Kommunikation im Meer Finnwale hören mit den Schädelknochen

Lärm stört die Kommunikation von Walen, fürchten Forscher. Wie tiefe Töne zum Gehör der Tiere vordringen, war bislang jedoch nur bei einigen Arten bekannt. Nun zeigt sich: Bei Finnwalen sind die Schädelknochen entscheidend.

Ted W. Cranford/ Petr Krysl

Die gigantischen Blauwale hören wohl vor allem mithilfe ihrer Schädelknochen. Diese leiten gerade bei tiefen Frequenzen die Vibrationen an die Ohrknöchel weiter, wie Simulationen am Schädel eines Finnwals zeigen. Die Erkenntnisse könnten sich auf Regulierungen von US-Behörden zu Unterwasserlärm auswirken und so dem Schutz der Tiere zugutekommen.

Finnwale gehören wie Blau- oder Grauwale zu den Bartenwalen (Mysticeti) und zählen mit Körperlängen von bis zu 30 Metern zu den größten Tieren der Erde. Die meisten Arten gelten als gefährdet. Zu ihrer Verständigung nutzen die Tiere Rufe, die gerade in extrem tiefen Frequenzen über Tausende Kilometer durch die Meere hallen.

Bisher beruhten Vermutungen zum Gehör von Bartenwalen weitgehend auf Spekulationen. Das Frequenzspektrum, das sie wahrnehmen, wurde etwa von der Bandbreite ihrer Rufe abgeleitet oder von Versuchen, bei denen man die Reaktionen der Tiere auf Lärm beobachtete.

Tiefe Töne kommen nicht durchs weiche Gewebe

Nun haben Forscher der University of California in San Diego die Schallweiterleitung der Wale direkt untersucht. Ted Cranford und Petr Krysl analysierten den Schädelknochen eines Finnwalkalbs, das Ende 2003 an der kalifornischen Küste gestrandet war, in einem CT-Scanner und erstellten am Computer ein detailgetreues Modell des Schädels. Dann simulierten sie, wie Schallwellen sich auf die verschiedenen Schädelknochen auswirken und zu den Ohrknöcheln gelangen.

Schädel des Finnwalkalbs: Tiefe Töne werden über Knochen weitergeleitet
SDSU

Schädel des Finnwalkalbs: Tiefe Töne werden über Knochen weitergeleitet

Die Studie zeigt, dass Schall zwar auch über das weiche Gewebe weitergeleitet wird, allerdings vorwiegend die höheren Frequenzen. Bei tiefen Tönen reicht diese Weiterleitung nicht aus. Die Frequenzen werden stattdessen durch den Knochen geleitet. In niedrigen Frequenzen sei diese Knochenleitung viermal empfindlicher als das Weichgewebe-Pendant, im Bereich zwischen 10 und 130 Hertz sogar bis zu zehnmal sensibler, berichten die Forscher im Fachmagazin "PLoS ONE".

"Knochenleitung ist bei Finnwalen und anderen Bartenwalen wahrscheinlich der vorherrschende Hörmechanismus", so Cranford. Möglicherweise könnten die Resultate auch dem Tierschutz dienen, schreiben die Forscher. "Unsere Resultate liefern wertvolle Informationen für US-Regulierungsbehörden und großindustrielle Nutzer der Meeresumgebung."

Viel Lärm im Meer

"Bartenwale brauchen einen ruhigen Lebensraum, um sich zu verständigen", sagt Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, der nicht an der Studie beteiligt war. "In den Meeren ist es sehr laut geworden."

Das Frequenzspektrum der Walklänge überlappt sich mit der Bandbreite von menschlich verursachtem Unterwasserlärm - vor allem durch den zunehmenden Schiffsverkehr, Bohrinseln, Rammarbeiten für Offshore-Windparks oder militärische Versuche. Dieser zunehmende Lärm stört nach Ansicht vieler Forscher die Kommunikation und auch die Orientierung der Tiere.

Die Studie gibt nach Ansicht von Meeresforscher Benke erstmals den exakten Nachweis zur Funktion des Gehörs von Bartenwalen. Während man von Zahnwalen gewusst habe, dass sie den Schall vor allem mithilfe des Unterkiefers empfingen, habe man bislang in Bezug auf Bartenwale lediglich spekulieren können, sagt der Meeresbiologe.

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