Florida: Kraftwerkschließungen könnten Seekühe bedrohen

Florida: Manatis suchen die Wärme Fotos
AP

Beim ersten Hinhören klingt es beinahe bizarr: Biologen in den USA warnen davor, Kraftwerke in Florida zu schließen - weil deren Kühlwassersysteme überlebenswichtig für bedrohte Seekühe sind. Die Anlagen wärmen das Wasser und retten so viele Tiere vor dem Erfrieren.

Wie eine Perlenkette sind Großkraftwerke an Floridas Küsten aufgereiht - und sollten einige der Anlagen einmal außer Betrieb gehen, dann würde die ohnehin gefährdete Seekuhpopulation in der Region weiter geschwächt werden. Denn bei Kältewellen zieht sich ein Großteil der empfindlichen Manatis an die wärmenden Abflüsse solcher Anlagen zurück. Das berichten US-Forscher im Fachmagazin "PLOS One". Um die gefährdete Tierart künftig bei Kälte zu schützen, müsse man schon jetzt anfangen, ihnen wärmere Gewässer zugänglich zu machen, fordern sie.

Das Florida-Manati ist eine Unterart des Karibik-Manatis, die ausschließlich im Südosten der USA lebt. Gerade auf Kälte reagieren die sanftmütigen Tiere sehr sensibel: Fällt die Wassertemperatur längere Zeit unter 20 Grad Celsius oder kurzzeitig sogar auf etwa zehn Grad, können diese Seekühe sterben. Daher halten sie sich meist in der Nähe von Orten auf, die ihnen dann Schutz bieten - etwa warme Quellen, Abflüsse von Kraftwerken oder Gewässer, die sich durch Sonneneinstrahlung aufwärmen. Diesen Rückzugsorten bleiben die trägen Tiere oft lebenslang treu.

Die Biologen um David Laist von der Marine Mammal Commission in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) untersuchten in der Zeit von 1999 bis 2011, wo die Tiere sich in kalten Winterphasen aufhalten. Knapp die Hälfte aller Manatis wärmte sich in der Nähe von Kraftwerken, etwa ein Sechstel schwamm zu warmen Quellen, ein gutes Drittel hielt sich an andere Gewässer. Gerade im Süden des Staates, wo die meisten Manatis leben, nutzten die Tiere Kraftwerke besonders stark - vermutlich weil es dort kaum warme Quellen gibt.

Vertrauensaufbau dauert lang

Allerdings starben im Süden besonders viele Tiere an Kälte - möglicherweise weil Kraftwerke geschlossen oder modernisiert wurden. Alle von den Tieren besuchten Anlagen sind mindestens 35 Jahre alt. Im Norden, wo viele warme Quellen sprudeln, verendeten weniger Tiere bei Kälte. Da warme Quellen den besten Schutz gegen Kälte bieten, solle man den Seekühen den Zugang dazu erleichtern, fordern die Forscher. Dazu könne der Staat solche Gewässer aus Privatbesitz zurückkaufen, Dämme entfernen, die den Weg dorthin versperren, verbaute Quellen renaturieren und menschliche Aktivitäten dort beschränken.

"Es hat mehr als 50 Jahre gedauert, das heutige hohe Vertrauen der Manatis in die Wärme von Kraftwerksabflüssen zu schaffen", so die Wissenschaftler. Ähnlich lange könne es dauern, den Tieren Alternativen anzubieten. "Wir dürfen diese Arbeit nicht aufschieben, bis die Kraftwerke schließen," schreiben sie. "Eine Verringerung der Zahl der Kraftwerksabflüsse, von denen derzeit viele Manatis abhängen, könnte die größte Bedrohung für Manatis in den kommenden 50 Jahren sein."

chs/dpa

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