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Fischerei-Folgen: Wie Sushi-Händler den Roten Thunfisch ausrotten

Von Christian Schwägerl

Der Sushi-Boom und die US-Ölkatastrophe gefährden den Roten Thunfisch, die Art ist vom Aussterben bedroht. Nun greift die EU erstmals durch und verschärft die Fangregeln - doch retten wird das die Bestände wohl nicht.

Überfischung: Gefahr für den Roten Thunfisch Fotos
AFP

Malta/Berlin - "Sushi-lifestyle deluxe" heißt das Menü, das im trendigen Restaurant "Panasia" am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte serviert wird. Die Zutaten haben es in sich: Neben Gartengurke, Frischkäse und Bio-Lachs gehört auch der stark gefährdete Rote Thunfisch dazu, der auf Englisch Bluefin Tuna heißt. Umweltbewusstsein? Fehlanzeige.

Manche Edel-Restaurants, etwa das "Sushinho" auf der Londoner King's Road, haben den Thunfisch inzwischen bewusst von der Speisekarte gestrichen, um nicht zum Niedergang der Art beizutragen. "Die meisten unserer Kunden haben das sehr begrüßt, aber es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen sich gar keine Gedanken machen, dass sie mit ihrem Konsum die Meere gefährlich leeren", sagt Restaurantbesitzer Oliver Girardet. Besonders in Japan ist die Massennachfrage nach Rotem Thunfisch ungebrochen.

Wie groß die Gefahr für die majestätische Art ist, hat die EU-Kommission in diesen Tagen auf dramatische Weise betont. Die Bestände im Mittelmeer und im Atlantik sind derart stark überfischt, dass Fischereikommissarin Maria Damanaki ein sofortiges Fangverbot verhängte. Die europäische Fischereiflotte hatte die erlaubte Höchstmenge an Thunfisch binnen kurzer Zeit abgeschöpft.

Der Rote Thunfisch gilt als der König der Meere, als eine Art Tiger unter den Meerbewohnern. Er ist schnell und extrem effizient, wenn es darum geht, seinen muskulösen Körper zu nähren. Doch der Unterwasserjäger ist selbst ein Gejagter. Noch vor wenigen Jahrzehnten kam es vor, dass Fischer Exemplare des Raubtiers aus dem Meer holten, die 400 oder gar 600 Kilogramm wogen. Inzwischen gibt es Wissenschaftlern zufolge 80 Prozent weniger Rote Thunfische als noch vor wenigen Jahrzehnten. Fische gelten heute schon als Schwergewichte, wenn sie 150 Kilogramm erreichen.

Schlacht um lukrative Fanggebiete

Nicht mit Leinen, sondern mit Echolot und großen Netzen sind die Thunfischjäger heute unterwegs. Mit ihren sogenannten Ringwaden können sie ganze Schulen der Fische einsammeln. Das geschieht mitten in der Laichzeit, also der sensibelsten Phase im Lebenszyklus. Erst diese industrielle Methode hat es seit den neunziger Jahren ermöglicht, dass Roter Thunfisch massenhaft als Sushi und Sashimi auf Tellern in aller Welt landet.

Die EU ist der wichtigste Machtblock unter den Thunfischfängern. Zugleich ist die Gemeinschaft wie keine andere Weltgegend verantwortlich für das Überleben und Gedeihen der Art. Doch erst für dieses Jahr war die EU zum ersten Mal bereit, die erlaubten Quoten wie auch die Fangzeit deutlich zu limitieren. Um vierzig Prozent liegt die Quote unter der des Vorjahres. Mit mehr als 13.000 Tonnen ist sie nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltschützern aber immer noch viel zu hoch.

Nun stehen harte Entscheidungen darüber an, wie das Raubtier überhaupt noch erhalten werden kann. Die EU-Staaten müssen sich einig werden, was sie im November fordern werden, wenn die 48 Vertragsstaaten der "Internationalen Kommission für die Erhaltung des atlantischen Thuns" (ICCAT) über die Zukunft des Fangs entscheiden.

Es ist eine politische Schlacht, die um lukrative Fanggebiete wie 120 Kilometer südwestlich vor Malta geschlagen wird. Das hellweiße EU-Fischereikontrollschiff "Jean Charcot", das hier draußen kreuzt, ist mit seinen stolzen 74 Meter Länge ein Ausdruck davon, dass die Brüsseler Kommission es nun mit dem Schutz der Bestände ernst zu nehmen versucht. Bis vor wenigen Jahren hat die EU den Bau immer mächtigerer Thun-Fangboote extrem subventioniert. Lobbyisten vor allem aus Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland setzten aus kurzfristigem Profitinteresse überhöhte Fangquoten durch. Nun zeichnet sich eine Trendwende ab: Die EU investiert auch in die Kontrolle, wie die Patrouillenfahrt der "Jean Charcot" zeigt.

