Treibhausgas Forscher entdecken riesige Lücke in Chinas CO2-Bilanz

Experten sprechen von einer Milliarden-Tonnen-Diskrepanz: China stößt offenbar 20 Prozent mehr Kohlendioxid aus als vermutet - das ergab der Vergleich von Statistiken. Das Land lässt demnach selbst die USA beim Treibhausgasausstoß weit hinter sich.

Kohlekraftwerk in Changchun: Differenz von 1,4 Milliarden Tonnen CO2
AP

Kohlekraftwerk in Changchun: Differenz von 1,4 Milliarden Tonnen CO2


London - China produziert schon seit Jahren mehr Kohlendioxid aus als jedes andere Land der Welt. Daran zweifelt niemand mehr. Unklarheiten gibt es jedoch über die genaue Menge des Treibhausgases, die aus China stammt. Ein internationales Forscherteam kommt nun zu dem Schluss, dass die Emissionen des Landes 20 Prozent höher sein könnten als bislang angenommen.

Die Forscher aus China, den USA und Großbritannien hatten die offiziellen statistischen Angaben der chinesischen Behörden zu den einzelnen Provinzen und dem gesamten Land ausgewertet. Im Journal "Nature Climate Change" berichtet das Team um Zhu Liu von der chinesischen Akademie der Wissenschaften nun von großen Unterschieden in den Angaben. Mit Blick darauf sprechen die Forscher von einer "Milliarden-Tonnen-Lücke" in den chinesischen Statistiken.

Das nationale chinesische Büro für Statistik veröffentlicht zentral die Energiedaten auf Ebene der Provinzen und des ganzen Landes. Daraus lässt sich eine CO2-Menge kalkulieren, die in beiden Fällen gleich große sein sollte - die Nation müsste insgesamt ja so viel Treibhausgas freisetzen wie ihre Regionen zusammengenommen.

Steigerung um 7,5 oder 8,5 Prozent?

Doch allein im Jahr 2010 klafft zwischen diesen beiden Angaben eine Lücke von 1,4 Milliarden Tonnen CO2, schreiben die Wissenschaftler. Diese Menge ist bei weitem keine Kleinigkeit: Sie entspricht etwa fünf Prozent des jährlich insgesamt weltweit ausgestoßenen Kohlendioxids - oder den Emissionen von Japan, das Rang fünf unter den größten Treibhausgas-Verursachern einnimmt.

Diese Lücke geht vor allem auf unterschiedliche Angaben zum Kohleverbrauch in den Provinzen und des Landes insgesamt zurück, schreiben die Wissenschaftler. Zudem weisen sie darauf hin, dass die Statistikbehörden nicht politisch unabhängig sind, sondern von anderen staatlichen Einrichtungen unter Druck gesetzt werden - damit die Angaben politischen Zwecken entsprechen.

Laut offizieller chinesischer Statistik ist der CO2-Ausstoß von 1997 bis 2010 jährlich um durchschnittlich 7,5 Prozent gestiegen und erreichte so den Wert von 7,69 Milliarden Tonnen. Rechnet man mit den Zahlen der Provinzen und addiert diese zusammen, kommt man im selben Zeitraum auf ein Wachstum von 8,5 Prozent und den Wert von 9,08 Milliarden Tonnen CO2. Zum Vergleich: Die Emissionen der USA lagen 2010 bei 6,87 Milliarden Tonnen.

Die Folgen dieser falschen Statistiken sind weitreichend, schreiben die Forscher. Unter anderem seien daher die Annahmen zum weltweiten CO2-Ausstoß unsicher, was das Verständnis des Klimasystems erschwere. Damit seien Vorhersagen und Analysen zum Treibhauseffekt schwierig.

