Tsunami aus dem Nichts: Rätselhafte 1000-Kilometer-Welle trifft US-Ostküste

Von

Gewitterwolken am 13. Juni über den USA (Radarbild): Der Sturm zog von Westen über Amerika, später über den Atlantik (die Uhrzeiten dokumentieren die Passage) Zur Großansicht
NOAA

Gewitterwolken am 13. Juni über den USA (Radarbild): Der Sturm zog von Westen über Amerika, später über den Atlantik (die Uhrzeiten dokumentieren die Passage)

Erst zog sich das Meer überraschend zurück, dann kam die schäumende Flut: Ein mysteriöser Tsunami hat auf mehr als tausend Kilometern Strände an der Ostküste der USA überschwemmt. Wissenschaftler rätseln über die Ursache.

Hamburg - Eine erstaunliche Flut an der Ostküste der USA verblüfft Wissenschaftler. Am Nachmittag des 13. Juni habe sie Strände von Massachusetts bis North Carolina überspült, berichtet das Tsunami-Warnzentrum. Die Auswertung von Daten habe erst jetzt ergeben, dass 30 Bojen in ganz unterschiedlichen Meeresregionen kurz hintereinander erhöhten Wasserstand registriert hätten - die Wellenfront müsste demnach wenigstens tausend Kilometer breit gewesen sein. Jetzt rätseln Wissenschaftler, was sie verursacht hat.

Brian Coen war fischen in der Bucht von Barnegat in New Jersey. Gegen halb vier Uhr nachmittags habe sich die ablaufende Tide plötzlich erheblich verstärkt, berichtet Coen dem US-Wetterdienst. Die starke Strömung habe Taucher ins offene Meer gezogen. Eilig habe er sein Boot losgebunden, damit es nicht kenterte. Zwei Minuten später hatte sich das Meer so weit zurückgezogen, dass Felsen am Grund freilagen, die sonst überflutet sind.

Dann kam die Welle: Eine zwei Meter hohe, schäumende Flut sei plötzlich auf ihn zugerollt, berichtet Brian Coen. Die Strömung habe sich dabei umgekehrt und die Taucher wieder an die Küste geschwemmt. Drei Spaziergänger seien von der Welle umgerissen, zwei von ihnen verletzt worden. Minutenlang habe sich die Flut über dem Strand ergossen. Größere Schäden wurde aber nicht bekannt.

Ungewöhnliches Gewitter

Das Ereignis hat die Küstenwache überrascht. Seebeben, die Tsunamis auslösen können, seien nicht registriert worden. Die Flut kam also gewissermaßen aus dem Nichts. "Die Suche nach der Ursache ist noch im Gange", teilt das Tsunamiwarnzentrum des US-Wetterdienstes NOAA mit.

Zwei Möglichkeiten kämen in Frage: Entweder habe eine Unterwasserlawine oder ein seltenes Wetterereignis die Welle losgetreten. Auf den Tausende Meter langen Steilkliffs am Meeresgrund im Westatlantik können große Sandmassen in die Tiefe gleiten. Oft jedoch messen Erdbebensensoren dann kleine Erschütterungen.

Wahrscheinlich handele es sich eher um einen seltenen Meteotsunami, meint die NOAA. Am 13. Juni habe eine ungewöhnlich breite Gewitterfront den Atlantik von West nach Ost gequert, ein sogenannter Derecho. Der Luftdruck habe stark geschwankt, heftige Fallböen schossen über den Ozean. Der Impuls habe den Atlantik in Wallung versetzt, glauben die NOAA-Experten - kreisförmig breiteten sich Wellen aus.

Auch im Mittelmeer

Wie genau Luftwirbel Flutwellen verursachen, ist noch nicht geklärt. Klar ist: Das Meer muss bis in große Tiefe in Schwingung geraten, um erhebliche Wassermengen mit starker Strömung an die Küsten zu spülen. Treffen vibrierende Luftmassen auf Meereswellen mit ähnlicher Geschwindigkeit, könnten sie in Resonanz geraten, meinen Forscher. Dauere der Gleichklang lange genug, könnten sich Luft und Wasser aufschaukeln, so dass eine lange Welle entsteht.

Nicht ihre Höhe, sondern ihre Länge macht Tsunamis gefährlich - Hunderte Kilometer Wellenlänge sorgt dafür, dass große Wassermassen strömen. In engen, flachen Buchten werden sie gestaucht und türmen sich. So war es kein Wunder, dass Brian Coen in der Barnegat-Bucht von den Wassermassen besonders getroffen wurde.

Die mysteriöse Atlantikwelle reiht sich demnach ein in die noch recht kurze Liste von Meteotsunamis - Forscher kennen das Phänomen erst seit einigen Jahren. Der letzte bekannte Fall ereignete sich vor zwei Jahren in England. Auch aus dem Mittelmeer, etwa aus Menorca, Kroatien und von der Adria wurden Meteotsunamis gemeldet. Das Phänomen ist weltweit verbreitet: Neuseeland, Japan, China und Finnland interpretieren manche Fluten mittlerweile als Meteotsunamis.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unwucht
seltenwichtig 02.07.2013
Zitat von sysopErst zog sich das Meer überraschend zurück, dann kam die schäumende Flut: Ein mysteriöser Tsunami hat auf mehr als tausend Kilometern Strände an der Ostküste der USA überschwemmt. Wissenschaftler rätseln über die Ursache. Flutwelle an Ostküste der USA: Meteo-Tsunami im Atlantik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/flutwelle-an-ostkueste-der-usa-meteo-tsunami-im-atlantik-a-908771.html)
Vll. ist ja in der Achse eine Unwucht und die Erde "eiert". Oder es ist unbemerkt ein Himmelskörper an uns vorbeigerauscht. Das die Erde aber Beulen in ihrem Gravitationsfeld hat, ist bekannt. Könnte die nicht Wellen formen?
2. optional
ich2010 02.07.2013
die nsa war's! da werden gerade geheime mikrowellen getestet für die klimatische kriegsführung. :-))
3. So, so,
spon_2545532 02.07.2013
da geht also ein Sturm von wWest nach Ost über den Atlantik, und die Welle trifft Amerika auf der Ostseite. Ein Tsunami im Rückwärtsgang? Sollte doch eher die Welle bei Europa auflaufen ...
4. So, so,
spon_2545532 02.07.2013
da geht also ein Sturm von wWest nach Ost über den Atlantik, und die Welle trifft Amerika auf der Ostseite. Ein Tsunami im Rückwärtsgang? Sollte doch eher die Welle bei Europa auflaufen ...
5. #3 Nein, keine Welle rückwärts...
raumzeit3000 02.07.2013
Wellen breiten sich kreisförmig aus. Think about it!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Meeresforschung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 57 Kommentare
Buchtipp

Fotostrecke
Meteotsunamis: Fluten aus dem Nichts