Gewitter-Deutschlandkarte Wo die meisten Blitze einschlagen

Es ist ein gewaltiges Naturspektakel: Viele zehntausend Ampere Strom werden frei, wenn ein Blitz einschlägt. Welche Gebiete in Deutschland werden am häufigsten zum Ziel? Ein neuer Atlas zeigt: Mehrere Großstädte im Süden sind besonders betroffen.

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Hamburg - Die Gefahr, von einem Blitz getroffen zu werden, sei geringer als die Chance auf sechs Richtige im Lotto - so heißt es. In einigen Regionen jedoch ist die Bedrohung bei Gewitter deutlich größer als viele meinen. Eine neue Karte zeigt, wie häufig die rund 30.000 Grad heißen Starkstromfackeln in Deutschland einschlagen.

Manche Orte im Süden und Südosten der Republik werden sehr häufig vom Blitz getroffen, im Norden hingegen ist die Naturgefahr deutlich seltener, berichtet Stephan Thern vom Blitzinformationsdienst der Firma Siemens (Blids) auf dem Extremwetterkongress in Hamburg.

In Deutschland am häufigsten vom Blitz getroffen wird den Daten zufolge der Mittlere Erzgebirgskreis, dort schlagen im Jahr regelmäßig mehr als sechs Blitze pro Quadratkilometer ein. Ähnlich bedroht sind im Erzgebirge auch die Landkreise Annaberg, Dippoliswalde und Freiberg. Doch auch in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen liegen Schwerpunkte mit etwa fünf Einschlägen pro Quadratkilometer. Vor allem Metropolen sind gefährdet, in Innenstädten mit ihren vielen Gebäuden gewittert es heftiger als über dem freien Land - die größere Hitze im Ballungsgebiet sorgt für größere Energie in der Luft.

Bedrohte Metropolen

In Bayern sind neben der Stadt München vor allem Landkreise südlich der Landeshauptstadt gefährdet. In Baden-Württemberg schlagen die meisten Stromschleudern im Großraum Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb ein. In Hessen ist besonders die Region Frankfurt/Darmstadt betroffen.

Die wenigsten Blitzschläge ereignen sich in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern und im Nordwesten Niedersachsens. Dort werden Landstriche in manchen Jahren komplett von Blitzeinschlägen verschont, so dass im Durchschnitt gut ein Einschlag pro Quadratkilometer zu Buche steht.

Die Ursache für die großen Unterschiede im Bundesgebiet sind vor allem Gebirge und das Temperaturgefälle: An den Anhöhen von Erzgebirge, Schwäbischer Alb, den Alpen und Mittelgebirgen stauen sich vor allem im Sommer feuchte Luftmassen. Wenn sie aufsteigen, sprießen oft mächtige ambossförmige Gewitterwolken - das perfekte Milieu für die Blitze.

Dem Strom auf der Spur

Die aufsteigende Luft sorgt für erhebliche Turbulenz, dabei können Spannungen von Millionen Volt entstehen: Hagelkörner reiben sich an Eiskristallen, wobei sich positive von negativen Ladungen trennen. Kleine Teilchen laden sich positiv auf, Aufwinde peitschen sie in die Höhe. Bald schweben in zehn Kilometern Höhe vor allem Teilchen mit positiven Ladungen, während die Wolke in flacheren Gefilden negativ geladen ist. Die elektrische Spannung dazwischen löst sich mit einem Schlag - es blitzt. Viele zehntausend Ampere Strom fließen zur Erde - Elektrogeräte laufen mit rund zehn Ampere.

Der neue Atlas beruht auf Messungen von 150 Antennen, die Siemens in Europa aufgestellt hat. Schlägt ein Blitz ein, erreicht das Signal die Antennen zu unterschiedlichen Zeiten. Wie Steinewerfer an einem Teich können Experten berechnen, wo ein Blitz eingeschlagen ist: Die elektromagnetischen Wellen breiten sich gleichmäßig in alle Richtungen aus, wie Wellen in einem See, wenn ein Stein ins Wasser plumpst. Am nahen Ufer branden die Wellen eher an. Indem man die Ankunftszeiten der Wellen an mehreren Uferabschnitten vergleicht, lässt sich der Ursprungsort bestimmen.

Aus den Daten lasse sich so ableiten, in welchen Regionen die größte Gefahr drohe, sagt Siemens-Experte Thern. Zudem könnten zum Beispiel Versicherungen und Stromversorger feststellen, ob Schäden an Leitungen oder Gebäuden vom Blitzschlag verursacht wurden.


Soeben ist Axel Bojanowskis Buch "Nach zwei Tagen Regen folgt Montag" (DVA, 224 Seiten, 14,99 Euro) über 33 erstaunliche Phänomene der Erde erschienen.



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