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Fischerei-Reform: EU will Überfischung bis 2015 stoppen

Es ist eine ambitionierte Reform: Brüssel will das Plündern der Meere stoppen. Spätestens 2015 sollten die Bestände nicht mehr über die natürliche Reproduktion hinaus ausgebeutet werden. Umweltschützer begrüßen das Vorhaben - es gibt aber auch Kritik.

Thunfischwarm im Mittelmeer: Bedrohte Fischart Zur Großansicht
DPA

Thunfischwarm im Mittelmeer: Bedrohte Fischart

Brüssel - Seit Jahren versuchen EU-Politiker den Fischfang mit Quoten zu beschränken. Doch das Vorhaben stößt auf großen Widerstand in den EU-Staaten: Etwa 400.000 Arbeitsplätze hängen in Europa an der Fischerei. Jetzt probiert es Brüssel mit einer neuen Marschroute: Die europäische Fischerei soll reformiert - und die Überfischung gestoppt werden.

Spätestens 2015 sollten die Bestände nicht mehr über ihre natürliche Reproduktionsfähigkeit hinaus ausgebeutet werden, heißt es in einem Entwurf der Reform. Fischereikommissarin Maria Damanaki will den fertigen Vorschlag am Mittwoch offiziell präsentieren.

Die bisherige Fischereipolitik ist nach Ansicht Damanakis gescheitert, wie die Kommissarin Anfang der Woche bekräftigte. Die Regeln hätten das Problem der Überfischung nicht in den Griff bekommen, rund drei Viertel der Bestände gelten nach Kommissionsangaben als überfischt. Damanaki will die Fangquoten, also die erlaubten Obergrenzen für die Fischer, deshalb künftig strenger an wissenschaftlichen Kriterien orientieren. Diese gibt es zwar derzeit schon, letztlich entscheiden aber die EU-Staaten über die Quoten - und diese gehen häufig über die von Forschern empfohlenen Grenzen hinaus.

Daneben will Damanaki den Rückwurf sogenannten Beifangs verbieten. Dabei werden ungewünschte Meerestiere wieder über Bord gekippt, wobei viele Tiere schon tot oder verletzt sind. Stattdessen sollen nun alle gefangenen Fische angelandet werden müssen. So hofft Damanaki, die Fischer zu gezielteren Fangmethoden anhalten zu können. Flankiert werden soll dies durch einen Handel mit den Quoten. Dabei könnten beispielsweise größere Fangfirmen kleineren Fischern deren Quoten abkaufen, was zu einer Konzentration der Flotte führen würde.

Der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer meldete bereits Bedenken zu einzelnen Punkten an. So seien pauschale Verbote des Rückwurfs nicht sinnvoll, erklärte der Verband in Hamburg. Sie könnten zu großen Aufwand bedeuten, wenn die ungewünschten Fische an Land verwertet werden müssen. Das Ziel einer nachhaltigen Bestandsbewirtschaftung sei aber richtig.

Widerstand muss Damanaki aus den Fischfang-Nationen Frankreich und Spanien erwarten. Die Fischer könnten nicht tagelang auf See sein und ihre Lager dort mit unverkäuflichem Fisch füllen, kritisierte der Chef des französischen Nationalen Fischereikomitees, Pierre-Georges Dachicourt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt die Reformpläne.

cib/AFP

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1. Jobs
brux 12.07.2011
400.000 Jobs sind ohne viel Aufhebens im Schiffbau, in der Stahlindustrie oder im Bergbau verschwunden. Viele dieser Jobs waren volkswirtschaftlich wertvoller als die Fischerei. Ich verstehe nicht, warum die Landwirtschaftsminister diese Klientel so hofieren, zumal es doch klar sein sollte, dass die Fischer munter an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Aber selbst in Deutschland reckt diese merkwürdige Lobby ihr Haupt. Dabei ist der Fischfang in Deutschland nun wirklich eine Randerscheinung.
2. stop die ueberfischung
mgdive 12.07.2011
es wird zeit, die meerespluenderei zu regeln, oder zu stoppen. wenn es nicht schon zu spaet ist. allerdings sollte man das nicht nur zum thema in der eu machen, sondern weltweit. jede kritik daran, ist unsinnig und dumm. fisch will fast jeder essen, aber wenn es keinen fisch mehr gibt, fangen alle an zu murren. oder der fisch wird dann zum luxusartikel. wer will das? stoppt endlich die ueberfischung weltweit!
3. ---
olleolaf 12.07.2011
Ist doch egal. Wir fressen den Planeten leer.
4. .
gitani 12.07.2011
Zitat von mgdivees wird zeit, die meerespluenderei zu regeln, oder zu stoppen. wenn es nicht schon zu spaet ist. allerdings sollte man das nicht nur zum thema in der eu machen, sondern weltweit. jede kritik daran, ist unsinnig und dumm. fisch will fast jeder essen, aber wenn es keinen fisch mehr gibt, fangen alle an zu murren. oder der fisch wird dann zum luxusartikel. wer will das? stoppt endlich die ueberfischung weltweit!
Seh ich genauso. Naja, aber bis 2015 wird es wohl zu spät sein. Das einzig Gute daran wird sein, dass weder die reichen Leute noch die armen Leute Fisch essen werden können. Sehr schade, aber sehr gerecht. Da können dann die charakterlosen Manager der Umweltschweinereifirmen (und das sind scheinbar die meisten Firmen), ebenso wie die hodenlosen Politiker, die zu permissiv mit den finanzkräftigen Umweltsündern sind, dann statt Fisch mal ihre Kreditkarten im Ofen überbacken und essen.
5. was soll man dazu sagen,
joop123 12.07.2011
Zitat von gitaniSeh ich genauso. Naja, aber bis 2015 wird es wohl zu spät sein. Das einzig Gute daran wird sein, dass weder die reichen Leute noch die armen Leute Fisch essen werden können. Sehr schade, aber sehr gerecht. Da können dann die charakterlosen Manager der Umweltschweinereifirmen (und das sind scheinbar die meisten Firmen), ebenso wie die hodenlosen Politiker, die zu permissiv mit den finanzkräftigen Umweltsündern sind, dann statt Fisch mal ihre Kreditkarten im Ofen überbacken und essen.
ist es vollkommen egal was sie als "gerecht" definieren. Gerechtigkeit existiert nicht, besonders in unserer Gesellschaft nicht! Die zukünftigen Menschen können keinen Fisch mehr genießen , weil die vergangenen bzw gegenwärtigen Menschen ihn ohne Rücksicht, maßlos und ohne die Konsequenzen nur zu erahnen, verzerrt haben. mal abgesehen von den moralischen Aspekten sind die folgen für die Nahrungskette und somit allem Biosphären auf unserer Welt viel verheerender! Vögel "mutieren" zu Nest räubern weil das Nahrungsangebot an Fisch zu gering ist, ähnlich wird es sich in Zukunft in allen bereichen entwickeln. wir habens verkackt!
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Überfischung: Wie steht es um unsere Ozeane?

