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Fischfang: Schwund kleiner Fische stört ganze Ökosysteme

Sie sind zwar klein, aber zahlreich - und wichtig: Fische wie Sardinen und Heringe beeinflussen das gesamte Ökosystem im Meer. Forscher warnen deswegen, dass die Winzlinge seltener aus dem Wasser gezogen werden sollten.

Sardinenschwarm: Am unteren Ende der Nahrungskette Zur Großansicht
Getty Images

Sardinenschwarm: Am unteren Ende der Nahrungskette

Hamburg - Kleine Fische wie Anchovis, Sardinen, Heringe oder Makrelen beeinflussen entscheidend, wie sich die Bestände größerer Fischarten, Meeressäuger und Seevögel entwickeln. Um schädliche Auswirkungen auf die Ökosysteme zu verhindern, sollte der Fischereidruck auf kleinere Fischarten gesenkt werden, schreiben Forscher im Fachmagazin "Science".

Auf den unteren Stufen der marinen Nahrungskette stehen in der Regel kleinere Fische und wirbellose Tiere wie Krill, die sich hauptsächlich von Plankton ernähren. Diese Tiere werden meist zur Produktion von Fischmehl gefangen. Einige Fischarten werden in manchen Ländern aber auch direkt verzehrt. Zurzeit entfalle knapp ein Drittel des weltweiten Fangfisches auf kleinere Fischarten, berichten die Wissenschaftler um Anthony Smith von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization im australischen Hobart.

Die Forscher simulierten am Computer, wie sich Änderungen in der Fangmenge auf die Ökosysteme und die Bestände verschiedener Arten auswirkten. Insgesamt wendeten sie drei Modelle für fünf Regionen an, darunter den nördlichen Humboldt-Strom, die Nordsee und das südöstliche Kontinentalschelf Australiens. Grundsätzlich fanden sie, dass die kleinen Arten eine bedeutende Rolle im Ökosystem spielen und Veränderungen der Fangzahlen sich auf zahlreiche Arten auswirken, die in der Nahrungskette weiter oben stehen, etwa Meeressäuger oder Seevögel.

Selbst wenn sich Fischer bei der höchstmöglichen nachhaltigen Fangquote an die Regeln halten würden, gäbe es große Auswirkungen aufs Ökosystem. Allerdings hatten einzelne Arten in verschiedenen Regionen eine unterschiedliche starke Bedeutung: Im nördlichen Humboldtstrom etwa wirkte sich das Fischen von Anchovis erheblich auf das Ökosystem aus, während Sardinen nur einen geringen Einfluss zu haben scheinen. Im südlichen Benguelastrom - einer kalten Meeresströmung im Südatlantik - ist es genau andersherum.

Es gebe eine Spannung zwischen den beiden Zielen, die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern und gleichzeitig die Meeres-Ökosysteme und ihre Artenvielfalt zu erhalten. Schon bei einer vergleichsweise geringen Reduzierung des Fischereidrucks auf kleinere Fischarten ließen sich jedoch schädliche Auswirkungen auf die Ökosysteme erheblich reduzieren, schreiben die Forscher.

Die Überfischung stoppen will auch die Europäische Union, die in diesem Monat eine ambitionierte Fischerei-Reform vorgestellt hat.

