Fangmengen: EU will Fischerei beschränken

Blauflossenthunfische in einem Transportkäfig: Wann ist der Bestand gefährdet? Zur Großansicht
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Blauflossenthunfische in einem Transportkäfig: Wann ist der Bestand gefährdet?

Fischbestände der europäischen Meere sollen besser geschützt werden. Die Staaten der Europäischen Union einigten sich darauf, Fangmengen nach Maßgaben der Wissenschaft festzulegen. Nur noch jeder zwanzigste Fisch soll wieder über Bord geworfen werden.

Die EU-Staaten wollen der jahrzehntelangen Überfischung der europäischen Meere ein Ende bereiten. Die Regierungen einigten sich am Donnerstag in Brüssel auf eine Reform der Fischereipolitik, damit sich die Bestände bis zum Jahr 2020 erholen können.

Künftig sollen bei der Festlegung der Fangquoten die Ratschläge von Experten stärker berücksichtigt werden. EU-Staaten sollen auch ihre Fangflotten verkleinern. Für die Überfischung werden Subventionen verantwortlich gemacht. Die Länder mit den größten Fischindustrien sind Dänemark, Spanien, Großbritannien und Frankreich. Auf sie entfällt die Hälfte des Fischfangs in der EU.

Außerdem soll der sogenannte Beifang verringert werden: Jedes Jahr landen in den Netzen fast zwei Millionen Tonnen Fisch, die wieder ins Meer geworfen werden. Viele der Tiere sterben dabei. Bei Verstößen sollen künftig Subventionen gestrichen werden.

EU-Parlament muss noch zustimmen

"Rückwürfe werden nicht länger erlaubt sein", teilte die irische Ratspräsidentschaft schriftlich mit. Nach Angaben von Ulrike Rodust (SPD), die für das Europaparlament für das Thema verantwortliche Abgeordnete, wurde jedoch eine Ausnahme von fünf Prozent vereinbart, so dass im Durchschnitt jeder zwanzigste Fisch wieder über Bord geworfen werden dürfte.

Die Einigung muss noch von den Mitgliedstaaten formell gebilligt werden. Auch das Europäische Parlament muss zustimmen, damit die Regeln im kommenden Jahr in Kraft treten können. Größere Änderungen sind unwahrscheinlich. Die EU-Kommission schätzt, dass 75 Prozent der Bestände in den Meeren der Gemeinschaft überfischt sind. Weltweit liegt der Anteil bei 25 Prozent.

Umweltschützer fordern seit langem eine Reform, um das Überleben der oft überfischten Bestände zu sichern. Generell hatte das Parlament eine ehrgeizigere Linie verfochten als die EU-Regierungen, war also näher an den Forderungen der Umweltschützer.

