Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Australien: Wild lebende Fische entwickeln Hautkrebs

Von

Erstmals haben Forscher wild lebende Fische entdeckt, die an schwarzem Hautkrebs leiden. Die Krankheit der Forellenbarsche im australischen Great Barrier Reef ähnelt dem Melanom beim Menschen.

Leopard-Forellenbarsch: Auch am Kopf entwickeln die Tiere schwarzen Hautkrebs Zur Großansicht
Michelle Heupel/Australian Institute of Marine Science

Leopard-Forellenbarsch: Auch am Kopf entwickeln die Tiere schwarzen Hautkrebs

Forellenbarsche im Great Barrier Reef entwickeln Krebszellen, die durch dunkle Flecken auf ihrem gesamten Körper sichtbar werden, berichten englische und australische Forscher im Fachmagazin "PLoS One". Vermutlich wird die Krankheit, ähnlich wie beim Menschen, durch UV-Strahlung ausgelöst.

Aufgefallen waren die Leopard-Forellenbarsche (Plectropomus leopardus) mit den seltsamen Flecken australischen Forschern zufällig, als sie eigentlich Haie im Great Barrier Reef beobachteten. Mikrobiologen vermuteten zunächst eine Pilzerkrankung. "Doch zu unserer Überraschung zeigten Gewebeanalysen, dass in den Fischen Melanozyten zu Krebszellen mutiert waren", erzählt Michael Sweet von der Universität in Newcastle, der die Studie leitete. Melanozyten produzieren Melanin, den Farbstoff der Haut, und sitzen auch in menschlichem Hautgewebe.

Mindestens 15 Prozent der Leopard-Forellenbarsche haben Hautkrebs

Sweet und seine Kollegen analysierten Gewebeproben aus zwei Forellenbarschpopulationen im Great Barrier Reef. Von den 136 untersuchten Fischen zeigten 20 Tiere dunkle Läsionen auf der Haut. Die Krankheit hatte sich auf dem Körper der Forellenbarsche unterschiedlich stark ausgebreitet: Bei einigen Fischen deckten die bösartigen Pigmentflecken fünf Prozent der Haut ab, bei anderen war fast der ganze Körper mit Krebszellen übersät.

Die Wissenschaftler fanden jedoch keine Fische, bei denen der Krebs bereits tief ins Gewebe vorgedrungen war. Das liege daran, dass extrem kranke Fische, die Metastasen etwa in Leber oder Gehirn haben, nur wenig aktiv seien. Solche Exemplare zu fangen, sei unwahrscheinlich: "Weil wir sehr kranke Tiere nicht erfassen können, leiden vermutlich sogar mehr Forellenbarsche an Hautkrebs, als die Studie zeigt."

Falsche Partnerwahl führt möglicherweise zu Hautkrebs

Der Krebs der Fische sieht dem bösartigen schwarzen Hautkrebs des Menschen (malignes Melanom) sehr ähnlich. Solche Geschwüre erzeugen Forscher im Labor schon länger in Fischen. Dazu kreuzen sie verschiedene Spezies und bestrahlen sie mit UV-Licht. Dass diese Fische Hautkrebs entwickeln, liege daran, dass bei der Kreuzung sogenannte Tumorsupressorgene aus dem Erbgut der Fische verschwinden. UV-Strahlung regt dann ein unkontrolliertes Wachstum der Melanozyten an: Krebs entsteht.

Auch in der Natur können Tumorsupressorgene aus dem Erbgut verschwinden, wenn sich Exemplare verschiedener Spezies fortpflanzen. Von Leopard-Forellenbarschen weiß man, dass sie sich auch mit Kinnstreifen-Forellenbarschen oder Sattel-Forellenbarschen paaren. Sollten dabei tatsächlich Tumorsupressorgene verlorengehen, wäre das eine Erklärung, warum die Fische so sensibel auf UV-Licht reagieren. "Ob in den Forellenbarschen tatsächlich die gleichen Gene die Krebsentstehung steuern, wie bei den Fischen im Labor und im Menschen, wollen wir in weiteren Studien untersuchen", sagt Sweet. "Forschungsgelder haben wir bereits beantragt."

Auch andere Meeresbewohner reagieren empfindlich auf UV-Strahlung

"Da wir andere Ursachen wie Infektionen und Wasserverschmutzung bereits ausschließen können, scheint UV-Strahlung mit großer Wahrscheinlichkeit der Grund für die Krebs-Entstehung zu sein", sagt Sweet. Dafür spreche auch, dass das Great Barrier Reef unter dem weltweit größten Ozonloch liegt. Alle untersuchten Fische wurden in nicht einmal 20 Meter tiefem, klarem Wasser gefangen. Schädliche UV-B Strahlung dringt problemlos bis dorthin vor.

