Feuer-Prognose Weltkarte zeigt Brandrisiko der Zukunft

Forscher haben aus Satellitendaten eine Weltkarte der Flächenbrände erstellt - und anhand von Computermodellen berechnet, wo in Zukunft die meisten Großfeuer ausbrechen könnten. Das Ergebnis: Mitteleuropa entwickelt sich zu einer der globalen Risikozonen.


Hamburg - Der Klimawandel wird die Häufigkeit von Flächenbränden beeinflussen - das halten Forscher für ausgemacht. Im letzten Sachstandsbericht des Uno-Klimarats IPCC etwa gehörte die gesteigerte Feuergefahr zu jenen Folgen des Klimawandels, die mit "sehr großer Gewissheit" angekündigt wurden. Auch in Prognosen für Deutschland ist von einem erhöhten Waldbrandrisiko die Rede.

Bereits im Jahr 2006 hatten Forscher die erhöhte Zahl von Bränden in den USA direkt mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht. Doch jetzt haben Wissenschaftler eine detaillierte Weltkarte der Flächenbrände aus den vergangenen Jahren vorgelegt - und Modellrechnungen darüber, wo die Großbrände künftig verstärkt auftreten werden. "Es ist der erste Versuch, für den gesamten Planeten quantitativ zu berechnen, warum Brände wo auftreten", sagte Max Moritz von der University of California in Berkeley, einer der Autoren der Studie. Die Ergebnisse, die das Team unter Leitung von Meg Krawchuk jetzt im Online-Fachmagazin "PLoS ONE" vorgelegt hat, waren offenbar selbst für die Forscher überraschend. "Es ist verblüffend, wie schnell sich die Feueraktivität auf breiter Front in großen Teilen der Welt verändert", so Moritz.

Die Berechnungen basieren hauptsächlich auf zwei Variablen: einer ausreichenden Menge an Vegetation und dem Zeitfenster, in dem es trocken und heiß genug für Feuersbrünste ist. Zudem benutzten die Forscher Wärmebilder der europäischen Weltraumbehörde Esa aus den Jahren 1996 bis 2006, um das Auftreten von Flächenbränden global zu erfassen. So konnten die Wissenschaftler sehen, wo es zu Feuersbrünsten gekommen ist - und unter welchen Umweltbedingungen.

Starke Veränderungen überall auf der Welt

Klimamodelle verraten, wie sich diese Bedingungen in Zukunft verändern werden. Auf diese Weise haben Moritz und seine Kollegen vorausberechnet, wie sich die Waldbrandaktivität voraussichtlich entwickeln wird. Das Ergebnis: Überall auf der Welt kommt es zu starken Veränderungen. Es spielte dabei kaum eine Rolle, ob die Forscher die IPCC-Szenarien für geringe oder mittlere CO2-Emissionen der Zukunft zugrunde legten.

Wie bei anderen Folgen des Klimawandels - etwa dem Anstieg der Meeresspiegel - gibt es auch bei den Veränderungen der Verteilung von Flächenbranden Gewinner und Verlierer. Regionen, die heute regelmäßig mit großen Bränden zu kämpfen haben, können sich demnach auf Besserung freuen. Andere Gebiete wiederum - darunter auch Deutschland und Mitteleuropa - müssen sich in den kommenden Jahrzehnten auf rapide steigende Feuergefahr einstellen.

Zu den Regionen, in denen das Risiko am schnellsten zunimmt, gehören den Rechenmodellen zufolge:

  • große Teile der USA
  • Mittel- und Südosteuropa
  • das Tibetische Plateau

In anderen, bisher oft von Bränden heimgesuchten Gebieten, dürfte sich die Lage dagegen entspannen - etwa in Australien, Südeuropa sowie den Regenwaldgebieten Südamerikas und Afrikas.

Nur grobe Prognosen möglich

Präzisere Vorhersagen macht die Studie allerdings nicht. Wie die Forscher betonen, müsste man für zuverlässige regionale Prognosen eine größere Zahl unterschiedlicher Klimamodelle einbeziehen und auch spezifische Faktoren berücksichtigen, die die regionale Brandaktivität unabhängig von der allgemeinen Entwicklung beeinflussen.

"Die Brandmuster werden sich verändern, und wir müssen darüber nachdenken, was das für die Ökosysteme bedeutet und wie wir darauf reagieren werden", sagte Studienleiterin Krawchuk. Denn eine Gefahr sei nicht nur die steigende Feuergefahr in manchen Regionen. "Ein starker Rückgang der Brandaktivität ist auch nicht unbedingt gut für ein Ökosystem, das sich regelmäßigen Flächenbränden angepasst hat." So gebe es beispielsweise Baumarten, die Brände zur Regeneration bräuchten. Ohne diese Erholung durch Feuer könne es "mit der Zeit zu dramatischen Veränderungen" kommen.

Wie schnell das mitunter gehen könne, zeige das Beispiel Australiens, wie Atmosphärenforscherin Katharine Hayhoe von der Texas Tech University erklärte. Erst 2006 hatten Wissenschaftler gewarnt, dass der Klimawandel das Buschfeuerrisiko im Südosten des Landes verschärfen könnte. In diesem Jahr nun erlebte Australien eine ungeheure Hitzewelle und die verheerendsten Feuersbrünste seiner Geschichte.

Zwar stehe nicht zweifelsfrei fest, ob der globale Klimawandel eine Rolle bei den Februar-Feuersbrünsten in Australien gespielt hat, sagte Hayhoe. "Aber wir wissen, dass der Klimawandel die Bedingungen für verheerende Brände in naher Zukunft begünstigen wird." Ein schwacher Trost für Down Under: In den kommenden Jahrzehnten wird es der Prognose zufolge dort seltener zu Bränden kommen.

mbe



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