Auf van Goghs Spuren: Forscher entdecken genetische Vielfalt in Öl

Manche Sonnenblumen tragen strahlenförmige Blüten, andere haben eine buschige Form. Als Ursache haben Biologen jetzt einen Gendefekt dingfest gemacht - inspiriert hat sie ein berühmtes Gemälde von Vincent van Gogh.

Van Goghs Bild "Fünfzehn Sonnenblumen" (1888): "Identifizierte Mutation" Zur Großansicht
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Van Goghs Bild "Fünfzehn Sonnenblumen" (1888): "Identifizierte Mutation"

Hamburg - Im August 1888 malte Vincent van Gogh eines seiner berühmtesten Bilder: "Fünfzehn Sonnenblumen". 1987 wurde es für 25 Millionen englische Pfund bei Christie's in London an eine japanische Versicherungsgesellschaft versteigert. Nun haben sich auch Biologen dem Gemälde gewidmet, denn es zeigt sowohl die übliche strahlenförmig blühende Form der Pflanze als auch die seltenen buschigen Exemplare.

Inspiriert durch die Kunst konnte das Forscherteam aus den USA mehr als ein Jahrhundert nach van Gogh die genetische Ursache dieser Sonnenblumenvariante entschlüsseln. Wie ein Team von Pflanzenbiologen der US-University of Georgia in Athens in der Online-Fachzeitschrift "PLoS Genetics" schreibt, war bei den Blumen, die van Gogh Modell gestanden haben, offenbar ein Genschalter verändert.

Gewöhnlich tragen Sonnenblumen außen am Blütenstand einen Kranz großer, meist gelber Zungenblüten. Der innere Blütenkorb enthält dagegen Hunderte unscheinbare Röhrenblüten, aus denen nach der Befruchtung die Samen entstehen. In verschiedenen Sonnenblumen-Bildern van Goghs tauchen jedoch auch Pflanzen auf, die außen mehrere Reihen Zungenblüten und innen nur vergleichsweise wenige Röhrenblüten tragen.

Mutation bei Blumenfreunden beliebt

Um die Ursache dieses Phänomens zu klären, kreuzten die Biologen um Studienleiter John Burke verschiedene Sonnenblumenvarianten miteinander. Dabei fanden sie heraus, dass die von van Gogh gemalte Mutation nur auf einem einzelnen Gen beruht: Die Sequenzierung der Erbanlage "HaCYC2c" enthüllte, dass darin ein Genschalter gestört ist. Dieser sorgt bei Sonnenblumen gewöhnlich dafür, dass nur ein Kranz von Zungenblüten den inneren Blütenkorb umgibt. Bei den mutierten Pflanzen entstehen diese Blüten jedoch auch an vielen Stellen, wo sonst Röhrenblüten wachsen würden.

Erbgut-Analysen von Hunderten verschiedener Sonnenblumentypen bestätigten das Resultat: Die Genveränderung trat immer bei dieser auffälligen Variante auf, aber nie bei normal aussehenden Sonnenblumen. "Alle diese Belege sagen uns, dass die von uns identifizierte Mutation die gleiche ist, die van Gogh im 19. Jahrhundert festhielt", sagt Burke. Neben der kunsthistorischen Bedeutung könnte die Ursache der Mutation auch von wirtschaftlichem Interesse sein: Denn Sonnenblumen mit mehreren Reihen Zungenblüten sind bei vielen Blumenfreunden beliebt.

nik/dpa

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  • Freitag, 30.03.2012 – 12:01 Uhr
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Das Erbgut
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene sogenannte Nukleinsäuren: A, C, T und G.
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