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Fledermaus-Jagd: Wer häufiger ruft, bekommt die Beute

Wenn zwei Fledermäuse sich um die Beute streiten, gewinnt die mit der größeren Ausdauer. US-Forscher haben herausgefunden, wie die Tiere bei der Jagd kommunizieren.

Fledermäuse: Männer sichern sich per Ultraschall die Beute Fotos
DPA

College Park - Manchmal kommt es nicht auf die Schnelligkeit an: Männliche Fledermäuse sichern sich ihre Beute mit speziellen Rufen vor anderen hungrigen Artgenossen. Ein Forscherteam der US-amerikanischen University of Maryland in College Park stellte fest, dass die Männchen der Großen Braunen Fledermaus (Eptesicus fuscus) bei der Futtersuche Ultraschall-Laute ausstießen, mit denen sie Insekten für sich beanspruchten. Andere Fledermäuse hielten dann Abstand. Je öfter Männchen ihren Ruf ertönen ließen, desto eher konnten sie sich letztlich die Beute schnappen.

Wie die Forscher um Genevieve Spanjer Wright im Fachjournal "Current Biology" schreiben, besitzt jedes Tier einen eigenen typischen Ruf. An ihm können Artgenossen erkennen, wer genau etwa ein Insekt anvisiert hat. Die Sequenzen bestehen aus drei bis vier Tönen und enden oft mit einem kurzen Geräusch, das einem Brummen ähnelt. Die Rufe sind länger und in der Frequenz tiefer als die bekannten Töne, die Fledermäuse für ihre Echoortung einsetzen.

Radau in der Junggesellen-Kolonie

Auf die Laute aufmerksam wurden die Forscher, als sie Tonaufnahmen zweier Fledermäuse bei der Beutesuche auswerteten. Anschließend ließen sie männliche und weibliche Tiere alleine oder paarweise Mehlwurm-Köder jagen und werteten ihre Rufe und Flugrouten aus. Dabei wurde klar: Nur die Männchen der Großen Braunen Fledermaus machten ihren Artgenossen deutlich, wem welcher Wurm gehört.

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Fledermäuse bei der Jagd: Tierische Ökonomen

Warum die Weibchen keine Ansprüche anmeldeten, klärten die Wissenschaftler nicht. Ein Grund könnte nach ihrer Ansicht sein, dass sich Weibchen ihre Schlafplätze mit anderen Fledermäusen teilen und daher möglicherweise eher mit vertrauten Tieren jagen. Männchen hingegen schlafen häufig allein oder in viel kleineren Junggesellen-Kolonien und sind oft mit Artgenossen auf Futtersuche, die sie weniger gut kennen. Zudem ähneln die Balzrufe einiger Männchen den Beute-Rufen. Das könnte darauf hindeuten, dass die Tiere die Laute aus dem anderen Kontext übernahmen.

Bei einigen anderen Tierarten, die in Gruppen jagen, sei es üblich mit Schreien auf Beute aufmerksam zu machen, so die Forscher. Bei den Fledermäusen sei es umgekehrt: Statt andere anzulocken, wollen sie mit ihren Lauten die Konkurrenz fernhalten.

nik/dpa

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