"Hier draußen herrschte so etwas wie Anarchie"

Das EU-Schiff pflügt durch das Mittelmeer, um registrierte Thunfischboote zu überprüfen. Mit einem orangefarbenen Schnellboot gleiten EU-Kontrolleure vom Mutterschiff hinaus auf das Meer. Die Kontrolleure haben große Auswahl, welches Thunfisch-Fangboot sie als erstes überprüfen. Es ist einer der Hauptfangtage der Saison. Mehr als zwanzig Schiffe sind in einem kleinen Meeresgebiet unterwegs, um den begehrten, seltenen und extrem wertvollen Fisch zu fangen.

Die Steuerfrau, eine junge Schottin, legt einen Hebel um und schon schießt das Boot von Wellenkamm zu Wellenkamm. Die Kontrolleure haben an diesem Tag zuerst ein französisches Boot im Visier. Sie klettern die Bordwand hoch, lassen den Kapitän Luken öffnen, Logbücher vorzeigen, Videoaufnahmen von den Fängen nachweisen, die Quoten vorrechnen. Der Kapitän quittiert den Besuch mit herben Worten und sagt, wie schön es früher war, als man als Thunfischfänger auf dem Mittelmeer noch fangen konnte, wann man wollte.

"Über Jahre, ja Jahrzehnte herrschte hier draußen so etwas wie Anarchie", sagt einer der EU-Koordinatoren auf der "Jean Charcor", der für die Gemeinschaftliche Fischereikontroll-Agentur mit Sitz im spanischen Vigo arbeitet. Wie andere Kontrolleure will er nicht namentlich genannt werden, denn Thunfischhandel ist ein Multimillionengeschäft. Deshalb haben die EU-Kontrolleure Angst, dass sie ins Visier profithungriger Hintermänner geraten könnten. "An einem Tag kann der Gegenwert von drei oder vier Millionen Euro ins Netz gehen", sagt einer von ihnen. Das zeigt, welche mächtigen Interessen hinter dem Geschäft mit Thunfisch stehen.

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1. aw
kdshp 01.07.2010
Zitat von sysopDer Sushi-Boom und die US-Ölkatastrophe bedrohen den Roten Thunfisch, die Art ist vom Aussterben bedroht. Nun greift die EU erstmals durch und verschärft die Fangregeln - doch retten wird das die Bestände wohl nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,703338,00.html
Hallo, das sind doch nicht die händler schuld sondern die leute die das kaufen also das sushi.
2. Natürlich nicht
Liopleurodon, 01.07.2010
Zitat von sysopDer Sushi-Boom und die US-Ölkatastrophe bedrohen den Roten Thunfisch, die Art ist vom Aussterben bedroht. Nun greift die EU erstmals durch und verschärft die Fangregeln - doch retten wird das die Bestände wohl nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,703338,00.html
Natürlich nicht... Speziell im Mittelmeer wird der Thunfisch sogar doppelt überfischt. Dort gibt es nämlich ganze Schwertwalrudel, die sich darauf spezialisiert haben, den Fischern die Thunfische von der Leine wegzufressen... :-)))) Irgendwann besteht Sushi ohnehin nur noch aus Lachs, also gewöhnen wir uns schon mal dran. ;-)
3. wohl war
the_flying_horse, 01.07.2010
Zitat von sysopDer Sushi-Boom und die US-Ölkatastrophe bedrohen den Roten Thunfisch, die Art ist vom Aussterben bedroht. Nun greift die EU erstmals durch und verschärft die Fangregeln - doch retten wird das die Bestände wohl nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,703338,00.html
Japaner jagen Wale und Tunfische, egal ob die vom Aussterben bedroht sind oder nicht, die Chinesen lassen weltweit Haie wegen deren Flossen abschlachten, in Indonesien und auf den Philipinen werden die Riffe von "Fischern" mit Dynamit zerstört...usw. usw.... die Asiaten werden mir langsam unheimlich. wohl war
4. Wie viel Fisch ist gesund?
AllesGrau, 01.07.2010
Irgendwo habe ich die Zahlen aufgeschnappt, dass wir durchschnittlich 15 Kg Fisch im Jahr verzerren, die Weltmeere aber eigentlich nur 7 Kg pro Kopf verpacken. Guten Appetit! Offenbar ist Fisch für uns gesund, unser Konsum aber nicht für die Bestände. Man kann nur hoffen, dass die Fischer das Geschäft aufgeben, bevor die Meere ganz leer sind.
5. Leer
Liopleurodon, 01.07.2010
Zitat von AllesGrauIrgendwo habe ich die Zahlen aufgeschnappt, dass wir durchschnittlich 15 Kg Fisch im Jahr verzerren, die Weltmeere aber eigentlich nur 7 Kg pro Kopf verpacken. Guten Appetit! Offenbar ist Fisch für uns gesund, unser Konsum aber nicht für die Bestände. Man kann nur hoffen, dass die Fischer das Geschäft aufgeben, bevor die Meere ganz leer sind.
Der Markt wird doch eh zusammenbrechen, jetzt wo das ganze Öl in den Atlantik fließt. Dann ist Fisch auch nicht mehr gesund. ;-)
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