Fledermäuse Schlürfen mit Förderband-Technik

Im Fliegen trinken ist kraftaufwendig und muss daher schnell gehen. Eine Fledermausart hat dafür eine besondere Technik entwickelt: Sie nutzt ihre Zunge wie ein Förderband.

Zunge als Förderband: Eine südamerikanische Fledermaus trinkt Nektar aus einer Bromelienblüte
DPA/ M. Tschapka/ University of Ulm

Zunge als Förderband: Eine südamerikanische Fledermaus trinkt Nektar aus einer Bromelienblüte


Viele Tiere ernähren sich von Nektar. Das Problem dabei: Nicht alle Organismen haben es so gut wie Biene und Hummel und können direkt auf den Blüten landen. Kolibris und Fledermäuse sind dafür schlicht zu schwer. Sie müssen kraftaufwendig vor den Blüten im Stand flattern.

Damit sich der damit verbundene große Energieaufwand lohnt, müssen die Tiere die Aufnahme des Nährstoffes maximieren und haben dafür allerlei Methoden ersonnen. Wissenschaftler der Universität Ulm haben nun eine neue Trink-Technik entdeckt: Eine südamerikanische Fledermausart setzt ihre Zunge wie ein Förderband ein, schreiben Marco Tschapka und seine Kollegen im Fachmagazin "Science Advanced".

Schautrinken für Fledermäuse

Schon lange ist bekannt, dass die Fledermäuse haarartige Fasern auf der Zunge tragen. Viele Fledermäuse nutzen ihre Zunge dabei wie eine Art Wischmopp. Dass eine Fledermauszunge aber auch hervorragend als Pumpe funktioniert, war bisher nicht bekannt.

Für ihre Untersuchung bauten die Forscher eine Art Blütenattrappe für die Fledermäuse - sie füllten Honigwasser in einen schmalen Glaszylinder. Dann beobachteten sie das Trinkverhalten zweier verschiedener südamerikanischer Arten: Glossophaga soricina und Lonchophylla robusta. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera zeichneten sie die Nektar trinkenden Fledermäuse auf Video auf.

Das Ergebnis: Während Glossophaga soricina mit der Wischmopp-Methode trank, nutzten die Tiere der Art Lonchophylla robusta eine ganz andere Technik: Sie flogen an, flatterten vor der Blüte im Stand und tauchten dann ihre Zungenspitze tief in den Nektar und ließen sie einfach dort - ohne hin- und herwischen. Sie bewegten ihre Zunge vielmehr mit einer Art Pumpbewegung, so dass der Nektar wie über ein Förderband im Maul der Tiere landete.

AAAS/ Carla Schaffer
Die Forscher vermuten, dass sich die Fledermäuse durch ihre verschiedenen Trinktechniken auch unterschiedliche ökologische Nischen erschließen können. Ihre Spezialisierung erlaube ihnen möglicherweise, auch begrenzte Nektarvorräte voll auszunutzen.

khü/dpa



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