Mais-Anbau Fledermäuse retten eine Milliarde US-Dollar jährlich

Fledermäuse sind großartige Schädlingsbekämpfer. Wie wertvoll ihre Dienste sind, haben Forscher nun herausgefunden: Wenn man die Tiere engmaschig von Maisfeldern fernhält, fallen die Ernteverluste überraschend hoch aus.

Fledermaus: Vielfacher Nutzen für die Landwirtschaft
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Fledermaus: Vielfacher Nutzen für die Landwirtschaft


Fledermäuse bekämpfen Schädlinge, sie schützen das Korn vor Pilzen und ihren Giften. Ihre Dienste als Schädlingsbekämpfer sind weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar jährlich wert, schreiben Josiah Maine und Justin Boyles von der Southern Illinois University in Carbondale im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Ihre Bedeutung als nächtliche Insektenjäger unterstreiche die Notwendigkeit, die Artenvielfalt auch zum Wohle des Menschen zu erhalten.

Für ihre Untersuchung hatten die Wissenschaftler im US-Staat Illinois auf Maisfeldern mehrere Versuchsflächen abgeteilt. In zwei Sommern deckten sie Nacht für Nacht die Hälfte der Flächen mit einem engmaschigen Netz ab, das Fledermäuse von der Jagd auf Baumwollkapselbohrer (Helicoverpa zea) abhielt. Fledermäuse, vor allem die Rote Fledermaus (Lasiurus borealis), fressen die ausgewachsenen Exemplare dieser Schmetterlinge.

Abfangen der Schmetterlinge

Der Baumwollkapselbohrer zählt in Amerika zu den bedeutendsten Schädlingen im Maisanbau. Die Larven der Tiere fressen an Blättern und Kolben. Der Befall erleichtert zudem Pilzen wie Aspergillus flavus oder Fusarium graminear eine Infektion der Maispflanzen. Nach Angaben der Autoren schmälern die Schädlinge die Mais-Erträge im Süden der USA um 1,5 bis 16,7 Prozent.

An den abgedeckten Versuchsflächen zählten die Forscher knapp 60 Prozent mehr Larven als an den offenen. Dies zeige, dass die Fledermäuse durch das Abfangen der ausgewachsenen Schmetterlinge auch die Larven-Population verkleinern.

Wie wirksam die Schädlingsbekämpfer arbeiten, offenbarte sich auch an den Maispflanzen: Abgedeckte Pflanzen hatten 56 Prozent mehr beschädigte Körner pro Kolben als die frei stehenden. Die Forscher kalkulierten, dass bei Anwesenheit von Fledermäusen die Erträge um 1,4 Prozent steigen.

Zusätzlich waren die Kolben in den fledermausfreien Feldern häufiger mit Pilzen infiziert. Die Forscher fanden dort auch eine höhere Konzentration des Pilzgifts Fumonisin, welches von verschiedenen Arten der Schlauchpilz-Gattung Fusarium gebildet wird.

Ihre Ergebnisse belegten, dass sich die Beseitigung der Schädlinge durch die Fledermäuse kaskadenartig auswirke, indem sie direkte Fraßschäden an ökonomisch wertvollem Getreide, die Infektion mit Krankheitserregern und die Bildung von Giftstoffen minimiere.

Die Forscher errechneten, dass die Fledermäuse für die Maisbauern weltweit einen ökonomischen Nutzen von jährlich mehr als einer Milliarde US-Dollar besitzen.

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Fledermäuse: Fliegende Säuger erholen sich

Anja Garms,dpa/boj



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insgesamt 39 Beiträge
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exil-teutone 14.09.2015
1. Wer hätte das gedacht...
... ein Insektenfresser hilft bei der Schädlingsbekämpfung! Immerhin ist jetzt eine Zahl verfügbar, über die sich trefflich diskutieren läßt - oder aber Big Pharma entdeckt das als Markt, und entwickelt eine "chemische Fledermaus" die dann monsantogleich über die Felder herfällt. Es wäre schön wenn sich die Forschung mal endlich vom kapitalistischen Mantra des Kommerzialisierungspotential ihrer Ergebnisse emanzipieren würde!
chefkoch1 14.09.2015
2. .......
Da haben die Fledermäuse Glück, das sie dem Homo Ökonomikus zu Diensten sein dürfen. Warum sind manche kurz vor dem Aussterben stehenden Tierarten auch zu Unflexibel und unkooperativ?
ziehenimbein 14.09.2015
3. Dann sollte man den Fledermäusen
jetzt noch Gene einbauen, die sie hungriger und resistent gegen die meisten Gifte machen.
cindy2009 14.09.2015
4. @exil-teut..
Skizzierte Szenarien sind lustig Haben Sie was ggf Hand festes?
opinio... 14.09.2015
5. Fledermäuse
zahlen keine Steuern, und verhelfen den Share-Holdern nicht zu Gewinnen. Das ist zu ihrem Nachteil. Allerdings geht es auch nicht ganz ohne Chemie. Wer Zweifel hat, sollte sich einmal im 18ten und 19ten Jahrhundert umschauen.
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