Von Axel Bojanowski
Das Beben startete 129 Kilometer vor der japanischen Stadt Sendai, dort riss das Gestein 32 Kilometer tief im Meeresboden: Der Meeresgrund brach fast so rasant wie eine sich öffnende Gletscherspalte. Dreieinhalb Minuten lang raste der Bruch durch das Gestein.
Schließlich klaffte der Riss auf 400 Kilometern Länge bis zur Oberfläche des Meeresbodens und bis in 60 Kilometer Tiefe. Ein Teil der Spannung zwischen den beiden Gesteinsplatten hatte sich gelöst.
Die größte Erschütterung aber stand noch bevor: Die oben liegende Platte ruckte um 27 Meter nach vorn - also nach Osten - und um sieben Meter nach oben. Die Bewegungen des Gesteins haben Forscher um Stephan Sobolev vom Geoforschungszentrum Potsdam aus den Aufzeichnungen von Erdbebenstationen weltweit ermittelt: Der zeitliche Abstand, in dem verschiedene Arten von Erschütterungswellen eintreffen, gibt Aufschluss über den Ablauf eines Bebens.
Es war eine der heftigsten Plattenbewegungen, die je gemessen wurde. Das Beben hatte nach Angaben des Geologischen Dienstes der USA die Stärke 9,0. Der Schlag setzte so viel Energie frei wie der Einschlag eines mehrere hundert Meter großen Meteoriten. Noch im 376 Kilometer vom Bebenherd entfernten Tokio stürzten Gebäude ein; vielfach bröckelte das Mauerwerk.
Selbst in der Antarktis wirkten sich die Erschütterungen aus: Gletscher seien beschleunigt talwärts gerutscht, berichtet der Glaziologe Jake Walter von der University of California in Santa Cruz, USA, in der Wissenschaftszeitschrift "New Scientist". Er beruft sich auf die Daten von GPS-Geräten, die auf den Gletschern stehen. Das Emporschnellen der Kontinentalplatte setzte das Wasser in Wallung - ungewöhnlich große Tsunamis wogten hoch.
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