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Fleischfressende Pflanze: Die dritte Berührung bringt den Tod

Venusfliegenfalle: Tödliche Berührung Zur Großansicht
Getty Images

Venusfliegenfalle: Tödliche Berührung

Der erste Reiz bleibt folgenlos, beim zweiten schnappt sie zu, der dritte startet die Todesspirale: Experimente zeigen, wie die Venusfliegenfalle Insekten erbeutet. Fliegen haben nur eine Chance.

Eins, zwei, drei - beim Beutefang zählen Venusfliegenfallen die Zahl der Berührungen. Wie Forscher der Universität Würzburg in Versuchen ermittelten, schließt die Falle der fleischfressende Pflanze nach zwei Reizen an den Fühlhaaren.

Aber erst ab der dritten Stimulation beginne eine "Todesspirale": Die Pflanze startet die Produktion von Verdauungsenzymen, mit denen sie die Beute auflöst. Das berichtet das Team um den Pflanzenphysiologen Rainer Hedrich im Fachblatt "Current Biology".

Die nur in einem kleinen Areal im Osten der USA heimische Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) lockt Insekten mit ihrem Duft an. Auf der Innenseite der Fangblätter registrieren Fühlhaare mit empfindlichen Drucksensoren Berührungen.

Stimulierte Pflanze

Um herauszufinden, wie genau die Art ihre Beute fängt, stimulierten die Forscher die Fühlhaare mechanisch und maßen dann die Reaktion der Pflanze.

Die erste Berührung des Beutetiers mit einem Fühlhaar registriert die Pflanze demnach zwar in Form eines elektrischen Aktionspotenzials, aber eine sichtbare Reaktion bleibt noch aus. Damit spart sie bei einem Fehlalarm - ausgelöst etwa durch ein herabsegelndes Blatt oder einen Regentropfen - Energie.

Denn so schnell die Falle auch zuschnappt: Für das Aufspannen brauche die Pflanze einen halben Tag, so Hedrich. Erst wenn auf den ersten Reiz binnen 20 Sekunden ein zweiter folgt, schließt die Falle.

Nur eine Chance

Der dritte Reiz löst dann eine Kettenreaktion aus: Auf der Innenseite der Fangblätter produzieren und schütten Drüsen im Lauf vieler Stunden Verdauungsenzyme aus, zudem wird die Falle hermetisch verschlossen. Zugleich bildet die Pflanze Transportstoffe, um die Nährstoffe aufzunehmen. So kann sie den aufwendigen Verdauungsprozess an die Größe ihres Mahls anpassen.

Das Verspeisen einer dicken Fliege dauert laut Hedrich eine gute Woche. Eine kleine Mücke reiche dagegen nicht aus, um die Fühlhaare zu stimulieren. "Die Venusfliegenfalle kann zählen, wie oft sie von einem Insekt im Fangorgan berührt wurde, bevor sie die Beute fängt und verspeist", sagt Hedrich. "Die Zahl der Aktionspotenziale informiert die Pflanze über Größe und Nährstoffgehalt der Beute. So kann sie Kosten und Nutzen der Jagd ausbalancieren."

Eine Fliege hat demnach nur dann eine Überlebenschance in der geschlossenen Falle, wenn sie Panik vermeidet und nach dem zweiten Fühlhaar-Kontakt bewegungslos verharrt. "Wenn sie sich nicht mehr bewegt, geht die Falle schließlich wieder auf."

Hobbygärtner könnten die Resultate zu Hause nachprüfen, sagt Hedrich. Er empfiehlt allerdings, eine Lupe zur Hand zu haben, um die Details beobachten zu können.

Von Walter Willems, dpa/boj

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