Sex kann lebensgefährlich sein. Jedenfalls, wenn man eine Fliege ist und auf dem Speiseplan aufmerksamer Fledermäuse steht. Ein Team von Biologen hat festgestellt, dass die Fledertiere regelmäßig Fliegenpärchen fressen, die gerade kopulieren. Im Fachmagazin "Current Biology" berichten sie, dass Fransenfledermäuse offensichtlich auf Geräusche reagieren, die paarende Insekten machen.
Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und seine Kollegen wählten einen optimalen Ort, um das Jagdverhalten von Fransenfledermäusen (Myotis nattereri), die sich hauptsächlich von Fliegen ernähren, zu studieren. Sie beobachteten die Tiere in einem Kuhstall, in dem einige Fledermäuse lebten - und mehr Fliegen, als man zählen könne, wie sie mitteilen. In einer mehrjährigen Fleißarbeit notierten die Forscher, wie oft sie Fliegen in flagranti sahen und wie oft diese von Fledermäusen angegriffen oder verspeist wurden.
Die Fledermäuse orten ihre Beute per Echoortung. Wenn die Fliegen sitzen oder über Wände krabbeln, dann sind sie für ihre Jäger nicht zu entdecken. Doch das ändert sich, wenn sich die Fliegen paaren. Dann geben sie eine Reihe klickähnlicher Laute von sich. Wahrscheinlich verursacht sie das Männchen, das mit den Flügeln schlägt. Das tiefe Brummen können auch Menschen hören.
Mit doppelter Mahlzeit belohnt
Diese Geräusche nehmen die Fledermäuse wahr. Insgesamt 59-mal sahen die Forscher, wie die Jäger versuchten, ein Fliegen-Paar zu erwischen. In 39 Fällen waren sie dabei erfolgreich - und wurden fast immer mit einer doppelten Mahlzeit belohnt. Nur zweimal gelang es einer der Fliegen, zu entkommen, während ihr Partner verspeist wurde. Da die Wissenschaftler während der Beobachtungszeit insgesamt rund 1100 Fliegen-Paarungen zählten, fällt allerdings nur ein kleiner Teil der Insekten den Fledermäusen zum Opfer.
Dass die Fledermäuse sich tatsächlich an den Geräuschen orientieren, überprüften die Forscher mit zwei Experimenten. Zum einen befestigten sie mehrmals tote Fliegenpaare an der Stalldecke. Diese wurden kein einziges Mal von den Fledermäusen angegriffen. Zum anderen ließen sie das typische Brummen über einen Lautsprecher ertönen. Die Fledermäuse näherten sich an, einige versuchten sogar nach dem Gerät zu greifen.
Die Forscher vermuten, dass andere Tiere auf eine ähnliche Jagdtaktik setzen. Schließlich würden Beutetiere beim Sex sowohl Geräusche machen, die ihre Position verraten - und seien gleichzeitig abgelenkt.
wbr
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