Studie Klimaziele sind angeblich nicht erreichbar

Das Pariser Klimaabkommen setzte einen Grenzwert von zwei Grad Celsius, um einen katastrophalen Klimawandel zu vermeiden. Das, behauptet eine aktuelle Studie, sei aber nicht mehr zu erreichen.

Dürre in Norddeutschland, 2018: Veränderung der Klimazonen bedroht Ernteerträge
DPA

Dürre in Norddeutschland, 2018: Veränderung der Klimazonen bedroht Ernteerträge


Ist es bereits zu spät? Im Dezember 2015 verpflichteten sich 196 Staaten mit Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris zu dem Versuch, mit geeigneten Maßnahmen gemeinsam die weitere Erwärmung des Weltklimas zu bekämpfen. Insgesamt, so das Abkommen, wolle man die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten steigen lassen.

Doch dieses "2-Grad-Ziel" des Pariser Abkommens, behauptet eine aktuelle Studie des norwegischen Technik-Konzerns DNV GL, sei trotz einer weltweiten Energiewende nicht mehr zu erreichen.

Den Berechnungen der Norweger zufolge wird der Energieverbrauch im Jahr 2035 zwar seinen Höhepunkt erreichen und dann nicht weiter steigen. Dennoch würden bis zum Ende dieses Jahrhunderts rund 770 Gigatonnen CO2 mehr in die Atomsphäre abgegeben, als zulässig wären, um den globalen Temperaturanstieg auf 2,0 Grad Celsius zu begrenzen. Die Autoren der Studie erwarten deshalb einen Anstieg um 2,6 Grad bis zum Jahr 2100 - allen derzeit geplanten Bemühungen zum Trotz.

Und das sind durchaus nicht wenige: Bis zum Jahr 2050 werde die Hälfte der Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind sowie Kernenergie stammen, heißt es in der Studie, die in Hamburg vorgestellt wurde. Die andere Hälfte wird von den fossilen Energieträgern Gas, Öl und Kohle kommen. Heute sind es hier mehr als 80 Prozent.

Grenzüberschreitung = Apokalypse now?

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Zwei-Grad-Schwelle oft so etwas wie die Grenze zwischen Rettung und Katastrophe. Viele Klimaforscher wenden sich seit langem gegen diese Wahrnehmung - aus unterschiedlichen Gründen.

So gibt es auch im Bereich eines Temperaturanstiegs unterhalb von zwei Grad schon etliche messbare, teils katastrophale Klimaeffekte: Die gesetzte Grenze ist letztlich willkürlich - weit besser wäre gar keine Erwärmung gewesen. Viele Klimaforscher halten schon die zwei Grad für viel zu viel, um einen potenziell katastrophalen Klimawandel aufzuhalten.

Andere Wissenschaftler glauben, dass wir auch mit Temperaturanstiegen über zwei Grad Celsius hinaus fertig werden. Neben Maßnahmen, die Emissionen von Klimagasen eindämmen sollen, setzen Optimisten auch auf technologische Möglichkeiten, diese Gase der Atmosphäre wieder zu entziehen oder sogar ganz gewollt in das Klima einzugreifen und dieses gesteuert zum Besseren hin zu verändern: Ansätze, die Kritiker wiederum für hoch riskant oder unmöglich halten.

Konsens herrscht allerdings darüber, dass sich die verursachten Probleme mit weiter steigenden Temperaturen verschärfen - je wärmer, desto heftiger.

Die Studie wurde im Auftrag eines Unternehmens erstellt, dessen Interessen am Klimawandel auch kommerziell motiviert sind: Das Unternehmen DNV GL ist ein technischer Prüf- und Beratungskonzern mit Hauptsitz in Oslo. Er beschäftigt mehr als 12.700 Mitarbeiter, die weltweit Industrieanlagen, Kraftwerke, Schiffe und andere technische Objekte prüfen und analysieren sowie im Energiebereich beraten.

dpa/pat

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