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Folge der Globalisierung: Exotische Spinnen erobern Europa

Der weltweite Handel hat auch Dutzende neue Spinnenarten nach Europa gebracht. Die eingeschleppten Tiere sind größer als einheimische Vertreter. Schweizer Forscher fürchten, dass sich eines Tages auch Giftspinnen in Europa ansiedeln könnten.

Bern - In den vergangenen 150 Jahren wurden 87 Spinnenarten unbeabsichtigt nach Europa eingeführt, berichten Wissenschaftler der Universität Bern. Diese seien im Schnitt größer als die einheimischen Arten, weil große Spinnen während des Transports stressresistenter seien und bessere Chancen hätten, in einem neuen Gebiet lebensfähige Populationen zu entwickeln.

Speispinne (Scytodes thoracica): Die Art aus den Tropen ist in Gebäuden überall in Europa zu finden
Uni Bern / Jørgen Lissner

Speispinne (Scytodes thoracica): Die Art aus den Tropen ist in Gebäuden überall in Europa zu finden

Die Zahl der eingeschleppten Spinnen ist im untersuchten Zeitraum linear angestiegen, schreiben die Wissenschaftler um Wolfgang Nentwig in der der Fachzeitschrift "Diversity and Distributions". Da Spinnen vor allem mit Industriewaren eingeführt werden, sehen die Forscher einen Zusammenhang mit dem zunehmenden globalen Handel.

Je mehr und je schneller Handelswege eine Region mit Europa verbinden, umso mehr fremde Arten überleben in den Frachtcontainern und siedeln sich hier an. Dies erkläre auch, weshalb die meisten neuen Arten aus Asien stammten, schreiben die Forscher. Zudem seien die klimatischen Bedingungen in Europa und Zentralasien ähnlich.

Nentwig und seine Kollegen glauben, dass der Klimawandel in Europa bald auch für subtropische Spinnen besser geeignete Lebensräume schaffen könnte. "Für die nahe Zukunft prognostizieren wir die Ansiedlung von mindestens einer fremden Spinnenart pro Jahr in Europa", erklärte Nentwig. Darunter könnten auch vermehrt giftige Arten zu finden sein. Für den Menschen sei das insofern gefährlich, als fast drei Viertel der eingeschleppten Spinnen in urbanen Gebieten und in Gebäuden lebten. Die Einflüsse, die der neue Artenreichtum auf Ökosysteme hat, sind nach Angaben der Forscher noch weitgehend unbekannt.

hda/AP

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