Fleischfressende Pflanze: Versteckte Todesrutsche für Insekten

Sie suchen Schutz und finden den Tod: Bei Regen schlüpfen Insekten unter den Deckel der Kannenpflanze. Dort geraten sie in eine fatale Situation - ein Wassertröpfchen genügt. Forscher haben den Weg in den Abgrund beobachtet.

Kannenpflanze: Die Hardwick-Wollfledermaus lebt in dem Gewächs - sie wird geduldet Zur Großansicht
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Kannenpflanze: Die Hardwick-Wollfledermaus lebt in dem Gewächs - sie wird geduldet

Washington - Fleischfressende Kannenpflanzen lassen sich Beutetiere vom Regen ins "Maul" schnipsen. Bei der Art Nepenthes gracilis sei die Unterseite des Deckels über der Kanne mit einer einzigartigen wächsern-kristallinen Struktur beschichtet, schreiben Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin "PLoS ONE". Insekten können sich dort demnach unter Normalbedingungen gerade so festkrallen. Fällt aber ein Regentropfen oben auf den Deckel, werden sie in die Kanne unter ihnen katapultiert - und verdaut.

N. gracilis ist vor allem auf den Inseln Borneo, Sulawesi und Sumatra in Südostasien heimisch. Zufällig wurde das Team um Ulrike Bauer von der University of Cambridge Zeuge, wie ein Käfer bei Regen Schutz unter dem Deckel suchte - und von einem auftreffenden Tropfen hinunter in die tödliche Falle befördert wurde.

Weitere Analysen in der Natur und im Labor stützten nun die Erkenntnis: Der Deckel, der die Kannen davor schützt, mit Regenwasser vollzulaufen, hat eine weitere Funktion - die einer Insektenschleuder. In den Gebieten, in denen N. gracilis heimisch sei, gebe es häufig kräftige Regenschauer, erklären die Forscher.

Pflanze liefert Vorbild für neue Technologie

Ein Trick lockt die Beute an: An der Unterseite des Deckels werde auch mehr Nektar als bei einer eng verwandten Art produziert, als Lockstoff für potentielle Beute, schreiben die Forscher. Im Laborversuch mit Ameisen, die in der Natur gern den Nektar naschen, wurden rund 40 Prozent der Tiere von einem auftreffenden Wassertropfen vom Deckel in die Kanne geschnipst. Ohne simulierten Regen passierte dies keiner einzigen Ameise.

Die bauchigen Fallen der Kannenpflanzen sind modifizierte Blätter, die mit vielerlei Eigenheiten auf den Insektenfang getrimmt sind. So sind Rand und Wand der Kannen meist spiegelglatt. Die Verdauungsflüssigkeit darin ist sauer und mit Enzymen angereichert, zudem wird sie zäher und klebriger, sobald ein Insekt darin herumrudert. Oft werden zwei verschiedene Kannentypen gebildet: auf Bodeninsekten spezialisierte und weiter oben hängende für Fluginsekten.

Die Kannenpflanze dient inzwischen Materialforschern als Vorbild. Mit einer an der Pflanze orientierten Anti-Haft-Beschichtung sollen selbstreinigende Fenster oder Schutzschichten gegen das Vereisen möglich werden.

boj/dpa

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