Geplantes Verbot Ferkel dürften weiter ohne Betäubung kastriert werden

Anfang 2019 sollte eigentlich Schluss sein mit der Kastration von Schweinen ohne Betäubung. Nun hat die große Koalition die Frist um zwei Jahre verlängert.

Ferkel bei einer Untersuchung (Symbolbild)
DPA

Ferkel bei einer Untersuchung (Symbolbild)


Die große Koalition in Berlin verschiebt das ursprünglich von Januar an geplante Verbot der Kastration von Ferkeln ohne Betäubung. CDU/CSU und SPD verständigten sich nach Unionsangaben auf einen Gesetzentwurf, mit dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot um zwei Jahre verlängert wird.

Grund seien fehlende Alternativen, was viele Schweinehalter ihre Existenz kosten könne. Die Koalitionsspitzen hatten sich bereits Anfang Oktober auf eine längere Übergangsfrist geeinigt. Grüne und Verbraucherschützer empörten sich und bestritten, dass es an Alternativen mangele - sie kosteten die Fleischindustrie nur mehr.

In Deutschland werden jedes Jahr Millionen männlicher Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. 2013 war mit der Reform des Tierschutzgesetzes beschlossen worden, die Praxis ohne Betäubung ab Anfang 2019 zu beenden. Nun wurde die Frist bis Ende 2020 verlängert.

Grüne für Kastration unter Narkose

Unionsfraktionsvize Gitta Connemann erklärte, es gebe derzeit keine marktgängige oder praktikable Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration. Erforderliche Tierarzneimittel seien noch nicht zugelassen, alternative Verfahren würden bislang von Handel und Verbrauchern nicht akzeptiert.

"Ohne ein Handeln des Gesetzgebers würden gerade die kleinen Höfe ab dem kommenden Jahr vor einem unlösbaren Problem stehen", argumentierte sie. Die Ferkelerzeugung werde dann ins Ausland abwandern.

Tierschützer fordern dagegen eine Kastration unter Narkose. Landwirte fürchten höhere Tierarztkosten.

In der Schweiz dürfen die Landwirte betäuben

Die Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung verwies darauf, dass es Landwirten in der Schweiz erlaubt sei, nach einer entsprechenden Schulung eine Inhalationsnarkose selbst anzuwenden und so Tierarztkosten zu sparen. Dass dies in Deutschland noch anders sei, bezeichnete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Eckard Wendt, als "völlig unverständlich".

Andere Organisationen fordern, die Schweine sollten mit einer Art Impfstoff behandelt werden, der die Bildung von Geschlechtshormonen von Beginn an verhindert. Die Wirkung komme einer Kastration gleich.

jme/dpa



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