Brüssel/Hamburg - In der Nordsee darf wieder mehr Hering gefangen werden: Deutschlands Fischer sind zufrieden mit den Fangquoten für Nordsee und Nordostatlantik im nächsten Jahr. "Es überwiegt das Positive", sagte der Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes, Claus Ubl, am Donnerstag in Hamburg. Nach zwei Nachtsitzungen hatten sich zuvor in Brüssel die EU-Fischereiminister auf einen Großteil der Quoten für 2013 geeinigt. Diese sehen eine Erhöhung der erlaubten Fänge um 15 Prozent bei Hering, Scholle und Seelachs in der Nordsee vor. "Das sind wichtige Fische für die deutsche Fischerei", sagte Ubl.
In den Augen des Verbandes sind die Anhebungen der Quoten die logische Folge davon, dass sich die Bestände in den letzten Jahren - bei gesenkten Quoten - erholen konnten. "Nachhaltigkeit zahlt sich aus", sagte Ubl.
Bei Umweltschützern traf die Einigung der EU-Minister auf ein geteiltes Echo. Grundsätzlich zufrieden zeigte sich Greenpeace. Die EU-Quoten seien "heute viel dichter daran, was die Wissenschaft empfiehlt, als als früher", sagte Greenpeace-Experte Thilo Maack. Allerdings gelte dies für bestimmte Bestände ausdrücklich nicht, fügte er an. Dort wird der Überfischung demnach nicht wirksam entgegengesteuert.
Der WWF kritisierte den "halbherzigen Kompromiss". Die Fischereiminister "bekommen die Überfischung in der Nordsee nur schleichend in den Griff".
Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, die Entscheidungen zeigten, dass es der EU mit der Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels ernst sei. Der Beschluss des Rates stelle die Weichen für deutliche Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Fischerei bis zum Jahr 2015. Die Ministerin verwies darauf, dass bereits jetzt in Nordsee und Nordostatlantik mehr als die Hälfte der Fischbestände nach nachhaltigen Kriterien befischt würden. Noch vor sieben Jahren waren nur drei Prozent aller Arten bestandsgerecht gefangen worden.
Fischer mit mehr Einkommen durch Quotenanhebungen
"Besonders erfreulich ist darüber hinaus, dass der Rat mit der Anpassung des Kabeljauwiederauffüllungsplans und der Sicherung deutscher Fangmöglichkeiten in grönländischen Gewässern Planungssicherheit für unsere Fischer geschaffen hat", betonte die Ministerin. Mit Blick auf die Vermeidung von unerwünschten Beifängen begrüßte sie die Entscheidung des Rates, die Pilotprojekte zur vollständig dokumentierten Fischerei im kommenden Jahr fortzuführen.
Nach Einschätzung des Deutschen Fischerei-Verbands haben sich die bereits bestehenden Langzeitmanagementpläne und die besseren Fangkontrollen als erfolgreich erwiesen. Verbands-Chef Norbert Kahlfuss sagte, die Fischer hätten viele Opfer gebracht, um eine nachhaltige Fischerei zu erreichen. Jetzt könnten sie davon profitieren. Bereits in diesem Jahr hätten die Quotenanhebungen in Europa zu einem Zusatzeinkommen für die Fischerei in Höhe von 135 Millionen Euro geführt.
Wissenschaftliche Expertisen bilden die Grundlage für die Verhandlungen der Minister in Brüssel. Sie geben an, welche Fangmengen zulässig wären, damit die Bestände auf lange Sicht überleben. In der Vergangenheit wurden sie von den Staaten jedoch immer wieder weitgehend ignoriert.
nik/dapd/afp
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