Karte vom Meeresboden Hier soll das verschollene Flugzeug liegen

U-Boote sollen nach dem verschwundenen Flugzeug MH370 suchen - aber wo? Bislang gab es kaum Daten vom Meeresgrund. Nun zeigt eine Karte das Suchgebiet: Extremes Gebirge erhebt sich am Grund.

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Meeresboden westlich von Australien: In dem von schwarzen Strichen gesäumten Gebiet von der Größe Syriens vermuten Experten Flug MH370. Die Kreise zeigen Orte, an denen Schiffe mögliche Signale der abgestürzten Maschine aufgefangen haben. "D" zeigt die tiefste Stelle von 7883 Meter unter dem Meeresspiegel, "S", "Z", "W" und "B" markieren die flachsten Orte, sie reichen auf wenige Hundert Meter an die Oberfläche. Am grauen Punkt gibt es Daten einer Tiefseebohrung. Die Erhebungen werden auf dem Atlas zur Verdeutlichung um das 30fache steiler dargestellt. Tiefe Regionen sind blau, flache gelb und rot dargestellt.
Walter H.F. Smith / Karen M. Marks

Meeresboden westlich von Australien: In dem von schwarzen Strichen gesäumten Gebiet von der Größe Syriens vermuten Experten Flug MH370. Die Kreise zeigen Orte, an denen Schiffe mögliche Signale der abgestürzten Maschine aufgefangen haben. "D" zeigt die tiefste Stelle von 7883 Meter unter dem Meeresspiegel, "S", "Z", "W" und "B" markieren die flachsten Orte, sie reichen auf wenige Hundert Meter an die Oberfläche. Am grauen Punkt gibt es Daten einer Tiefseebohrung. Die Erhebungen werden auf dem Atlas zur Verdeutlichung um das 30fache steiler dargestellt. Tiefe Regionen sind blau, flache gelb und rot dargestellt.


Hamburg/Washington - Geoforscher haben eine Karte des Suchgebiets für Flug MH370 veröffentlicht. Sie zeigt erstmals den Meeresboden westlich von Australien - und offenbart, wie schwierig die Fahndung nach der Maschine mit U-Booten sein wird.

Anhand der Signale, die Satelliten von MH370 aufgefangen hatten, haben Forscher das Suchgebiet auf rund 180.000 Quadratkilometer eingegrenzt - es ist damit in etwa so groß wie Syrien.

In dem mit schwarzen Strichen eingefassten Gebiet vermuten Experten die Maschine von Malaysia Airlines, die mit 239 Menschen an Bord am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwunden war. Satellitensignale legen nahe, dass sie stundenlang in Richtung Süden flog und im Indischen Ozean abstürzte.

Fast 8000 Meter tief

Der neue Atlas solle bei der Suche nach dem Flugzeug helfen, sagen deren Autoren Walter Smith und Karen Marks vom National Oceanic and Atmospheric Administration's Laboratory in Maryland, USA. Ihre Aufgabe war immens: "Nur für fünf Prozent des Meeresbodens der Region gab es bislang geeignete Karten", schreiben die Forscher im Fachmagazin "Eos". Dieser Mangel habe die Fahndung nach MH370 enorm erschwert.

Die neue Karte zeigt eine gebirgige Landschaft: Der Meersgrund fällt an der tiefsten Stelle auf 7883 Meter ab (tiefblau gefärbte Region); Unterseeberge in der Nähe türmen sich aber 5000 Meter hoch (rote Farbe). Die flachste Stelle liegt nur 237 Meter unter der Meeresoberfläche. Die Erhebungen werden auf dem Atlas zur Verdeutlichung um das 30fache steiler dargestellt.

"Es ist eine sehr komplexe Umwelt, die kaum bekannt ist", sagt Smith. Die Zerklüftungen zeugen von der bewegten geologischen Geschichte der Region. Dort brachen vor 130 Millionen Jahren die Kontinente Australien, Indien und Antarktis auseinander.

Wie die Karte entstand

Anhand der Meeresbodenkarte könnten Suchmannschaften nun besser entscheiden, welche U-Boote sie in welcher Region einsetzen, schreiben die Forscher.

Die Wissenschaftler mussten auf Satellitenmessungen zurückgreifen, die die Höhe des Meeresspiegels darstellen. Wird der Wellengang herausgerechnet, offenbaren die Daten grob die Form des Bodens: Unterseeberge ziehen mit ihrer Schwerkraft Wasser an, sodass sich Beulen auf dem Meer bilden - sie werden vom Satelliten erfasst.

Auch Sonarmessungen fanden Eingang: Mit Schallwellen haben Forscher den Meeresboden abgetastet, allerdings nur in einem winzigen Teil des Gebiets. Die Schallwellen werden am Grund zurückgeworfen - je länger sie unterwegs sind, desto tiefer ist das Meer.

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Seite 1
undnochmeinsenfdazu 27.05.2014
1. Es ist immer dasselbe...
...mit den überhöhten Karten. Was dort nach "extremen Gebirge" aussieht, ist von den Steiungen (!) her ein gemütlicher Skihang. Sieben Kilometer Höhenunterschied, verteilt auf dutzende Kilometer... Ich will die Probleme bei so einer Suche nicht kleinreden, aber ich denke, man sollte sich mit solchen reißerischen Vokabeln eben zurückhalten, wenn es nicht den Tatsachen entspricht.
Hajojunge 27.05.2014
2. Die Suche nach dem Molekül im Heuhaufen...
Die Flugroute von AF 447 zwischen Brasilien und Afrika am 1. Juni 2009 war recht genau einzugrenzen, obwohl sich das Flugzeug vor seinem Absturz bereits im Funkloch befand. Trotzdem dauerte es zwei Jahre, bis man das Wrack orten konnte, der Flugschreiber war längst verstummt. MH370 zu finden, wird ungleich schwieriger werden. Trotzdem sollten die Bemühungen nicht aufhören, im Interesse der Hinterbliebenen und letztendlich der Flugsicherheit. Jede Flugzeugkatastrophe ist schrecklich, aber wenn man aus ihr lernen kann, dann ist die Suche auch deshalb sehr wichtig.
FrankfurterMann 27.05.2014
3.
Das ist doch mal die beste Bildbeschreibung. Da bleiben echt keine Fragen offen. Öfter so!
eaglereno 27.05.2014
4. Noch eine neue Theorie.
Kann man nicht warten, bis wirkliche Fakten auf dem Tisch sind?
paoloDeG 27.05.2014
5. die Suche von Flugzeug MH370
Wie verhalten sich Schallwellen, wenn sie auf den Boing treffen, der sich auf dem Boden des Meeres befindet? Wenn in dem Fall, Schallwellen ein besonderen Charakter aufweisen, man könnte auch von Wasseroberfläche mit Schiffen zusätzlich suchen! Man könnte ein spezielles Sonar-Metaldetektor entwickeln für die Suche von verschollenen Schiffen und Flugzeugen!
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