verzweifelt versuchen Antijagd-Aktivisten noch am Tag der Jagd Tiere aus der Schusslinien zu scheuchen und über die norwegische Grenze zu treiben. Woanders wird die Jagd mit viel Lärm gestört, in der Hoffnung, die Wölfe noch rechtzeitig zur Flucht zu veranlassen. Vergebliche Mühe! Schon an diesem ersten Jagd-Wochenende werden 15 Wölfe erschossen. Vier davon sind Alpha-Tiere, zwei sind markiert oder besendert. Ihr Blut färbt den Schnee rot. Sehr schnell kursieren zahlreiche Fotos der toten Tiere in den sozialen Netzwerken und lösen einen gigantischen Proteststurm aus. Die politisch Verantwortlichen in Schweden und der Umweltkommissar der EU werden mit tausenden Mails aus aller Welt eingedeckt. Die offizielle schwedischen Lesart für diese Lizenz-Jagd klingen reichlich verworren. Einerseits wurden die Abschüsse von höchster Stelle bewilligt, um angeblich die negative Einstellung der Bevölkerung zum Wolf positiv zu wenden. So wurde mit großem Brimborium zur Wolfsjagd geblasen, um damit mehr Akzeptanz bei jenen Menschen zu erhalten, die den Wolf als Bedrohung sehen, für alles, was ihnen lieb und teuer ist. Kinder, Schafe, Rentiere, Hunde. Zudem schielt man natürlich auf Wählerstimmen. Hobby-Jäger, für die der Wolf Hassobjekt und Konkurrenz zugleich ist, sind zahlreich. Stichwort: Beuteneid, Futterneid. „Der Wolf darf das ganz Jahr über Elche jagen, wir nur im Herbst ein paar Wochen“, maulen sie in der Tageszeitung Dagens Nyheter. Das ist es! Warum aber alle Probleme gelöst sein sollen, wenn in ganz Schweden 20 Wölfe weniger leben, ist nicht recht einzusehen. Zumal jährlich schon 20 bis 30 Tiere dem Autoverkehr zum Opfer fallen oder illegal getötet werden. Am 27. Januar 2011 fordert nun die Kommission Schweden öffentlich auf, seine bedrohte Wolfspopulation angemessen zu schützen und damit den EU-Schutzvorschriften nachzukommen. Es gibt eine ganze Reihe von Punkten in der schwedischen Wolf-Politik, die der Kommission Sorgen bereiten. Insbesondere ist es die Tatsache, dass diese Tierart, trotz ihres ungünstigen Erhaltungszustands, bejagt wird. Außerdem fehlt immer noch ein Wolf-Managment-Plan. Auf Vorschlag von Umweltkommissar Janez Potočnik hat die Kommission nun beschlossen, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Schweden einzuleiten. Wie lange sich dieser Prozess hinziehen wird und was dabei herauskommt, steht noch in den Sternen.
LJA 08.02.2011
5. Das dürfte
Zitat von VexEs gibt glaube ich noch immer keinen bewiesenen Fall bei dem ein Wolf einen erwachsenen Menschen gejagt und erlegt hätte. Bei Wildkatzen und Luchsen verhält es sich ähnlich trotzdem haben wir all diese Tiere ausgerotten und meist auch die Umwelt so verändert das eine Ansiedlung kaum mehr möglich ist. Woher die Angst vor diesen Tieren kommt ist ein absolutes Rätsel. Selbst Haie, Tieger und Löwen in freier Wildbahn brigen es zusammen auf kaum mehr als 5 Todesfälle im Jahr und liegen wahscheinlich noch unter der Todesquote von Zoos/Zirkus und wohl auch deutlich unter der von Haustieren. Wenn man das mal mit dem Verkehr vergleicht merkt man wie lächerlich das ist. Ein absolutes Alkohol verbot würde mehr Menschenleben retten als wohl alle Wildtiere zusammen auf der Welt verursachen trotzdem würde niemand auf die Idee kommen .... Wenn man sich hingegen ansieht welches Leid wir den Tieren (Haien zB) antun wirkt es schon nichgt mehr lächerlich sondern erbärmlich.
wohl eher daran liegen, dass der Wolf bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aus den dichtbevölkerten Gegenden Europas verschwunden ist. Naturgemäß gibt es deshalb nur mündliche Überlieferungen, die noch dazu meistens aus entlegenen Regionen stammten, deren Nachrichten die Zivilisation nur mit einiger Verspätung, wenn überhaupt, und dann häufig in verfälschter Form erreichten. In der Tat sind Videodokumentationen über Wolfsangriffe aus der Zeit vor 1850 vergleichsweise selten. :)
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