Vampirfledermäuse Blutsauger mit Geschmacksstörung

Einseitige Ernährung schadet dem Geschmackssinn, zeigt eine Studie mit Vampirfledermäusen. Die Tiere ernähren sich ausschließlich von Blut und haben dabei unter anderem verlernt, Bitterstoffe wahrzunehmen.

Vampirfledermaus: 15 bis 50 Gramm schwer und 6,5 bis 9,5 Zentimeter groß
Corbis

Vampirfledermaus: 15 bis 50 Gramm schwer und 6,5 bis 9,5 Zentimeter groß


Sie haben ihren Namen nicht ohne Grund: Vampirfledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Es gibt drei Arten, die entweder andere Säugetiere oder Vögel anzapfen. Die Fähigkeit zur Spezialernährung hat die Sinne der Fledermäuse verändert: Vampirfledermäuse haben einen schlechten Geschmackssinn. Bitterstoffe können sie kaum schmecken.

"Das ist überraschend, denn natürliche Giftstoffe schmecken bitter. Das schützt Tiere vor schädlicher Nahrung", schreiben Wei Hong und Huabin Zhao von der Universität Wuhan in China im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Die Forscher hatten ein Gen der drei Vampirfledermausarten mit dem von elf anderen Fledermausarten verglichen. Das Gen enthält den Bauplan für Proteine, an denen Bitterstoffe andocken können und kommt im Erbgut aller Fledermäuse vor. Allerdings funktioniert es bei Vampirfledermäusen häufig nicht mehr richtig. Bei den drei ausschließlich blutsaugenden Arten fanden die Forscher überdurchschnittlich viele Pseudogene, die nicht mehr als Bauplan für ein funktionierendes Protein dienen.

Da schmeckt das Blut nur halb so gut

Offenbar haben Vampirfledermäuse die Fähigkeit, Bitterstoffe in der Nahrung zu erkennen, weitestgehend eingebüßt. Zwar sei der Geschmackssinn für den Stoff nicht völlig verschwunden, spiele aber bei der Futterwahl keine Rolle mehr, so Hong und Zhao. Da Blut in den Adern nicht schlecht wird, brauchen Vampirfledermäuse die Warnung vor Giften in Form von bitterem Geschmack nicht.

Vorangegangene Studien hatten bereits gezeigt, dass die Fledermäuse wenig schmecken: Auch süß und umami, den typischen Fleischgeschmack, können sie nicht wahrnehmen. Ausgeglichen wird das Manko durch den Geruchssinn, genaue Echolotung und ein ausgeprägtes Wärmeempfinden.

Vampirfledermaus: Riechen statt schmecken
Nick Gordon/ ardea.com

Vampirfledermaus: Riechen statt schmecken

All diese Sinne helfen Vampirfledermäusen, Vögel und Rinder ausfindig zu machen. Geeignete Bissstellen, venenreiche Regionen unter der Haut, spüren sie mit Infrarotsensoren auf, einer Art biologischer Wärmebildkamera. Anschließend betäuben die Tiere die Stelle mit Speichel. Er enthält auch Stoffe, die verhindern, dass das Blut gerinnt. Bis zu 30 Milliliter Blut können Vampirfledermäuse so bei jedem Biss aufsaugen.

Fledermausspeichel medizinisch nutzen

Eine der gerinnungshemmenden Substanzen aus dem Speichel lässt sich auch im Labor herstellen. Forscher versuchten, diese medizinisch zu nutzen. Sie sollte die Zeit verlängern, die nach einem Herzinfarkt zur akuten Behandlung bleibt. Das gelang zwar, klinische Studien zeigten jedoch, dass es Patienten trotz der Behandlung mit der Substanz nicht besser ging als einer Kontrollgruppe, die das Mittel nicht erhielt.

Die Heimat der Vampirfledermäuse reicht vom Süden der USA bis in den Süden Südamerikas. Weil sie Tollwut übertragen können, werden sie gejagt und vergiftet oder die Höhlen in denen sie schlafen, ausgeräuchert. Die verbreitetste Art ist der Gemeine Vampir, der Schätzungen zufolge jährlich Zehntausende Rinder mit Tollwut ansteckt. Menschen werden zwar nur selten gebissen, müssen nach einem Biss aber sofort geimpft werden, sonst können sie im Fall einer Tollwutinfektion sterben.

Alle Vampirfledermäuse sind eng verwandt und stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. Zunächst entwickelte sich die Ernährung mit Vogelblut - wahrscheinlich beim Kammzahnvampir. Dann kam der Weißflügelvampir hinzu, der neben Vögeln auch mal in Säugetiere wie Ziegen oder Meerschweinchen beißt. Der Gemeine Vampir hat sich schließlich auf große Säuger - vor allem Rinder - spezialisiert.

Vampirfledermäuse sind insgesamt weit verbreitet. Der Kammzahnvampir wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) allerdings als gering gefährdet eingestuft.

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insgesamt 3 Beiträge
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sbi 25.06.2014
1. Auf Rinder spezialisiert?
Mhmm. Welche großen Rinder gab es denn in Südamerika, bevor die Europäer Hausrinder dorthin brachten? Ich dachte, viele der nordamerikanischen großen Säuger wären gar nicht über die mittelamerikanische Landbrücke nach Südamerika gewandert? Oder gab es dort natürlicherweise irgendwelche Büffel?
Spirit in Black 25.06.2014
2. Guter Fußballspieler
Mit dem Gebiss hat die Fledermaus auf dem Bild sicher gute Chancen das eine oder andere Tor zu schießen.:-)
minsch 25.06.2014
3.
Zitat von sbiMhmm. Welche großen Rinder gab es denn in Südamerika, bevor die Europäer Hausrinder dorthin brachten? Ich dachte, viele der nordamerikanischen großen Säuger wären gar nicht über die mittelamerikanische Landbrücke nach Südamerika gewandert? Oder gab es dort natürlicherweise irgendwelche Büffel?
Sie haben da etwas falsch verstanden, die sind nicht auf Rinder sondern auf Säugetiere spezialisiert; nach der Einfuhr von Rindern durch den Menschen in Südamerika ernähren sie sich natürlich auch von Rinderblut und da es in einigen Gegenden inzwischen erheblich mehr Rinder als Wildtiere und Menschen gibt, sind die natürliche die wichtigste Ernährungsgrundlage für die Fledermäuse, aber das heißt nicht, dass sie nicht auch unvorsichtige Menschen als Blutbar nutzen.
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