Meer vor Fukushima: Hohe Radioaktivität, geringe Gefahr
Forscher geben vorsichtig Entwarnung: Die radioaktive Belastung im Meer vor Fukushima sei wahrscheinlich kaum schädlich für Meereslebewesen - auch der Verzehr der Tiere sei ungefährlich. Dennoch können sie langfristige Risiken nicht ausschließen.
Die radioaktive Belastung des Meeres vor der Ostküste Japans ist laut einer neuen Studie wahrscheinlich nicht so gefährlich wie befürchtet. Zwar seien drei Monate nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi vom März 2011 bis zu tausendfach höhere Werte von radioaktivem Cäsium vor Japan festgestellt worden als zuvor. Die Strahlenrisiken lägen insgesamt jedoch "unterhalb dessen, was allgemein als schädlich für Meerestiere und Menschen angesehen wird", schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Den Forschern zufolge beeinflussen natürliche radioaktive Elemente wie bestimmte Polonium- und Kalium-Sorten die Meerestiere in der Region stärker als das nun hinzugekommene Cäsium. Sie warnen allerdings, dass sich radioaktive Substanzen am Meeresboden sammeln könnten und daher möglicherweise auf lange Sicht ein Problem für Meereslebewesen in der Region darstellen.
"Die radioaktive Belastung von Fischen, die wir untersucht haben, würde beim Verzehr kein Risiko für Menschen darstellen", sagte der an der Studie beteiligte Forscher Nicholas Fisher von State University, New York. Das bedeute aber nicht, dass dies für alle Meereslebewesen in der Region gelte, schränkte er ein. Und dichter an der Küste und an der Atomruine könnte es Zonen geben, in denen die radioaktive Belastung besonders hoch sei.
Radioaktives Cäsium in bis zu 600 Kilometern Entfernung
Der US-Forscher Ken Buesseler von der Woods Hole Oceanographic Institution hatte zusammen mit japanischen und amerikanischen Kollegen radioaktive Elemente aus Fukushima im Meereswasser, in Zooplankton und in Fischen analysiert. Dazu hatten die Wissenschaftler im Juni 2011 Proben aus dem Meer und seiner Tierwelt genommen. In einer Entfernung von 30 bis 600 Kilometern vor der Küste sei dabei radioaktives Cäsium 134 und 137 gemessen worden. Beide Isotope kommen natürlicherweise nicht im Meer vor, eine gewisse Menge Cäsium 137 befindet sich allerdings seit Atomwaffentests in den fünfziger Jahren im Meer.
Die höchste Konzentration der radioaktiven Cäsium-Isotope hatten die Forscher nahe der Küste, ein gutes Stück südlich von Fukushima festgestellt. Die gemessenen Mengen variierten stark von Messpunkt zu Messpunkt. Die sogenannte Kuroshio-Strömung fungierte als südliche Grenze beim Transport der Stoffe.
Ein Teil der radioaktiven Atome ist nach Angaben der Forscher über die Luft ins Meer gelangt, ein weiterer mit dem Kühlwasser der beschädigten Reaktoren. Nachdem sie ins Meer gelangt seien, hätten sich die die Stoffe schnell über ein großes Gebiet verteilt und seien auch in tiefere Meeresschichten gelangt.
Im Ausnahmezustand: Erdbeben, Tsunami, Fukushima - ein Jahr nach der Dreifach-Katastrophe berichtet SPIEGEL ONLINE in einer Serie aus der Unglücksregion.
wbr/dpa
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