Fischsaurierfossil Forscher analysieren 120 Millionen Jahre alte Kampfnarben

Fünf bis sechs Meter lang war das Meeresreptil, ein wendiger und gefährlicher  Jäger. Doch Fischsaurier mussten auch  Kämpfe überstehen. Forscher haben nun verräterische Bisswunden an einem Fossil entdeckt - und auch schon eine Vermutung, wer der fiese Angreifer war.

Josh Lee/ CSIRO

Die drei Furchen im Knochen bilden ein verräterisches Muster: Zwei liegen direkt nebeneinander, die dritte, größere befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Unterkiefers. Rund anderthalb bis gut zwei Zentimeter sind sie jeweils lang. Am Fossil eines Fischsauriers haben schwedische Forscher diese 120 Millionen Jahren alte Bissspuren entdeckt. Die versteinerten Überreste des auch als Ichthyosaurier bezeichneten Tieres stammen aus aus der australischen Wüste nahe der Stadt Marree, wie die Forscher in einer Studie berichten, die im Fachblatt "Acta Palaeontologica Polonia" veröffentlicht werden soll.

Benjamin Kear von der Universität Uppsala und seine Kollegin Maria Zammit haben mehrere Vermutungen, wie sich das Tier verletzte. Klar ist indes: Der fünf bis sechs Meter lange Saurier überlebte den Kampf. Der Knochen hatte Zeit, wieder zu heilen.

Am wahrscheinlichsten ist folgendes Szenario: Das Reptil hat mit einem erwachsenen Artgenossen um Beute, Territorium oder einen Partner gekämpft. Möglicherweise wurde das Tier auch von einem größeren Raubsaurier oder einem Hai angegriffen. Von einem sich wehrenden Beutetier stammte die Verletzung eher nicht, schreiben die Forscher.

Funde deuten darauf hin, dass sich Fischsaurier vorzugsweise von kleinen Fischen und tintenfischartigen Tieren haben. 2003 berichtete Kear zudem von einem besonderen Fossilfund: Im Magen eines Ichthyosaurier-Weibchens hatten der Paläontologe und seine Kollegen Überreste von Vögeln und frisch geschlüpften Schildkröten entdeckt.

"Einzigartige Einblicke in die Lebensgewohnheiten"

"Pathologische Spuren auf urzeitlichen Knochen- und Zahnfossilien liefern einzigartige Einblicke in die Lebensgewohnheiten und das Sozialverhalten ausgestorbener Tiere", betont Kear. "Solche Entdeckungen wurden bisher nur selten bei Fischsauriern berichtet." Gesichtsbisse sind auch bei heute lebenden Tieren eine häufig beobachtete Kampfmethode.

Die Forscher waren bei der sorgfältigen Reinigung und Rekonstruktion des Saurierskeletts im Labor auf die Bissmarken gestoßen.

Der schnell schwimmende Raubsaurier lebte vermutlich in einem antarktischen Inlandmeer, dessen Boden heute die australische Wüste ist. Wehrlos waren sie keineswegs: Ihre lange Schnauze war mit mehr als hundert spitzen, krokodilähnlichen Zähnen bewaffnet. Die Körperform erinnert an die heutiger Delfine - und wie diese mussten die ans Leben im Wasser angepassten Fischsaurier auch regelmäßig auftauchen um Luft zu holen. Die ältesten Ichthyosaurier-Fossilien sind gut 240 Millionen Jahre alt, vor rund 90 Millionen Jahre starben die Meeresreptilien aus.

wbr/dpa



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