wbr/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Um zu dieser Weisheit zu gelangen
earl grey 22.07.2011
Um zu dieser Weisheit zu gelangen, muss ich nicht Forscher sein. Alle Lebewesen im Meer (nihct nur dort) sind Glieder einer (Nahrungs)Kette, angefangen vom kleinsten Plankton bis zu den großen Walen. Unterbreche ich irgendwo diese Kette, in dem ich z.B. eine kleine Fischart stark dezimiere, dann hat das selbstredend Auswirkungen auf alle, die davon direkt und indirekt leben. Die nächsten direkten Fressfeinde werden weniger, weil viele verhungern, aber auch die haben Fressfeinde, die dann ebenfalls Hunger leiden. Oder einige fressen dann etwas anderes und klauen damit anderen, bisher Unbeteiligten, die Nahrung... usw. usw. Wie gesagt, Forschungsgelder muss ich für diese Erkenntnis nicht ausgeben, etwas Nachdenken reicht da schon aus...
2. Gesund
liveddevilevil? 22.07.2011
soll es sein. heisst es immer. ich hasse fischesser. die haben keine ahnung was sie anrichten. und damit meine ich nicht den kleinen angler sondern leute die industrie ware kaufen. guten appetit beim vernichten der meere und beim füllen der industrie säckel. esst mehr gemüse verdammich wenns denn so gesund sein soll
3. der kleine Unterschied und seine Folgen
Mustermann 23.07.2011
Zitat von earl greyUm zu dieser Weisheit zu gelangen, muss ich nicht Forscher sein. Alle Lebewesen im Meer (nihct nur dort) sind Glieder einer (Nahrungs)Kette, angefangen vom kleinsten Plankton bis zu den großen Walen. Unterbreche ich irgendwo diese Kette, in dem ich z.B. eine kleine Fischart stark dezimiere, dann hat das selbstredend Auswirkungen auf alle, die davon direkt und indirekt leben. Die nächsten direkten Fressfeinde werden weniger, weil viele verhungern, aber auch die haben Fressfeinde, die dann ebenfalls Hunger leiden. Oder einige fressen dann etwas anderes und klauen damit anderen, bisher Unbeteiligten, die Nahrung... usw. usw. Wie gesagt, Forschungsgelder muss ich für diese Erkenntnis nicht ausgeben, etwas Nachdenken reicht da schon aus...
Um solch einen Quark zu schreiben muss man sich nur in einem SPON Forum anmelden und los gehts. Sie haben den Artikel gelesen? Wirklich? Aber verstanden haben Sie ihn nicht. Zwischen einem allgemeinen Zeitungungsleser-Verständniss und konkretem quantifizierten überrprüfbarem Wissen gibt es einen Unterschied und der ist nicht klein.
4. Ja
earl grey 24.07.2011
Zitat von MustermannUm solch einen Quark zu schreiben muss man sich nur in einem SPON Forum anmelden und los gehts. Sie haben den Artikel gelesen? Wirklich? Aber verstanden haben Sie ihn nicht. Zwischen einem allgemeinen Zeitungungsleser-Verständniss und konkretem quantifizierten überrprüfbarem Wissen gibt es einen Unterschied und der ist nicht klein.
Ja Doch Stimmt. Ich arbeite seit Jahren mit Meeresbiologen von Universitäten und dem Max-Planck-Institut zusammen und kenne mich ein bisschen mit der im Artikel angesprochenen Materie aus. In dem Artikel geht es hauptsächlich darum, auszuloten, was man wieviel fangen kann, ohne dass das Ökosystem im Meer zu sehr Schaden nimmt. Meeresschutz wie ich ihn verstehe sieht aber anders aus; da geht es darum, das Ökosystem Meer in Ruhe zu lassen. Zu mindest für einen gewissen Zeitraum, bis sich die Bestände wieder soweit erholt haben, dass es dann tatsächlich kaum Auswirkungen hat, wenn ich gezielt mit einer Höchstquote fische. Das in dem Artikel Vorgestellte ist dafür viel zu oberflächlich und sieht mir sehr nach gesteuerter Auftragsarbeit der Fischindustrie aus.
5. Muss hier mal zustimmen
taoistictraveller 24.07.2011