boj/Reuters/AFP

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1. was soll dasß
Geheimagent 30.05.2013
jeder 20ste Fisch soll nur noch über Bord geworfen werden dürfen, und was geschieht mit dem Rest der nicht verwertet werden kann? Nach aktuellem Stand werden in der Nordsee derzeit über ein Drittel der gefangenen Fische als Beifang tot zurück ins Meer geworfen, Im Prinzip geht es doch darum, den Beifang grundsätzlich zu reduzieren und nicht "nur" noch jeden 20sten Fisch ins Meer werfen zu dürfen.
2. --------
brux 30.05.2013
Schon in der Vergangenheit wollten und sollten sich die Fischereiminister an die wissenschaftlichen Vorgaben halten - getan haben sie es nie. Auch beim Rückwurf wird man erleben, dass Niederländer, Deutsche und Dänen die Einhaltung überwachen werden (mit Kameras an Bord) während in Spanien, Portugal und Italien eine korrupte und total unfähige Verwaltung mal wieder fünfe gerade sein lässt. Die EU ist total gescheitert in dieser Frage (und vielen anderen auch), weil sie ihre eigenen Regeln nicht durchsetzen kann. In Italien werden sogar immer noch Treibnetze benutzt, weil die Verwaltung sie einfach nicht "sieht" (dabei kann man ein 3 km langes Treibnetz nun wirklich schwer im Hafen oder an Bord verstecken). Europäische Inspektoren dürfen aber nur mit Voranmeldung und der Genehmigung der lokalen Behörden tätig werden.
3.
the_chief2k 30.05.2013
"der europäischen Meere"...Unter ATALANTAs Schutz wird weiterhin illegaler Fischfang und Müllverklappung in anderen Meeren mit Waffengewalt durchgesetzt . Soviel zur EU.
4. optional
jumbing 30.05.2013
Künftig SOLLEN also die Ratschläge von Experten stärker berücksichtigt werden. Es wird aber weiterhin so sein, daß kurzfristige Profitinteressen und und die kurzsichtige Sicherung von Arbeitsplätzen in der Fischindustrie Priorität haben werden. Und was nützt ein EU-Recht, wenn China und Co. keinerlei Verpflichtungen einhalten.
5. Fischerei und Fangbeschränkungen passen bis zum letzten Fisch gut zusammen
neanderspezi 30.05.2013
Fangquoten die schwer zu kontrollieren sind, werden sehr wahrscheinlich auch von den mit ausgeklügelten Methoden die Fischbestände abräumenden Fangnationen leichter Hand durchgewunken, wer zählt denn schon den Anteil der Fische die über Bord gehen. Die Hauptsache bei gemeinsam ausbaldowerten Beschränkungen die aus Kalkül rundum keinen Widerstand hervorrufen, sind der demonstrativ zur Schau getragene Goodwill, die wissenschaftlich abgesicherte Unüberprüfbarkeit und die Kenntnis wie derartige Abmachungen unauffällig jeglicher Wirksamkeit enthoben werden können. Viele ausgeklügelte Beschränkungen rufen automatisch eine Gegenreaktion hervor mit dem Ziel, durch Raffinement und eventuell getarnt durch wissenschaftliche Deckmäntelchen wie der Forschung zu dienen, weiterhin nach eigenem Gusto das Plündern von Ressourcen fortzusetzen.
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Wie Fangquoten bestimmt werden
Was ist eine Fischfangquote?
Unter einer Fangquote versteht man eine festgesetzte Menge an Fischen oder anderem Meeresgetier, die in einem bestimmten Gebiet während eines festgesetzten Zeitraumes gefangen werden darf.
Wer legt die Fangmengen in Europa fest?
Für Europa erhebt der International Council for the Exploration of the Sea (ICES), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Organisation mit Sitz in Dänemark, wie es um die Bestände der einzelnen Fischsorten bestellt ist. Es wird anhand von Stichproben analysiert, wie sich Populationen entwickeln und wie viele Jungfische nachkommen. Auf Basis dieser Daten gibt der ICES Empfehlungen heraus, wie viel Fisch gefangen werden kann, ohne Raubbau an der Natur zu treiben. Über die Fangmengen, die sogenannten TACs (Total Allowable Catch) entscheiden aber die Agrarminister der Länder. Gingen diese früher oft über die wissenschaftlichen Empfehlungen hinaus, orientieren sich die Minister mittlerweile deutlich stärker daran, was der ICES rät.
Was bedeutet das für die einzelnen Länder?
Sind die jährlichen Höchstfangmengen einmal festgelegt, ergibt sich daraus die Fangmenge pro Land. Welchen Anteil an der Gesamtmenge eines Fisches ein einzelnes Land fangen darf, richtet sich nach einem Quotensystem. Dies stammt noch aus den achtziger Jahren. Es wurde damals auf Basis historischer Fangzahlen vereinbart und gilt weitgehend noch heute.
Wer legt fest, welche Mengen welcher Fischer fangen darf?
Wie die Gesamtmenge unter den Fischern eines Landes aufgeteilt wird, ist europaweit sehr unterschiedlich. Während einige Länder die Rechte nach bestimmten Quotensystemen auf die Fischer aufteilen, werden anderswo Fischereirechte auf dem freien Markt gehandelt. In Deutschland regelt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Verteilung der Fangrechte. Dabei orientiert sie sich an vergangenen Fangmengen der einzelnen Akteure. Wie auch immer die Länder die Verteilung regeln: Letztlich sind sie dafür verantwortlich, dass ihre Fischer die ihnen zugesprochenen Fangmengen nicht überschreiten.
Wie wird kontrolliert?
Die Art der Kontrolle ist europaweit sehr unterschiedlich. So gibt es beispielsweise Schiffe, die ihren Fang freiwillig per Kamera dokumentieren. Anderswo müssen Fischer Logbücher führen. Größere Schiffe sind zum Teil an Überwachungssysteme angeschlossen, mittels derer kontrolliert werden kann, wo sie sich aufhalten. Hilfestellung bei der Überwachung soll den Mitgliedsländern die Europäische Fischereiaufsichtsagentur (CFCA) im spanischen Vigo leisten.
Gibt es trotzdem Streit?
Auch wenn die Fangquoten innerhalb der EU feststehen: Da Fische sich nicht an Grenzen halten, sind oft auch die Interessen anderer Staaten berührt. Aufgrund klimatischer Veränderungen befanden sich beispielsweise vor kurzem deutlich mehr Makrelen vor Island als noch in den Jahren davor, woraufhin die krisengebeutelte Isländische Regierung die Fangmenge massiv anhob. Die Schotten und Iren, die sich weiter an die innerhalb der EU vereinbarten Quantitäten halten mussten, hatten das Nachsehen.

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