Tierisches Selfie-Video Fliegen mit dem Rosapelikan

Flugunfähig, hungrig und orientierungslos strandete ein Pelikanbaby an einem Strand in Tansania. Menschliche Zieheltern brachten ihm das Fliegen bei - und montierten eine Kamera auf seinem Schnabel. Heraus kamen eindrucksvolle Bilder von Big Birds erstem Ausflug.

Waisenkind Big Bird: Schwergewicht der Lüfte
YouTube/ gopro.com

Waisenkind Big Bird: Schwergewicht der Lüfte


"Breite die Flügel aus und fliege", sagt der Mitarbeiter einer Safarilodge zu Rosapelikan Big Bird - und wirft ihn vorsichtig in die Luft. Schon nach wenigen Sekunden landet der große Vogel ungelenk im Küstensand des Tanganjikasee in Tansania. Etliche solcher Versuche brauchten seine Ersatzeltern, um dem ungewöhnlichen Findelkind das Fliegen beizubringen. Die Arbeit hat sich gelohnt, wie ein Video jetzt beweist.

Eine Kamera auf dem Schnabel des Rosapelikans zeigt einen seiner ersten Flugversuche - vom mühevollen Abheben über die ersten Gleitversuche bis zur Landung. Die ersten Versuche dieser Art seien teilweise noch sehr wackelig, berichten die Lodge-Mitarbeiter, die den Pelikan gefunden hatten. "Wir trauen uns oft gar nicht hinzugucken, wenn Big Bird mal wieder seine Geschwindigkeit und den Abstand zum Boden unterschätzt."

Im November tauchte der junge Pelikan nach einem Sturm allein und hungrig am Strand des Tanganjikasee im Mahale Mountains National Park auf. Möglicherweise sei er in eine Gewitterwolke geraten und so vor der Haustür des Camps gelandet, schreiben die Mitarbeiter in einem Blog. Der nächstgelegene See mit Artgenossen liege 150 Kilometer Luftlinie entfernt.

Als die Campmitarbeiter den Rosapelikan fanden, war er schätzungsweise drei Monate alt - noch jung, aber schon ziemlich groß. "Wir sind nicht sicher, wie viel er zuvor schon geflogen war", schreiben sie. In den ersten Wochen habe Big Bird keinen weiteren Flugversuch gewagt. "Wir rannten den Strand hoch und runter und schlugen mit den Armen", erklärt ein Mitarbeiter. "Big Bird schaute uns zunächst interessiert zu - eines Tages zeigte er uns, wie Fliegen wirklich geht."

Kein Futter ohne Kumpels

Rosapelikan-Männchen wie Big Bird erreichen ein Gewicht von 12 bis 15 Kilogramm und eine Flügelspanne von etwa 3,60 Metern. Nur der Wanderalbatross, dessen energiearme Flugtechnik Wissenschaftler fasziniert, hat eine noch größere Flügelspanne von etwa 3,80 Metern. Als Jungtiere sind Pelikane braun. Auch Big Bird zeigt erst allmählich das leuchtende gelb und rosa in seinem Gesicht und auf dem Schnabelsack.

Wie es mit ihm weitergeht, bleibt abzuwarten. Neben seinen zunächst mangelhaften Flugfähigkeiten gibt es noch ein weiteres Problem in seinem jungen Leben: Hunger. Ohne den Schwarm können Pelikane nicht fischen. Sie treiben ihre Beute gemeinsam zusammen und schöpfen sie dann mit dem Hautsack an ihrem Schnabel aus dem Wasser. Findelkind Big Bird muss deshalb von seinen Zieheltern gefüttert werden.

Hässliches Entlein, schöner Schwan

jme



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