Forellenbarsche wären nicht die einzigen Meerestiere, die empfindlich auf UV-Strahlung reagieren. Junge Hammerhaie etwa können sich bräunen: Sind ihre Melanozyten Sonnenlicht ausgesetzt, produzieren sie große Mengen Farbstoff. Die Hautfarbe der Haie ändert sich von braun zu schwarz. Auch Albinos, etwa weiße Orcas oder Alligatoren, können einen Sonnenbrand bekommen.Hautkrebs fand man bei diesen Arten bislang aber nicht.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Hautkrebs
Zahl der Erkrankten steigt
Seit den siebziger Jahren steigt die Zahl von Hautkrebserkrankungen , keine andere Krebsart verzeichnet vergleichbare Zuwachsraten. Mehr als 20.000 Deutsche erkranken jedes Jahr neu am schwarzen Hautkrebs , die Zahlen für weißen Hautkrebs sind noch höher: Bei rund 80.000 deutschen Patienten wird jährlich ein Basalzellkarzinom diagnostiziert, bei etwa 22.000 ein Plattenepithelkarzinom .
Hauptursache hierfür ist die Belastung mit UV-Strahlung durch übermäßiges Sonnenbaden, Solarien und die erhöhte Strahlung durch die Zerstörung der Ozonschicht.
Malignes Melanom
Mit dem Begriff Hautkrebs wird umgangssprachlich oft das maligne Melanom bezeichnet, die bekannteste und gefährlichste Hautkrebsform. Dieser "schwarze Hautkrebs" entwickelt sich in der Regel als bösartige Neubildung pigmentbildender Zellen der Haut. Dabei wirken sich offenbar Effekte des ultravioletten Lichts aus: Unter anderem unterdrückt UV-Strahlung die Immunabwehr - mit der Folge, dass Krebsherde ungestört heranwachsen können.

Als besonders gefährdet gelten Menschen mit vielen pigmentierten Muttermalen ( Nävi ), hellem Hauttyp und genetischer Vorbelastung. Auch sogenannte Altersflecken können auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko hinweisen. Bei Männern steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter. Frauen bekommen Hautkrebs auch schon in jungen Jahren.
Früh erkannt, sind die Heilungschancen gut: Ist der Tumor nicht mehr als 1,5 Millimeter dick, überleben mehr als 90 Prozent der Patienten die nächsten zehn Jahre. Sind hingegen bereits Metastasen in Leber, Lunge, Gehirn oder Knochen aufgetreten, ist der Krebs meist nicht mehr heilbar. Jährlich sterben etwa 2500 Menschen am malignen Melanom.
Weißer Hautkrebs
Häufiger als maligne Melanome treten Hautkrebsarten auf, die sich nicht aus den pigmentbildenden Zellen der Haut entwickeln und oft unter den Begriffen weißer oder heller Hautkrebs zusammengefasst werden. Am häufigsten sind darunter das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom . Das UV-Licht der Sonne schädigt in den Hautzellen die Erbsubstanz DNA. Mutationen entstehen, die zu Krebs führen können. Das Risiko, an einem sogenannten nichtmelanozytären Hautkrebs zu erkranken, steigt mit der lebenslang erworbenen UV-Dosis und daher mit zunehmendem Alter. Diese Hautkrebserkrankungen bilden fast nie Metastasen (Tochtergeschwülste) und sind somit in der Regel heilbar.
Vorbeugende Maßnahmen
Die beste Prävention gegen Hautkrebs ist nach wie vor ausreichender Schutz vor UV-Strahlung , unter anderen auch durch Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und schützende Kleidung. Sonnenbrände sollte man vermeiden und Kinder nicht übermäßig der Sonne aussetzen, vor allem nicht in der Mittagszeit.
Früherkennung
Je früher Hautkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb empfielt es sich, den eigenen Körper zu beobachten. Damit auch der Laie entsprechende Hautveränderungen entdecken kann, gibt es eine einfache ABCD-Regel. Die Abkürzung steht für Asymmetrie, Begrenzung, Colour (Farbe) und Durchmesser:
  • Asymmetrie: Ein Fleck kann gefährlich sein, wenn er keine runde oder ovale Form hat, sondern asymmetrisch aufgebaut ist.
  • Begrenzung: Eine unscharfe Begrenzung kann ebenso auf ein Melanom hindeuten wie unregelmäßige Ausfransungen oder Ausläufer des Pigmentmals.
  • Colour (Farbe): Ein Muttermal mit mehreren Farbtönungen sollte genau beobachtet werden.
  • Durchmesser: Auch ein Pigmentmal, dessen Durchmesser größer als fünf Millimeter ist, sollte beachtet werden.
Seit 1. Juli 2008 zahlen gesetzliche Krankenkassen vom 35. Lebensjahr an alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs bei qualifizierten Hausärzten und Dermatologen.

SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: