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Knochensplitter

Knochensplitter-Blog Die Farbenpracht der Urzeit

Farben der Urzeit: Oben dunkel, unten hell Fotos
Stefan Sølberg

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Farben urweltlicher Tier- und Pflanzenarten beruhten bisher auf Vermutungen. Jetzt erleuchten Forscher die Frühzeit: Nach Federn ist es nun auch bei fossiler Haut gelungen, deren Pigmentierung zu entschlüsseln.

Überall im Tierreich, leiten Johan Lindgren, Peter Sjövall und ihre Mitautoren ihren "Nature"-Artikel über die Hautpigmentierung mariner fossiler Tiere ein, habe die Kolorierung wichtige Funktionen. Diese reiche von der Tarnung bis zur prunkvollen, lockenden Balzhilfe (DOI: 10.1038/nature12899). Durch die Färbung eines Tieres erfahre man viel über seine Umwelt und sein Verhalten.

Was wie eine Binsenweisheit klingt, ist ein Dauerproblem der Paläontologie. Zeugnisse vergangenen Lebens erreichen uns fast ausnahmslos in Schwarzweiß. Nur unter ganz optimalen Bedingungen wie bei den berühmten Käfern aus der Grube Messel wird einmal die originale Farbe eines Tieres konserviert.

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Messels Käfer: Fossilien mit Farbe
Von Wirbeltieren finden sich in der Regel nur die Knochen. Und selbst wenn einmal Hautfragmente erhalten sind, wird deren Färbung hauptsächlich von den Mineralien bestimmt, in denen das Tier einst fossilisierte.

Wir wissen also nicht wirklich, wie bunt prähistorische Zeiten waren. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte man eher düstere Vorstellungen. Heute malen viele Illustratoren dagegen ein oft schon frivol-buntes Bild der Urzeiten: Mit Flugechsen in bizarren Farben, wild gemusterten und oft bunt gefiederten Sauriern.

Da trifft viel Phantasie auf die begründete Vermutung. Klar scheint, dass die Federn, Kragen oder "Hahnenkämme" vieler Saurier, die keinen offenkundigen Zweck erfüllten, wohl kaum in Tarnfarben daherkamen - das ergäbe keinen Sinn. Wo sich Tiere in der Natur Schmuck erlauben, da sieht dieser oft auch auffällig aus. Denn das ist sein Zweck. Sich Kämme, Prunkfedern und Schilde in "lauten" Farben vorzustellen, ist also nur logisch.

Anders sieht das bei Körperfärbungen aus. Ein Tier, das aus der Deckung eines pflanzlichen Dickichts heraus lauernd jagt, wird eine Färbung haben, die es unauffällig macht. Raptoren mit "Tigerstreifen" kann man sich also durchaus vorstellen. Im Umkehrschluss ließe sich manch alte Debatte über die Einordnung einer Spezies in eine bestimmte ökologische Nische beenden, wenn man wüsste, wie das Tier wirklich aussah.

Aber lassen sich die Farben von Fossilien wirklich rekonstruieren?

Bisher ist das nur mit fossilen Federn gelungen, und auch das nur in Grenzen. Lindgren, Sjövall und Co. nutzten nun bei Federn erprobte Methoden, um auch fossile Hautabdrücke zu untersuchen. Und tatsächlich: Auch dort lassen sich auf molekularer Ebene Spuren von Melaninen und Metallen feststellen - Bestandteile von Pigmenten. Auch die Formen und Größen der Strukturen, die diese Stoffe enthalten, korrespondieren mit bestimmten Farben.

Die Paläo-Trikolore: Schwarz, Braun, Grau

Auf diese Weise konnten Forscher in den vergangenen Jahren schon die Federzeichnungen verschiedener Urvögel und gefiederter Saurier nachvollziehen. Nachweisen konnten sie beispielsweise Streifenmuster oder Farbgegensätze zwischen Kopf und Körper. Bunter hat das unser Bild der Urzeit aber nicht gemacht.

Microraptor, der berühmte "Vierflügler", entpuppte sich zur Enttäuschung seiner Fans als Rabenschwarz - womöglich so sehr, dass sein Gefieder im Licht zumindest bläulich schimmerte. Der 36 Millionen Jahre alte Ur-Pinguin Inkayacu paracacensis hatte immerhin ein zweiteilig rotbraun-graues Gefieder zu bieten. Aber Grau, Schwarz und Braun sind auch die Farben, die man bisher vor allem dingfest machen konnte.

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Microraptor: Schillernder Kreidezeit-Star
Das gilt auch für die aktuelle Studie, die fossile Haut eines ausgestorbenen Ichthyosauriers, eines Mosasauriers und einer Schildkrötenart analysierte und verglich. Auch hier kommt das Ergebnis einer Antiklimax gleich: Alle drei waren satt dunkel gefärbt - dunkelbraun bis nahezu schwarz.

Für reptilische Lebewesen, die im offenen Wasser lebten, erfüllte das wohl einen wichtigen Zweck. Die dunkle Farbe dürfte ihnen geholfen haben, ihre Körpertemperatur auch in kälterem Wasser hochzuhalten: Schwarz ist Spitze, wenn man Sonne tanken will. Dunkle Rücken- und hellere Bauchpartien wirken im Wasser zudem als Tarnung gegen Fressfeinde von oben und unten.

Waren die Urzeiten also doch bevölkert von eher düster gefärbten Tieren?

Wir wissen nicht, ob das generell so war. Für die bisher untersuchten Urvögel und im Wasser lebenden Tiere erfüllte die dunkle Färbung ihren Zweck. Bei Hadrosauriern fand man zumindest schon Indizien dafür, dass ihre Haut mehrfarbig war. Das Hauptproblem bleibt, dass fossilisierte Haut so unfassbar selten ist - und noch seltener ist sie soweit erhalten, dass sich ihre Farbe mit heutigen Methoden rekonstruieren lässt.

Auf der anderen Seite haben wir in den letzten fünf Jahren mehr über die Farbe urzeitlicher Tiere erfahren als in den 200 Jahren davor. Mit Glück und Fortschritt erfahren wir vielleicht in den nächsten fünf Jahren, welche Tiere nicht schwarz, braun oder grau waren.

1 Leserkommentar Diskutieren Sie mit!
geofurbo 13.01.2014

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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
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