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Fliegende Pfadfinder: Turbo-Bienen lenken den Schwarm

Wie finden Bienen ein neues Zuhause? Bisher kursierten gleich mehrere Theorien, wie die Insekten den Umzug bewältigen. Jetzt haben Wissenschaftler per Videoanalyse eine Antwort gefunden. Die lautet: Es kommt auf die Geschwindigkeit an.

Wird ein Bienenvolk zu groß, verlässt die alte Königin ihr Volk. Rund zwei Drittel der Arbeiterbienen schwärmen dann zusammen mit der Königin aus und machen sich auf die Suche nach einer neuen Behausung. Allerdings war bisher nicht genau geklärt, wie der Schwarm ein neues Zuhause findet.

Biene im Flug: "Flitzbienen" weisen dem Schwarm den Weg
DDP

Biene im Flug: "Flitzbienen" weisen dem Schwarm den Weg

Jetzt haben US-Forscher anhand einer aufwendigen Videoanalyse des Honigbienen-Flugverhaltens eine Antwort gefunden. Die Insekten folgen während des Fluges schnell fliegenden Artgenossen, die den Weg zum neuen Nest bereits kennen. Diese sogenannten Spurbienen bewegen sich vor allem im oberen Teil eines Schwarms. Sie weisen den anderen Tieren mit ihrem erhöhten Flugtempo den Weg zum neuen Bienenstock, schreiben Kevin Schultz von der Ohio State University in Columbus und seine Kollegen im Fachblatt "Journal of Experimental Biology" (Bd. 211, S. 3287).

Der Schwarm entfernt sich demnach zunächst nur eine kleine Strecke von seinem alten Nest, um den Spurbienen Gelegenheit zu geben, eine neue Unterkunft zu finden. Nur etwa drei bis fünf Prozent des Schwarmes gehören zu diesen Spurbienen, fanden die Wissenschaftler heraus. Dennoch schaffen sie es, den gesamten Schwarm auf den richtigen Weg zu lenken, sobald sie eine neue Behausung gefunden haben.

Wie genau sie das tun, darüber waren Wissenschaftler bislang uneins. Ein Lager glaubte, dass die Spurbienen unauffällig in der Mitte des Schwarms fliegen und nur durch die Richtung, die sie einschlagen, den anderen Bienen den Weg weisen. Andere Forscher, zu denen auch Schultz und seine Kollegen gehören, hielten dagegen deutlichere Signale für wahrscheinlich - wie etwa eine erhöhte Fluggeschwindigkeit.

Um ihre Hypothese zu beweisen, filmten die Forscher mehrere Schwärme mit hochauflösenden Kameras. Um die Flugrichtung vorhersagbarer zu machen, transportieren die Wissenschaftler die Bienen auf eine kleine Insel vor der amerikanischen Nordostküste.

Dort gibt es kaum natürlichen Bewuchs, der sich als Unterkunft für Bienen eignet. Deshalb schwärmten die Tiere stets in Richtung des künstlichen Bienenstocks aus, den die Forscher auf der Insel aufgestellt hatten.

Nach der Auswertung der Videobilder sehen Schultz und seine Kollegen deutliche Hinweise für eine erhöhte Fluggeschwindigkeit der Spurbienen. Auf Englisch bezeichneten die Wissenschaftler diese schnellen Bienen daher als "streaker bees", was übersetzt so viel bedeutet wie "Flitzbiene".

mbe/ddp

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