Feuerberge: Die sieben sonderbarsten Vulkane der Welt

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Feuer, Lava, Donnerhall sind immer für eine Show gut. Aber einige Feuerberge erstaunen selbst gestandene Geologen: Überdruckventil, Riesendeckel, Schnee- und Popcornlava - eine subjektive Auswahl der sieben sonderbarsten Vulkane der Welt.

Was haben Wissenschaftler nicht alles unternommen, um Vulkane unter Kontrolle zu bringen. Sie entnahmen Lava- und Gasproben, haben die Feuerberge verkabelt wie Intensivpatienten und lassen sie permanent mit Satelliten überwachen. Zwar entschlüsselten die Forscher manches Signal der Vulkane - doch Ausbrüche lassen sich bis heute nicht präzise vorhersagen.

Aktiver Vulkan: Feuer, Lava, Donnerhall - und manchmal exotische Überraschungen
DPA

Aktiver Vulkan: Feuer, Lava, Donnerhall - und manchmal exotische Überraschungen

Das Dilemma wurde vor einem Jahr am indonesischen Vulkan Merapi offenkundig. Zehntausende Anwohner waren evakuiert worden, nachdem der Merapi – er gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt – Asche und Lava gespuckt hatte. Doch die befürchtete Explosion blieb aus. Wieder einmal wurde der Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie rätselhaft Vulkane immer noch sind.

Für Vulkanologen jedoch war die Unberechenbarkeit des Merapi Normalität. Bloße Unberechenbarkeit erstaunt die Fachleute schon lange nicht mehr. Sie wundern sich eher über andere Vulkane: Sieben Feuerberge verblüffen die Experten besonders. Aktuelle Studien lüften manches Geheimnis der bizarrsten Feuerberge der Welt (siehe Karte - für Details auf die Vulkan-Symbole klicken).

Am Masaya in Nicaragua etwa warten die Anwohner seit Jahrzehnten auf den großen Knall. Der Vulkan dampft unentwegt, er steht offenbar unter Hochdruck. Dennoch blieben größere Explosionen bislang aus. Jetzt hat ein Experte entdeckt, dass der Vulkan über eine Art Sicherheitsventil verfügt. Es baue den Gasdruck im Innern des Vulkans stetig ab, schreibt John Stix von der McGill University in Montreal, Kanada, in der Juni-Ausgabe des Fachmagazins "Geology".

Gefahr durch Lavafluten

Der Nyiragongo im afrikanischen Kongo bedroht umliegende Städte mit seiner außergewöhnlichen Lava, die flüssig ist wie Wasser. Sie wälzt sich nicht wie normale Lava zäh wie Knetmasse zu Tal, sondern stürzt regelrecht den Berg hinab. Vor der Lava des Nyiragongo gibt es kein Entkommen.

Vor fünf Jahren starben 170 Menschen bei einem Ausbruch. Sie könnten noch leben, wären zuvor die Fließwege der Lava ermittelt worden. Doch erst jetzt erscheint im Fachblatt "Eos" die erste derartige Studie. Geoforscher um Dario Tedesco von der Universität Neapel haben berechnet, welche Gebiete zu Füßen des Nyiragongo im Falle eines erneuten Ausbruchs von Lavafluten bedroht sind. Demnach muss beispielsweise der Flughafen umgesiedelt werden: Ansonsten wären im Katastrophenfall keine Hilfsflüge möglich, denn die Landebahn würde mit Lava überschwemmt.

Außer Ostafrika bedrohen Vulkane vor allem die Küsten des Pazifiks. Dort erheben sich die meisten der rund 1500 aktiven Vulkane, die über Wasser liegen. Sie entstanden, weil an den Pazifikküsten durch die Bewegungen der Erdplatten Ozeanboden unter die Kontinente abtaucht. In der Tiefe schmilzt Gestein, Magma steigt auf.

Gute Schild-, böse Schichtvulkane - und Ätna in der Krise

Im Normalfall verrät bereits häufig das Aussehen eines Vulkans seine Gefährlichkeit: Die explosiven Schichtvulkane haben die steile Kegelform des Vesuv, denn bei jeder Eruption werden abwechselnd Lava- und Ascheschichten abgelagert. Schichtvulkane fördern sehr zähflüssiges Magma nach oben, deshalb können Gase kaum entweichen. Sie stauen sich, bis es zur Explosion kommt.

Die flachen Schildvulkane hingegen fördern weniger zähe Lava. Sie fließt Dutzende Kilometer weit und bedeckt ausgedehnte Flächen. Kontinuierlich ergießt sich Lava über den Kraterrand, so dass Gase aus dem Vulkan entweichen können. Deshalb sind Schildvulkane, wie sie etwa auf Hawaii vorkommen, nur selten explosiv.

Auch der Ätna auf Sizilien - immerhin der höchste und aktivste Vulkan Europas - würgte seine Lava bislang zumeist behutsam hervor. Er gilt deshalb bei den Einheimischen als "der Gutmütige". Bei seinen Ausbrüchen kamen selten Menschen zu Schaden, weil sie sich meistens in aller Ruhe in Sicherheit bringen konnten.

Doch nun steckt der Ätna anscheinend in einer Identitätskrise: In den vergangenen Jahren schossen mehrfach explosive Lavafontänen aus dem Berg. Untersuchungen des geschmolzenen Gesteins gaben Anlass zur Sorge. Forscher berichten, dass der Vulkan womöglich aus einer neuen Quelle speist - und in Zukunft heftiger auszubrechen droht.

Sicher ist das aber noch nicht. Obwohl er der wohl besterforschte Vulkan ist, bleibt sogar der sizilianische Feuerriese rätselhaft.

Die sieben sonderbarsten Vulkane der Welt im Überblick:

Masaya, Nicaragua
Nyiragongo, Kongo
Ol Doinyo Lengai, Tansania
Krause-Vulkan, Pazifik
Soufrière Hills, Montserrat
Erta Ale, Äthiopien
Sierra Negra, Galapagos

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