Silvester-Bilanz So viel Feinstaub verursachte die Knallerei

Kaum Wind, viel Geballer: Feuerwerke trieben die Feinstaubwerte in Deutschland an Silvester in die Höhe. Betroffen war vor allem der Süden.

Silvesterfeuerwerk in Berlin: Raketen steigen hinter der Oberbaumbrücke in den Himmel (Aufnahme mit Langzeitbelichtung)
DPA

Silvesterfeuerwerk in Berlin: Raketen steigen hinter der Oberbaumbrücke in den Himmel (Aufnahme mit Langzeitbelichtung)


Raketen und Böller haben in der Silvesternacht vor allem in Großstädten erhebliche Mengen Feinstaub erzeugt. Wegen der Wetterlage gab es besonders in Süddeutschland hohe Partikelbelastung in der Luft.

Messpunkte sind allerdings dünn gesät, selbst Metropolen verfügen nur über wenige Stationen. Das Umweltbundesamt hat nun die höchsten gemessenen Werte für die Stunde nach Mitternacht an Silvester veröffentlicht.

Die bundesweit höchste Konzentration gab es in Berlin-Friedrichshain: Dort wurden 853 Mikrogramm Feinstaub der Partikelgröße PM10 pro Kubikmeter gemessen. Dahinter folgte eine Station in Reutlingen mit 805 Mikrogramm pro Kubikmeter und eine in der Innenstadt von Leipzig mit 781 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Grenzwert für das Tagesmittel beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter

Mit größerem Abstand folgten dann Messstationen in Ottweiler (488), Karlsruhe (468), Darmstadt (467), Würzburg (452) und Friedrichshafen am Bodensee (450). Auch in Köln, München und anderen größeren Städten wurden stark erhöhte Feinstaubwerte um ein Uhr nachts am 1. Januar gemessen.

Feinstaubwerte um ein Uhr am 1. Januar (Messungen gibt es nur an den Punkten, die Werte in den übrigen Regionen wurden davon abgeleitet.)
Umweltbundesamt

Feinstaubwerte um ein Uhr am 1. Januar (Messungen gibt es nur an den Punkten, die Werte in den übrigen Regionen wurden davon abgeleitet.)

Besonders Orte in Tälern im Süden hätten stundenlang unter erhöhter Feinstaubbelastung gelitten, berichtet Ute Dauert vom Umweltbundesamt (UBA).

Im Gegensatz zu Süddeutschland sorgte in Norddeutschland Luftbewegung dafür, dass die Staubwolken rasch verflogen. "Vielerorts wehte kräftiger Wind und mancherorts hat es geregnet", sagt Dauert. "Das dünnt aus und wäscht aus." Drei Stunden nach Mitternacht seien die Werte an den meisten Stationen wieder im Normalbereich gewesen.

Feinstaubwerte im Durchschnitt über den gesamten 1. Januar
Umweltbundesamt

Feinstaubwerte im Durchschnitt über den gesamten 1. Januar

Lediglich an 18 der bundesweit mehr als 300 Messstationen wurde am 1. Januar der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten, es waren fünf Orte mehr als Neujahr 2018. Darunter waren Stationen in Berlin-Friedrichshain, Reutlingen, drei Stationen in Stuttgart, eine in Darmstadt und eine in Frankfurt.

Die Gesamtmenge an Feinstaub, die in Deutschland vom Feuerwerk an Silvester verursacht wird, ist beträchtlich. Sie entspricht etwa einem Siebtel der Menge, die der Autoverkehr hierzulande im Jahr freisetzt.

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In Deutschland setzen Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und weitere Sektoren insgesamt rund 220.000 Tonnen PM10-Feinstaub pro Jahr frei. Der Anteil des Silvesterfeinstaubs beträgt also rund zwei Prozent.

Im Video: Silvester in Berlin-Neukölln (SPIEGEL TV 2016)

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insgesamt 60 Beiträge
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krumbi 02.01.2019
1. So ist Deutschland
... an 364 Tagen werden sinnfreie Diskussionen über Feinstaubemissionen oberhalb des von der EU willkürlich festgesetzten Wertes geführt und am 365. Tag jagen die gleichen Leute für 137 Mio. ? Feuerwerkskörper in die Luft. Die dadurch gemessenen 853 Mikrogramm Feinstaub der Partikelgröße PM10 pro Kubikmeter spielen dann natürlich keine Rolle mehr. Das ist mehr als schizophren. Bei uns in Leipzig war der Rauch in den Straßen so dicht, dass Autos mit Nebellicht gefahren sind.
michi11161 02.01.2019
2. Hysterische Politikvermittlung.
Was lernen wir: Wenn in Deutschland nicht geballert worden wäre all die Jahre, dann gebe es kein Ozonloch und auch keine Erd Erwärmung. Ich selbst mag dieses Geböllere nicht. Der Spiegel möchte aber Politik betreiben. Hysterisches Geschreibsel. Fast wie bei der katholischen Kirche wird versucht der Bevölkerung eine schlechte Laune und Schuld einzureden.
Daniel 1956 02.01.2019
3. Super Feuerwerk...
...vor der Lanxess-Arena in Köln! PHANTASTISCH !!! Keine 20 Meter von mir entfernt, hunderte (mindestens) Zuschauer noch näher dran - und nicht einer (!!!) fiel tot um, obwohl der Feinstaub-/NOx-/etc.-Gehalt schon in Gramm und nicht bloß in Mikrogramm in jedem Kubikmeter enthalten war. Danke LANXESS für diese phantastische Show!!!
jla.owl 02.01.2019
4. ja, ja...
... jetzt aber bitte keinen Zusammenhang mit derzeitiger Diskussion herstellen.... es geht derzeit eher um Stickoxide... und es geht um Dauerbelastung für Menschen mit Vorerkrankungen... und ich möchte keinem Astmatiker erklären, dass mir sein Leben sch...egal sein, hauptsache ich könne geenzenlos fahren....
Gaztelupe 02.01.2019
5.
Ich weiß gar nicht, wann ich zum letzten Mal Feuerwerk verwendet habe, um ein Jahr das nächste ablösen zu sehen. Früher waren an Neujahr die Straßen mit winzigen Schnipseln chinesischer Zeitungen übersät, mit denen die Knaller ummantelt waren. Muss also sehr lange her sein. Feuerwerk zu Sylvester verursacht also große Mengen an Feinstaub? - Couldn’t care less. Die hübschen, teuren Kaminöfen in den Eigenheimen verursachen viel mehr über einen viel längeren Zeitraum, auch wenn sie das eitle Gefühl nachhaltiger Energiewandlung mit der wohligen Wärme des Feuers verbinden. Daher geben die Messstationen auch nur die Tagesmittel heraus, sonst würden Spitzenwerte am Freitag- und Samstagabend in den Speckgürteln der Großstädte doch schon die eine oder andere Frage aufkommen lassen. Solche aber sind in energiegewendeten Zeiten selbstredend zu vermeiden.
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