Fischfang Seevögel wissen, wo die leckerste Beute wartet

Fischerboote üben eine deutlich größere Anziehungskraft auf Seevögel aus als bislang angenommen. Die Tiere können sogar zwischen unterschiedlichen Schiffstyen unterscheiden.

Ein Basstölpel in der Luft: Angezogen von Fischerbooten
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Ein Basstölpel in der Luft: Angezogen von Fischerbooten


Geht ein Fischerboot in den Fangmodus, horchen die Basstölpel im Umkreis von bis zu elf Kilometer um das Schiff auf - und ändern ihr Flugverhalten. Mit zunehmender Nähe zum Boot wird es wahrscheinlicher, dass sie selber zu jagen anfangen. Das zeigt eine Studie mit Basstölpeln rund um die britischen Inseln, die im Journal "Current Biology" veröffentlicht wurde.

Eine irisch-britische Forschergruppe um Thomas Bodey von der Universität Exeter nutzte dafür die GPS-Daten von 36 männlichen und 38 weiblichen markierten Basstölpeln aus sechs verschiedenen Kolonien. Das Flugverhalten der Vögel glichen sie mit den Schiffsbewegungen in der Irish Exclusive Economic Zone (EEZ) ab, die vom Vessel Monitoring System (VMS) aufgezeichnet werden. Da nach EU-Recht jedes Fischerboot mit einer Länge von mehr als 15 Metern mit einem GPS-Sender ausgerüstet sein und Angaben zu seinen Aktivitäten und Geschwindigkeiten machen muss, konnten die Forscher auf eine vollständige Dokumentation der Schiffsbewegungen in dem Gebiet zugreifen.

Unterscheidung der Bootstypen

Der Einflussbereich von Booten auf Seevögel ist offenbar riesig: Wie die Wissenschaftler aus Cornwall (Großbritannien) und Cork (Irland) herausfanden, beträgt der Durchmesser 22 Kilometer. "Wir wussten, dass Basstölpel und andere Seevögel regelmäßig Fischerbooten folgen. Wir hatten es aber für ein eher lokales Phänomen gehalten und waren überrascht, in welchem Ausmaß das Vogelverhalten beeinflusst wurde", erklärte Autor Thomas Bodey von der Universität Exeter in einer Mitteilung.

Um auszuschließen, dass lediglich Vögel und Boote von den selben Fischschwärmen angezogen wurden, gingen die Forscher noch mehr ins Detail. Und tatsächlich: Die Basstölpel erwiesen sich als äußerst clever. Sie konnten sogar unterschiedliche Bootstypen unterscheiden. Trawler zogen sie nur an, wenn diese sich tatsächlich im Fang-Modus befanden. Fuhren sie langsamer oder schneller, als das aktive Fangen erfordert, waren sie für die Vögel weniger interessant.

Anders verhielt es sich jedoch mit anderen Booten. Die lösten auch im langsamen Fortbewegungs-Modus Änderungen im Flugverhalten der Basstölpel aus. Möglicherweise, weil die Tiere gelernt haben, dass bei dieser Geschwindigkeit oft Fische an Bord verarbeitet werden - und entsprechender Abfall über Bord geht.

Basstölpel (Morus bassanus) haben eine Flügelspannweite von knapp zwei Metern. Sie verbringen fast ihr ganzes Leben auf See und brüten in großen Kolonien an Steilküsten. Beifang und Fischabfälle sind eine beliebte Nahrungsquelle für die Vögel, deren Bestand stetig wächst.

anf/dpa

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