Earl Greay, wenn sie solche KOmmentare schreiben, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn sie die entsprechenden Antworten bekommen. Und ihr zweiter KOmmentar zeigt doch, dass es auch anders geht! Außerdem sollten sie in diesem Fall auch genau wissen, dass Forschung auch über die banalsten Fragen wichtig ist, damit man seine Aussagen auch beweisen kann. Dies ist auch wichtig, da wir sonst wieder im Mittelalter leben würden. Wohin wir aber eigentlich ja eh schon wieder hinsteuern, da Wissenschaft langsam für unser Gesellschaftsmodell zu unbequem wird und daher als Ökoverschwörung abgehandelt wird. P.s. Hab mal unsere Gesellschaft auf die Schippe genommen indem ich unsere Gesellschaft auf Profit maximiert habe, mit allen Folgen bis ins Jahr 2167. Im Jahre 2040-2050 kommen die Ozeane vor. In diesem Kapitel beschreibe ich alle wichtigen Entwicklungen, die zu dem Zusamenbruch der Ozeane führen. HIer der Link: Planetofthecrazyapes.org Unter Inhaltsverzeichniss bei "Der erste Totalausfall" 2040-2050 vorbeischauen. Und hier nochmal ein offizieller indisziplinärer Bericht über den Zustand der Ozeane und es sieht nicht gut aus: http://www.stateoftheocean.org/ipso-2011-workshop-summary.cfm Und hier nochmal eine Linksammlung zu den Entwicklungen in den Ozeanen: http://planetofthecrazyapes.org/wordpress/?page_id=346 MFG
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Wie Fangquoten bestimmt werden
Was ist eine Fischfangquote?
Unter einer Fangquote versteht man eine festgesetzte Menge an Fischen oder anderem Meeresgetier, die in einem bestimmten Gebiet während eines festgesetzten Zeitraumes gefangen werden darf.
Wer legt die Fangmengen in Europa fest?
Für Europa erhebt der International Council for the Exploration of the Sea (ICES), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Organisation mit Sitz in Dänemark, wie es um die Bestände der einzelnen Fischsorten bestellt ist. Es wird anhand von Stichproben analysiert, wie sich Populationen entwickeln und wie viele Jungfische nachkommen. Auf Basis dieser Daten gibt der ICES Empfehlungen heraus, wie viel Fisch gefangen werden kann, ohne Raubbau an der Natur zu treiben. Über die Fangmengen, die sogenannten TACs (Total Allowable Catch) entscheiden aber die Agrarminister der Länder. Gingen diese früher oft über die wissenschaftlichen Empfehlungen hinaus, orientieren sich die Minister mittlerweile deutlich stärker daran, was der ICES rät.
Was bedeutet das für die einzelnen Länder?
Sind die jährlichen Höchstfangmengen einmal festgelegt, ergibt sich daraus die Fangmenge pro Land. Welchen Anteil an der Gesamtmenge eines Fisches ein einzelnes Land fangen darf, richtet sich nach einem Quotensystem. Dies stammt noch aus den achtziger Jahren. Es wurde damals auf Basis historischer Fangzahlen vereinbart und gilt weitgehend noch heute.
Wer legt fest, welche Mengen welcher Fischer fangen darf?
Wie die Gesamtmenge unter den Fischern eines Landes aufgeteilt wird, ist europaweit sehr unterschiedlich. Während einige Länder die Rechte nach bestimmten Quotensystemen auf die Fischer aufteilen, werden anderswo Fischereirechte auf dem freien Markt gehandelt. In Deutschland regelt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Verteilung der Fangrechte. Dabei orientiert sie sich an vergangenen Fangmengen der einzelnen Akteure. Wie auch immer die Länder die Verteilung regeln: Letztlich sind sie dafür verantwortlich, dass ihre Fischer die ihnen zugesprochenen Fangmengen nicht überschreiten.
Wie wird kontrolliert?
Die Art der Kontrolle ist europaweit sehr unterschiedlich. So gibt es beispielsweise Schiffe, die ihren Fang freiwillig per Kamera dokumentieren. Anderswo müssen Fischer Logbücher führen. Größere Schiffe sind zum Teil an Überwachungssysteme angeschlossen, mittels derer kontrolliert werden kann, wo sie sich aufhalten. Hilfestellung bei der Überwachung soll den Mitgliedsländern die Europäische Fischereiaufsichtsagentur (CFCA) im spanischen Vigo leisten.
Gibt es trotzdem Streit?
Auch wenn die Fangquoten innerhalb der EU feststehen: Da Fische sich nicht an Grenzen halten, sind oft auch die Interessen anderer Staaten berührt. Aufgrund klimatischer Veränderungen befanden sich beispielsweise vor kurzem deutlich mehr Makrelen vor Island als noch in den Jahren davor, woraufhin die krisengebeutelte Isländische Regierung die Fangmenge massiv anhob. Die Schotten und Iren, die sich weiter an die innerhalb der EU vereinbarten Quantitäten halten mussten, hatten das Nachsehen.


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