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Fluoreszenz: Riffbewohner leuchten im Dunkeln

Überraschung unter Wasser: Forscher haben rot leuchtende Fische entdeckt, die das Licht sogar zur Kommunikation nutzen. Das beweisen spektakuläre Fotos, die von der Uni Tübingen jetzt veröffentlicht wurden.

Manchmal gelten unter Wasser ähnliche Regeln wie an Land. Nachts sind alle Katzen grau, heißt es. Und auch im Meer erscheinen Dinge, die an der Oberfläche in einem prallen Rot leuchten, ab einer Wassertiefe von zehn Metern eher grau oder schwarz. Die Ursache dafür ist, dass das Meerwasser die längeren Wellen des Sonnenlichts, die für Rottöne verantwortlich sind, stärker absorbiert als die kürzeren, die von Menschen als Blau oder Grün wahrgenommen werden.

Biologen hatten deshalb bisher angenommen, dass rötliche Farbtöne für Fische nicht weiter wichtig seien. Umso größer war die Überraschung, die jetzt ein deutsch-österreichisches Forscherteam erlebte. Die Wissenschaftler haben Fische und Korallen an Riffen fotografiert - und herausgefunden, dass Rot alles andere als unwichtig ist.

Auf den teils spektakulären Aufnahmen ist zu sehen, dass Fische, Korallen und sogar Mikroorganismen in intensivem Rot fluoreszieren. Wie die Forscher im Fachblatt "BMC Ecology" schreiben, haben sie mindestens 32 Arten solcher Rifffische aus 16 Gattungen identifiziert. Da die Fische bläuliches Licht in rotes umwandeln, sei das Glühen auch in größeren Tiefen sichtbar und könne auf kurze Distanz leicht erkannt werden.

Das beweise, "dass rote Fluoreszenz unter Fischen weit verbreitet ist", sagte Teamleuter Nico Michiels von der Universität Tübingen. "Unsere Erkenntnisse stellen die Annahme, dass rotes Licht unwichtig für Fische ist, in Frage." Nun müsse erforscht werden, welche Rolle das Licht für die Tiere spiele.

Michiels und seine Kollegen spekulieren, dass die rote Fluoreszenz zur Kommunikation dient - oder um andere Tiere anzulocken, wie es bereits bei anderen leuchtenden Fischen vermutet wird. Möglicherweise sei die Fluoreszenz ein Teil der Kommunikation von Fisch zu Fisch, meint Michiels. Auch die Tarnung sei ein denkbarer Zwecl: "In einem Korallenriff können sich rot leuchtende Fische gut verstecken."

Denn Rot bewege sich an der Grenze dessen, was die meisten Fische gerade noch wahrnehmen könnten. Und da die Farbe vom Meerwasser stark absorbiert werde, seien die entsprechenden Signale selbst von solchen Fischen, die Rot erkennen könnten, nur auf kurze Entfernung auszumachen. Mit fluoreszierenden Ringen um die Augen etwa könnten Fische laut Michiels ihre Anwesenheit signalisieren oder ihre Blickrichtung offenbaren.

mbe

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Fluoreszenz: Die leuchtenden Meeresbewohner

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