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Extrem-Tauchen: Schildkröten bleiben ein halbes Jahr unter Wasser

Moschusschildkröten können beinahe ein halbes Jahr unter Wasser bleiben - ohne an der Oberfläche Luft zu holen. Lange rätselten die Forscher, wie das den Tieren gelingt. Nun scheint festzustehen: Ein spezielles Organ im Rachen macht Extrem-Tauchgänge möglich.

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Egon Heiss

Moschusschildkröte: Bis zu 150 Tage unter Wasser

Wien - Die gewöhnliche Moschusschildkröte ist ein Tauchkünstler. Bis zu 100 Tage kann sich das etwa handtellergroße Tier in zehn Grad kaltem Wasser bewegen ohne an die Oberfläche zu kommen. Bei drei Grad Wassertemperatur sind sogar Tauchgänge von 150 Tagen drin. Wie die kleinen Süßwasserbewohner ihre Extremausflüge eigentlich durchhalten, war bisher aber weitgehend unbekannt - obwohl sie länger unter Wasser bleiben können als Meeresschildkröten.

Forscher um Egon Heiss von der Universität Wien haben nun herausgefunden, was die Schildkröten zu ihren Extremleistungen befähigen könnte. Im Fachmagazin "Anatomical Record" berichten sie von ihren Untersuchungen. "Wir haben uns die Haut der Tiere angesehen. Da sind kaum Gefäße drin", erklärt Heiss im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Auch die Atmung über die Kloake, also den Körperausgang, die bei vielen anderen Arten zum Einsatz komme, sei bei den Moschusschildkröten anatomisch ausgeschlossen.

Stattdessen dürfte ein spezielles Organ im Rachen der Tiere für die Atmung verantwortlich sein. Die Strukturen, sogenannte Papillen seien von zahlreichen Blutgefäßen durchzogen. Ähnliche Strukturen sind auch von Weichschildkröten bekannt, die ebenfalls lange tauchen können. Die Wiener Forscher konnten die Ausstülpungen nun auch bei der Moschusschildkröte sowohl unter dem Licht- als auch dem Elektronenmikroskop erkennen.

Die große Oberfläche mache einen einfachen Gasaustausch möglich, sagt Heiss. Unter Wasser würden die Tiere ihren Rachenraum regelmäßig mit frischem Wasser spülen - und so an den dringend benötigten Sauerstoff kommen. Wichtig sei das vor allem für die Überwinterung. Die Moschusschildkröten leben in Binnengewässern im Osten Nordamerikas. Gerade in den kanadischen Lebensräumen könnten die Winter dabei recht lang werden. Und wer da unter Wasser auf eisfreie Seen geduldig warten kann, der ist klar im Vorteil.

chs

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