Fossilfund: Fliegende Fische hoben schon vor 240 Millionen Jahren ab

Die Art des Vorankommens ist ungewöhnlich und kräftezehrend: Dennoch gibt es heute rund 50 Arten von Fischen, die sich zur Flucht aus dem Wasser stoßen und durch die Luft segeln. Ein Fossilfund in China zeigt, dass es auch vor 240 Millionen Jahren fliegende Fische gab.

240 Millionen Jahre: Ältestes Fossil eines fliegenden Fisches entdeckt Fotos
dapd/ Guang-Hui Xu

Chinesische Forscher haben den bisher ältesten fliegenden Fisch entdeckt. Das im Süden Chinas entdeckte Fossil ist 240 Millionen Jahre alt und zeigt typische Anpassungen ans Fliegen: Seine Brust- und Beckenflossen sind flügelähnlich vergrößert und die Schwanzflosse ist nach unten hin besonders lang ausgezogen. Ein schneller Schlag dieser kräftigen Schwanzflosse habe ausgereicht, um den Fisch aus dem Wasser zu katapultieren und ihn über die Wasseroberfläche gleiten zu lassen, berichten die Paläontologen im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Die neu entdeckte Fischart sei damit das früheste bekannte Wirbeltier, das diese Art der Fortbewegung entwickelte. Der Potanichthys xingyiensis sei aber kein Vorfahre der heutigen fliegenden Fische, sondern gehöre einer anderen Linie des Fischstammbaums an.

"Fliegende Fische sind außergewöhnliche Wasserwirbeltiere, die mit Hilfe ihrer vergrößerten Flossen bis zu 400 Meter weit über das Wasser gleiten können", schreibt das Team um Guang-Hui Xu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Die Fische heben teilweise von der Wasseroberfläche ab und erreichen Geschwindigkeiten von 36 bis 72 Kilometern pro Stunde. Entscheidend für diese Fähigkeit seien nicht nur die Flügelflossen, sondern vor allem die kräftige, zur Bauchseite hin vergrößerte Schwanzflosse, erklären die Forscher. Sie erzeuge den nötigen Schub unter Wasser, um den Fisch voranzutreiben und aus dem Wasser zu katapultieren.

Fliegen kostet Fische viel Energie

Diese Art der Fortbewegung koste aber sehr viel Energie, sagen die Forscher. Potanichthys xingyiensis und seine Verwandten haben sie daher vermutlich als Fluchtstrategie für den Notfall entwickelt. "Durch den Sprung aus dem Wasser flüchteten sie vor Räubern wie den zu dieser Zeit lebenden großen Meeresreptilien oder großen fleischfressenden Fischen", schreiben Xu und seine Kollegen. Diese Raubtiere lebten damals in den gleichen Gewässern wie Potanichthys und konnten bis zu drei Meter Länge erreichen. Der rund 15 Zentimeter große fliegende Fisch sei für sie vermutlich eine passende Beute gewesen.

Wie die Forscher berichten, entwickelten sich die Vorfahren aller heute lebenden rund 50 fliegenden Fischarten erst nach dem Untergang der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren. Es habe aber zuvor schon eine andere Fischgruppe gegeben, die ebenfalls auf die ungewöhnliche Fortbewegungsstrategie setzte. Von dieser sind aber bisher nur in Österreich und Italien sehr schlecht erhaltene Fossilien aus der Zeit vor rund 200 Millionen Jahren gefunden worden.

Der neu entdeckte Potanichthys xingyiensis sei der bisher älteste Vertreter dieser Gruppe, sagen Xu und seine Kollegen. Das aus dem mittleren Trias stammende Fossil sei zudem so gut konserviert, dass man zum ersten Mal die Schädelbasis und andere Körperteile genauer untersuchen könne.

Der Fund wirft auch ein neues Licht auf die geografische Verteilung der fliegenden Urzeitfische. Denn Potanichthys xingyiensis ist das erste Fossil dieser Gruppe, das in Asien gefunden wurde. "Das zeigt, dass diese Fische sowohl am westlichen als auch am östlichen Rand des Urmeeres Paleotethys verbreitet waren", berichten Xu und seine Kollegen. Dieses Meer bildete einst einen tiefen Einschnitt im Urkontinent Pangäa und reichte vom Gebiet des heutigen Mittelmeers bis nach Ostasien.

wbr/dapd

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