hda/dpa

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Soyb 11.06.2012
1. Mathe
Zitat von sysopAPForscher sprechen von einer Milliarden-Tonnen-Lücke: China stößt offenbar 20 Prozent mehr Kohlendioxid aus als vermutet - das ergab der Vergleich von Statistiken. Das Land lässt demnach selbst die USA beim Treibhausgas-Ausstoß weit hinter sich. Die Folgen für das Klima könnten gravierend sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,838183,00.html
In China wohnen auch 4 mal mehr Menschen als in den USA! Die eigentlichen gravierenden Probleme für das Klima kommen aus den USA. Wenn die USA einen Pro-Kopf CO2 Ausstoß wie in China hätten (auch ohne geschönte Bilanz), wäre der Erde ein großes Stück geholfen!
casparman 11.06.2012
2. Leider ...
Zitat von SoybIn China wohnen auch 4 mal mehr Menschen als in den USA! Die eigentlichen gravierenden Probleme für das Klima kommen aus den USA. Wenn die USA einen Pro-Kopf CO2 Ausstoß wie in China hätten (auch ohne geschönte Bilanz), wäre der Erde ein großes Stück geholfen!
... nur zum Teil richtig. Warum glauben Sie steht Deutschland in der CO2 Bilanz so gut da? Genau, weil wir unser produzierendes Gewerbe nach China abgeschoben haben. Genau wie die meisten anderen Europaer. Eigentlich ist nicht China der Sünder, sondern Europa, aber politisch ist das nicht zukunftstauglich und so ist es wie mit Allem, zuerst schön verschleiern und sich dann als Saubermann präsentieren ...
daskänguru 11.06.2012
3.
Zitat von sysopAPForscher sprechen von einer Milliarden-Tonnen-Lücke: China stößt offenbar 20 Prozent mehr Kohlendioxid aus als vermutet - das ergab der Vergleich von Statistiken. Das Land lässt demnach selbst die USA beim Treibhausgas-Ausstoß weit hinter sich. Die Folgen für das Klima könnten gravierend sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,838183,00.html
Oha Vorhersagen sind also schwierig echt jetzt glaub ich nicht. Mal nur so nebenbei die angeblich vermutete Lücke ist fast doppelt so groß wie der Jahresausstoß von Deutschland, und die Einsparung von 200 Millionen Tonnen von 1990 zu jetzt kostet uns Mrd €. Und die Chinesen liegen noch weit unter unserem pro Kopf Verbrauch. Was sollte das denn theoretisch kosten wenn die gleichen Weg wie wir gehen würden.
Jurx 11.06.2012
4. Am Ende der Bilanz zählt, was hinten übrig bleibt
Für Vorhersagen des Treibhauseffektes ist ja nicht das relevant, was ausgestossen wird, sondern was am Ende übrig bleibt, wenn man von der ausgestoßenen Menge die Menge abzieht, die die Natur verarbeitet und beseitigt, z.B. die Pflanzen durch Photosynthese. Relevant ist das, was darüber hinausgeht, und das ergibt sich nicht aus Statistiken, sondern aus der Messung des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre. Und das kann man recht genau messen, ohne sich auf irgendwelchen Statistiken verlassen zu müssen. Die Pflanzen und das Planktion dlieser Welt liefern sowieso niemandem Statistiken darüber, wieviel CO2 sie verbrauchen, die Messung des CO2-Gehalts der Luft ergibt, was die Menschheit in der Gesamtbilanz zu viel ausstößt.
Delago 11.06.2012
5. Das ist nicht ganz richtig
Zitat von JurxFür Vorhersagen des Treibhauseffektes ist ja nicht das relevant, was ausgestossen wird, sondern was am Ende übrig bleibt, wenn man von der ausgestoßenen Menge die Menge abzieht, die die Natur verarbeitet und beseitigt, z.B. die Pflanzen durch Photosynthese. Relevant ist das, was darüber hinausgeht, und das ergibt sich nicht aus Statistiken, sondern aus der Messung des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre. Und das kann man recht genau messen, ohne sich auf irgendwelchen Statistiken verlassen zu müssen. Die Pflanzen und das Planktion dlieser Welt liefern sowieso niemandem Statistiken darüber, wieviel CO2 sie verbrauchen, die Messung des CO2-Gehalts der Luft ergibt, was die Menschheit in der Gesamtbilanz zu viel ausstößt.
Voraussetzung für diese "Rechnung" ist aber die Annahme, dass es ein stabiles Gleichgewicht in der Natur gibt, der CO2-Gehalt an sich konstant ist und nur durch menschliche Einflüsse steigt. Diese Konstanz der natürlichen CO2-Luft-Konzentration ist aber kaum anzunehmen, da die in den Meeren speicherbare CO2-Menge stark von deren Temperatur abhängt. Steigt die Temperatur, so erhöht sich als Folge der CO2-Gehalt in der Luft. Es gibt eine Reihe peer-review-geprüfte wissenschaftliche Publikationen, die aussagen, dass in der Vergangenheit die CO2-Luft-Konzentration dem Temperaturverlauf FOLGTE. Die IPCC-Klimamodelle mit Horrorszenarien (bis zu 6°C oder gar 8°C Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100) sind Modelle, die wenig Bezug zur Realität besitzen und stellen keine wissenschaftlich haltbare Prognosen dar. Sie dienen m.E. eher dazu, die Leute zu erschrecken, um ihnen anschließend das Geld aus der Tasche zu ziehen.
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