Fledermäuse Große Hoden, kleines Hirn

Manche Frau will es schon immer gewusst haben, Wissenschaftler haben es jetzt bewiesen - zumindest was Fledermäuse betrifft: Männer haben entweder große Hoden oder ein großes Hirn. Beides geht nicht.


So mancher Mann dürfte erblassen angesichts dieser Proportionen. Um sich ordentlich vermehren zu können, besitzen manche Fledermäuse Geschlechtsorgane von geradezu titanischem Ausmaß. Allein die Hoden der Flugsäuger können bis zu 8,5 Prozent des Körpergewichts erreichen, haben US-Forscher jetzt festgestellt. Wollte ein männlicher Mensch von 90 Kilogramm Körpergewicht auf das gleiche Verhältnis kommen, müssten seine Keimdrüsen mehr als 15 Pfund auf die Waage bringen.

Fledermaus der Art Rousettus aegyptiacus: Hoden wiegen im Schnitt 3,5 Gramm, das Hirn 2,3 Gramm
Mark Bartosik

Fledermaus der Art Rousettus aegyptiacus: Hoden wiegen im Schnitt 3,5 Gramm, das Hirn 2,3 Gramm

Wozu aber diese opulente Ausstattung der Fledermäuse? Nach dem Vergleich zwischen Hoden- und Hirngröße bei 334 Fledermaus- und Flughund-Arten hat das Team um Scott Pitnick von der Syracuse University eine klare Antwort: Je größer die Hoden, desto zahlreicher der Nachwuchs.

Das aber hat seinen Preis: Wo derartig im Untergeschoss investiert wird, muss im Oberstübchen gespart werden. Hirn und Hoden seien halt "stoffwechselmäßig teure Gewebe", schreiben die Forscher im britischen Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B". Anders ausgedrückt: Massive Samenproduktion und fülliges Hirn verlangen viel Energie, weshalb eben nur eines von beiden geht.

Manche Frau mag jetzt denken, das habe sie schon immer geahnt. Doch recht haben auch die Männer, die jetzt denken: Schuld an allem sind wie immer die Frauen.

Denn die Wissenschaftler haben festgestellt, dass die mächtig bestückten Fledermausmännchen nur ahnungslose Opfer weiblicher Zügellosigkeit sind. Wechseln die Weibchen häufig den Partner und legen wenig Wert auf Treue, haben die Männchen der betreffenden Spezies mehr zwischen den Beinen und weniger zwischen den Ohren. Die Mausohr-Fledermaus Myotis albescens aus der Familie der auch in Europa vertretenen Glattnasen etwa steckt mehr als doppelt so viel Energie in die Hoden wie ins Hirn, bemerken die Forscher.

Bei Fledermausarten mit monogamen Weibchen seien die Denkorgane der Männchen dagegen verhältnismäßig groß. So trägt die holde Weiblichkeit am Ende doch noch den moralischen Sieg davon: Bei Arten, die es zum Überleben weniger bunt treiben müssen, gilt die partnerschaftliche Treue - und schon werden die Männchen schlauer.

Markus Becker

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