Flugsaurier Vogelvorfahren waren Gleitflieger

Microraptor gui hatte Federn an Vorder- und Hinterbeinen - doch wie flog der Dinosaurier damit? Spreizte er die Hinterbeine seitlich ab - oder flog er wie ein Doppeldecker? Um das zu klären, haben Forscher den Dino einfach aus Holz nachgebaut - und ließen die Flugmodelle gegeneinander antreten.

Küstenseeschwalbe: Es gibt keine Wirbeltiere mehr mit Hinterflügeln
DPA

Küstenseeschwalbe: Es gibt keine Wirbeltiere mehr mit Hinterflügeln


Die Vorfahren der Vögel haben ihre Flügel entwickelt, um von Bäumen zu gleiten. Zu diesem Schluss ist ein internationales Forscherteam gelangt, das den Flugapparat des vierflügligen Dinosauriers Microraptor gui untersucht hat. Anhand von Modell-Nachbauten haben die Forscher sogar die Flugtechnik der ausgestorbenen Tiere sowie ihre Flügelstellung und Flugweise bestimmt. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler um David Alexander von der University of Kansas in Lawrence im Fachmagazin " Proceedings of the National Academy of Sciences" vor.

Microraptor gui hatte Federn an den vorderen und hinteren Extremitäten. Die Tiere wurden zwischen 40 und 80 Zentimeter groß und waren damit eine der kleinsten Saurierarten. Mehrere Microraptor-Fossilien wurden in China gefunden. Sie sind rund 120 Millionen Jahre alt.

Die Flugtechnik des Sauriers zu erforschen, war schwierig, denn es gibt heute keine Wirbeltiere mehr, deren Hinterbeine vollentwickelte Flügel sind. Mit der Folge, dass Wissenschaftler darüber streiten, wie Microraptor gui mit seinen vier Flügeln geflogen ist. Eine Theorie besagt, dass die Kreaturen ihre hinteren Extremitäten nach außen abspreizten. Der Druck der Luft, der beim Flug auf die Unterseite der Flügel entsteht, könnte so die gefiederten Beine in eine seitliche Lage gedrückt haben. Eine zweite Theorie geht davon aus, dass die Dinosaurier ihre Flügel beim Flug wie bei einem Doppeldeckerflugzeug übereinander anordneten und so in einer aufrechten Position flogen (siehe Fotostrecke links).

Der Doppeldecker hätte einen unmöglich großen Kopf erfordert

Die Forscher rekonstruierten für ihre Untersuchung die Anatomie eines Microraptor gui und bauten leichte Modelle der Tiere. An diese montierten sie dünne, federförmige Balsaholz-Platten und machten Flugtests. Die nachgebauten Kleinsaurier wurden in einer großen Sporthalle mit einem Katapult in die Luft geschleudert.

Insgesamt testeten die Forscher drei verschiedene Flugmodelle: Eines mit seitlich angebrachten geraden Hinterflügeln, eines mit seitlichen Hinterflügeln und gekrümmten Spitzen sowie die Doppeldecker-Konfiguration. Die Modelle brachten nur rund 0,4 Kilogramm auf die Waage, die Masse eines Tieres schätzten die Wissenschaftler auf etwa 1,2 Kilogramm.

Das Ergebnis: Zwar flogen alle Modelle gleich gut - die weiteste Distanz, die die Gleiter erreichten, betrug 19 Meter. Doch der Doppeldecker war labiler in seinem Aufbau, die Wissenschaftler mussten für eine stabile Fluglage einen sehr schweren Kopf anbringen - für ein lebendes Tier wäre dies ein physiologisch unmöglicher Aufbau, schreiben die Wissenschaftler. Bei der Konfiguration mit seitlich abgestreckten Hinterflügeln mit gekrümmten Spitzen handele es sich um die biologisch und aerodynamisch wahrscheinlichste, schreiben die Forscher.

Aus ihren Experimenten schließen sie, dass der gefiederte Dinosaurier seine Flügel wohl seitlich abspreizte, um auf diese Weise von Baum zu Baum zu gleiten. Damit widersprechen sie Forschern, die vor rund zwei Jahren die Doppeldecker-Variante als wahrscheinlichste Flugkonfiguration ausgemacht haben wollen.

Außerdem gehen Alexander und seine Kollegen davon aus, dass Microraptor gui auf Bäume klettern konnte, auf dem Boden aber wohl sehr ungeschickt war: Seine Federn waren zu lang im Verhältnis zu den Extremitäten, so dass er seine Hinterflügel nicht kompakt zusammenfalten konnte. Dies machte ihn zur leichten Beute.

lub/ddp

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