Wie Fangquoten bestimmt werden
Was ist eine Fischfangquote?
Unter einer Fangquote versteht man eine festgesetzte Menge an Fischen oder anderem Meeresgetier, die in einem bestimmten Gebiet während eines festgesetzten Zeitraumes gefangen werden darf.
Wer legt die Fangmengen in Europa fest?
Für Europa erhebt der International Council for the Exploration of the Sea (ICES), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Organisation mit Sitz in Dänemark, wie es um die Bestände der einzelnen Fischsorten bestellt ist. Es wird anhand von Stichproben analysiert, wie sich Populationen entwickeln und wie viele Jungfische nachkommen. Auf Basis dieser Daten gibt der ICES Empfehlungen heraus, wie viel Fisch gefangen werden kann, ohne Raubbau an der Natur zu treiben. Über die Fangmengen, die sogenannten TACs (Total Allowable Catch) entscheiden aber die Agrarminister der Länder. Gingen diese früher oft über die wissenschaftlichen Empfehlungen hinaus, orientieren sich die Minister mittlerweile deutlich stärker daran, was der ICES rät.
Was bedeutet das für die einzelnen Länder?
Sind die jährlichen Höchstfangmengen einmal festgelegt, ergibt sich daraus die Fangmenge pro Land. Welchen Anteil an der Gesamtmenge eines Fisches ein einzelnes Land fangen darf, richtet sich nach einem Quotensystem. Dies stammt noch aus den achtziger Jahren. Es wurde damals auf Basis historischer Fangzahlen vereinbart und gilt weitgehend noch heute.
Wer legt fest, welche Mengen welcher Fischer fangen darf?
Wie die Gesamtmenge unter den Fischern eines Landes aufgeteilt wird, ist europaweit sehr unterschiedlich. Während einige Länder die Rechte nach bestimmten Quotensystemen auf die Fischer aufteilen, werden anderswo Fischereirechte auf dem freien Markt gehandelt. In Deutschland regelt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Verteilung der Fangrechte. Dabei orientiert sie sich an vergangenen Fangmengen der einzelnen Akteure. Wie auch immer die Länder die Verteilung regeln: Letztlich sind sie dafür verantwortlich, dass ihre Fischer die ihnen zugesprochenen Fangmengen nicht überschreiten.
Wie wird kontrolliert?
Die Art der Kontrolle ist europaweit sehr unterschiedlich. So gibt es beispielsweise Schiffe, die ihren Fang freiwillig per Kamera dokumentieren. Anderswo müssen Fischer Logbücher führen. Größere Schiffe sind zum Teil an Überwachungssysteme angeschlossen, mittels derer kontrolliert werden kann, wo sie sich aufhalten. Hilfestellung bei der Überwachung soll den Mitgliedsländern die Europäische Fischereiaufsichtsagentur (CFCA) im spanischen Vigo leisten.
Gibt es trotzdem Streit?
Auch wenn die Fangquoten innerhalb der EU feststehen: Da Fische sich nicht an Grenzen halten, sind oft auch die Interessen anderer Staaten berührt. Aufgrund klimatischer Veränderungen befanden sich beispielsweise vor kurzem deutlich mehr Makrelen vor Island als noch in den Jahren davor, woraufhin die krisengebeutelte Isländische Regierung die Fangmenge massiv anhob. Die Schotten und Iren, die sich weiter an die innerhalb der EU vereinbarten Quantitäten halten mussten, hatten das Nachsehen.
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