Premiere ohne Happy-End Faultier-Baby kommt per Kaiserschnitt zur Welt - und stirbt

Tierärzte haben in Costa Rica ein Faultier-Baby per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Zunächst sah es so aus, als hätte der spektakuläre Eingriff Mutter und Kind gerettet. Doch das Glück währte nur kurz.

The Sloth Institute Costa Rica/ Primatography/ Sam Trull

Als Sam Trull das Faultier untersuchte, schwante ihr Böses. Ein junger Hotel-Angestellter hatte beobachtet, wie das Tier von einem Baum fiel. Vor Trulls Augen bekam das Weibchen, ein Dreifinger-Braunkehlfaultier, dann offenbar einen Anfall. "Wie es der Natur von Faultieren entspricht, war es eher ein langsamer Anfall, eher wie ein neurotischer Tick als ein Anfall, wie er bei Menschen vorkommt", schreibt Trull in ihrem Blog. Zu ihrer Erleichterung stellte die Tierschützerin fest, dass das Faultier keine Schädelverletzung hatte. Die Erleichterung verschwand allerdings, als sich herausstellte, dass das Weibchen trächtig war.

Trull, Gründerin des Sloth Institute Costa Rica, brachte das Tier zu einem Veterinär. Ein Röntgenbild zeigte, dass sich das Jungtier in Beckenendlage befand: Es wollte mit den Füßen und nicht mit dem Kopf voran ans Tageslicht. Das aber war nicht möglich, da die Blase und die Innereien des Muttertiers prallvoll waren - Urin und Fäkalien können bei Faultieren bis zu 30 Prozent des Körpergewichts ausmachen.

Der Tierarzt entschied sich kurzerhand zum Kaiserschnitt - der vermutlich weltweit erste Eingriff dieser Art an einem Faultier. Die Operateure ließen zuerst Urin aus der Blase ihres Patienten, um an die Gebärmutter zu gelangen. Wie die britische BBC berichtet, dauerte der Eingriff 30 Minuten, und Trull nahm ein scheinbar gesundes Faultier-Baby in Empfang und wärmte es per Hautkontakt, während das Muttertier mit Sauerstoff aufgepäppelt wurde.

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Premiere: Faultier kommt per Kaiserschnitt zur Welt
Am Tag nach der Operation schien es zunächst, als sei das Weibchen auf dem Weg der Besserung. Allerdings hatte es weiterhin neurologische Beschwerden und konnte weder richtig fressen noch sich um seinen Nachwuchs kümmern. Auch dem Jungtier, einem Männchen, ging es alles andere als gut: Es hatte Herz- und Lungenprobleme und zeigte kaum Appetit. Es starb eine Woche nach seiner Geburt. Seine Mutter hatte nur einen Tag danach einen Schlaganfall und starb ebenfalls.

"Es war niederschmetternd, aber nicht wirklich überraschend", sagte Trull der BBC. "Ich bin froh, dass er eine Woche hatte und mit seiner Mutter kuscheln konnte. Es mag kein sehr langes Leben gewesen sein, aber wenigstens war es ein Leben."

mbe

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