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Erbgutanalyse: Sieben neue Arten schwimmen in Deutschlands Flüssen

Maul eines Meerneunauges (Petromyzon marinus): Forscher finden zugewanderte Arten in deutschen Gewässern Zur Großansicht
DPA/ Matthias Geiger/ ZFMK

Maul eines Meerneunauges (Petromyzon marinus): Forscher finden zugewanderte Arten in deutschen Gewässern

Der Zebrabuntbarsch aus Mittelamerika, der Guppy aus der Karibik: In Deutschlands Flüssen haben Forscher sieben neue Arten entdeckt. Für die Einwanderung gibt es drei Gründe.

Bonn/Hamburg - In deutschen Seen und Flüssen leben immer mehr Fische und Neunaugen, die früher nur im Ausland vorkamen. Die Zahl der bekannten sogenannten gebietsfernen Arten sei in den vergangenen fünf Jahren von 14 auf 21 gestiegen, berichtete die Stiftung des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig.

Wissenschaftler haben das Erbgut von Wassertieren im Einzugsgebiet von Rhein, Weser, Oder, Elbe und Donau untersucht. Die Forscher aus Bonn, München und Wilhelmshaven stießen auf neue Exemplare: Darunter waren der Zebrabuntbarsch, der eigentlich im nördlichen Mittelamerika zu Hause ist, und der Guppy, der normalerweise in der Karibik lebt.

Drei mögliche Ursachen

Überraschend seien zudem erhebliche genetische Unterschiede zwischen einzelnen Populationen derselben Art, etwa bei den Kleinfischarten Elritze, Bachschmerle und Moderlieschen. Offenbar lebten diese Populationen bereits seit der Eiszeit in getrennten Lebensräumen, schreiben die Forscher um Thomas Knebelsberger vom Senckenberg-Institut im Fachjournal "Molecular Ecology Resources".

92 Arten von Fischen und Neunaugen haben die Forscher genetisch untersucht. Das seien etwa 80 Prozent dieser Arten in deutschen Süßgewässern, erläutert Mitautor Matthias Geiger.

Ein Grund für das Vorkommen der gebietsfernen Arten könne der Klimawandel sein, sagte ein Sprecher der Stiftung. Andere Fische wiederum gelangten über Lastkähne in heimische Flüsse: Bei Leerfahrten nehmen sie Wasser zur Stabilisierung an Bord und ziehen oft Tiere mit hinein, die gleichsam als blinde Passagiere an anderer Stellen wieder entlassen werden. Manche Fische stammten schlichtweg aus dem Aquarium und seien ausgesetzt worden.

boj/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Seefahrt
Gordis 09.10.2014
Wieder sind die Schiffe Schuld, aber diese Speziallisten sollen bei Ihren Fachwissen bleiben. Kein Schiff nimmt Ballastwasser in Südamerika (oder sonst wo) auf um es in Europa wieder rauszupumpen. Ballastwasser wird in einen genau vorgeschrieben Abstand zur Küste und Wasssertiefe gewechselt. Um das zu garantieren, werden Wasserproben in den Häfen genommen.
2. Von wegen neue Tierart
spon-facebook-10000147237 09.10.2014
Das Foto, mit dem Sie den Artikel aufmachen, zeigt ein Neunauge, ein Tier, das strenggenommen nicht zu den Fischen zählt, sondern ein Parasit ist und vom Blut anderer Fische lebt. Neunaugen leben seit eh und je in heimischen Gewässern. Mittlerweile stehen sie auf der Roten Liste. In manchen Ländern stehen die Tiere heute noch auf dem Speiseplan. MfG
3.
hador2 09.10.2014
Zitat von GordisWieder sind die Schiffe Schuld, aber diese Speziallisten sollen bei Ihren Fachwissen bleiben. Kein Schiff nimmt Ballastwasser in Südamerika (oder sonst wo) auf um es in Europa wieder rauszupumpen. Ballastwasser wird in einen genau vorgeschrieben Abstand zur Küste und Wasssertiefe gewechselt. Um das zu garantieren, werden Wasserproben in den Häfen genommen.
Wenn sich die Kapitäne an die Vorschriften halten mag das richtig sein. Allerdings ob das alle tun? Schließlich gibt es immer noch genug Kapitäne, die sogar ihre Öltanks einfach auf hoher See reinigen. Wenn selbst derart offensichtliche Umweltsauereien nicht unterbunden werden können, dann frage ich mich wie es bei so etwas unscheinbaren wie Ballastwasser aussieht... Und letztlich was helfen die Kontrollen wirklich. Wie können sie über eine Kontrolle des Ballastwassers im Hafen mit Sicherheit sagen in welcher Entfernung von der Küste das Ballastwasser getauscht wurde?
4. Entschuldigung,
traurigeWahrheit 09.10.2014
aber das hat nun wirklich nichts mit dem Klimawandel zu tun, genauso wenig, dass das Waldsterben dafür Ursache ist, das sich in Deutschland der Waschbär breit gemacht hat. Das kommt zwar immer gut, gerade in heutiger Zeit, ist aber Nonsens.
5.
hador2 09.10.2014
Zumindest bei Zebrabuntbarsch und Guppy ist wohl kaum davon auszugehen, dass diese über das Ballastwasser von Hochseeschiffen eingeschleppt wurden. Beides sind Süßwasserfische und beliebte Aquarienfische. Wie bereits am Ende des Artikels aufgelistet dürften eventuelle Populationen dieser Arten in Deutschland also eher von ausgesetzten Aquarienfischen abstammen, die in heimischen Flüssen angesichts milder Winter und durch Abwässer erhöhten Wassertemperaturen zumindest eine zeitlang überleben können.
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