Meer vor Fukushima: Hohe Radioaktivität, geringe Gefahr

Forscher geben vorsichtig Entwarnung: Die radioaktive Belastung im Meer vor Fukushima sei wahrscheinlich kaum schädlich für Meereslebewesen - auch der Verzehr der Tiere sei ungefährlich. Dennoch können sie langfristige Risiken nicht ausschließen.

Fukushima Daiichi (Juni 2011): Große Mengen Radioaktivität freigesetzt Zur Großansicht
DPA/TEPCO

Fukushima Daiichi (Juni 2011): Große Mengen Radioaktivität freigesetzt

Die radioaktive Belastung des Meeres vor der Ostküste Japans ist laut einer neuen Studie wahrscheinlich nicht so gefährlich wie befürchtet. Zwar seien drei Monate nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi vom März 2011 bis zu tausendfach höhere Werte von radioaktivem Cäsium vor Japan festgestellt worden als zuvor. Die Strahlenrisiken lägen insgesamt jedoch "unterhalb dessen, was allgemein als schädlich für Meerestiere und Menschen angesehen wird", schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Den Forschern zufolge beeinflussen natürliche radioaktive Elemente wie bestimmte Polonium- und Kalium-Sorten die Meerestiere in der Region stärker als das nun hinzugekommene Cäsium. Sie warnen allerdings, dass sich radioaktive Substanzen am Meeresboden sammeln könnten und daher möglicherweise auf lange Sicht ein Problem für Meereslebewesen in der Region darstellen.

"Die radioaktive Belastung von Fischen, die wir untersucht haben, würde beim Verzehr kein Risiko für Menschen darstellen", sagte der an der Studie beteiligte Forscher Nicholas Fisher von State University, New York. Das bedeute aber nicht, dass dies für alle Meereslebewesen in der Region gelte, schränkte er ein. Und dichter an der Küste und an der Atomruine könnte es Zonen geben, in denen die radioaktive Belastung besonders hoch sei.

Radioaktives Cäsium in bis zu 600 Kilometern Entfernung

Der US-Forscher Ken Buesseler von der Woods Hole Oceanographic Institution hatte zusammen mit japanischen und amerikanischen Kollegen radioaktive Elemente aus Fukushima im Meereswasser, in Zooplankton und in Fischen analysiert. Dazu hatten die Wissenschaftler im Juni 2011 Proben aus dem Meer und seiner Tierwelt genommen. In einer Entfernung von 30 bis 600 Kilometern vor der Küste sei dabei radioaktives Cäsium 134 und 137 gemessen worden. Beide Isotope kommen natürlicherweise nicht im Meer vor, eine gewisse Menge Cäsium 137 befindet sich allerdings seit Atomwaffentests in den fünfziger Jahren im Meer.

Die höchste Konzentration der radioaktiven Cäsium-Isotope hatten die Forscher nahe der Küste, ein gutes Stück südlich von Fukushima festgestellt. Die gemessenen Mengen variierten stark von Messpunkt zu Messpunkt. Die sogenannte Kuroshio-Strömung fungierte als südliche Grenze beim Transport der Stoffe.

Ein Teil der radioaktiven Atome ist nach Angaben der Forscher über die Luft ins Meer gelangt, ein weiterer mit dem Kühlwasser der beschädigten Reaktoren. Nachdem sie ins Meer gelangt seien, hätten sich die die Stoffe schnell über ein großes Gebiet verteilt und seien auch in tiefere Meeresschichten gelangt.

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wbr/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Ein probates Gegenmittel zu diesem Unsinn
coolcalmcollected 03.04.2012
Zitat von sysopForscher geben vorsichtig Entwarnung: Die radioaktive Belastung im Meer vor Fukushima sei wahrscheinlich kaum schädlich für Meereslebewesen - auch der Verzehr der Tiere sei ungefährlich.
Ist auf Youtube einmal nach dem Lied Radioaktivität der Band Kraftwerk zu suchen. Das ist nicht nur Kunst, sondern auch ein politisches Statement. KRAFTWERK - RADIOACTIVITY Live in Japan - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=GkGOdfwQiXc) So wie der Auftritt von Blondie in der US-Sendung Midnight Special, als Deborah Harry das Lied Heart Of Glass nutzte, um ein paar Worte über das nukleare Wettrüsten ihres Landes zu äußern. Auch sehr gelungen (ab 1:50 min). Blondie "Heart of Glass" The Midnight Special (HD Live 1979) - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=0-HgR88vofc)
2. Endlich mal was Positives.....
sikasuu 03.04.2012
Zitat von sysopForscher geben vorsichtig Entwarnung: Die radioaktive Belastung im Meer vor Fukushima sei wahrscheinlich kaum schädlich für Meereslebewesen - auch der Verzehr der Tiere sei ungefährlich. Dennoch können sie langfristige Gefahren nicht ausschließen. Meer vor Fukushima: Viel Radioaktivität, aber dennoch wenig Gefahr - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,825309,00.html)
...und auch ein guter Ansatz für die zukünftige Entsorgung (in Japan und auch hier). Die Reste feinmahlen und gut verteilen. Dann werden sie ungefährlich. Man solte solchen "Schönfärbern" zu DANK einen Brennstab zur Aufbewahrung verehren. Brummende Gruesse Sikasuu
3. Die inkorporierte Aktivität macht die Dosis
Kalle79 03.04.2012
Zitat von sikasuu...und auch ein guter Ansatz für die zukünftige Entsorgung (in Japan und auch hier). Die Reste feinmahlen und gut verteilen. Dann werden sie ungefährlich. Man solte solchen "Schönfärbern" zu DANK einen Brennstab zur Aufbewahrung verehren. Brummende Gruesse Sikasuu
Da hat ja die Bildung in Person zugeschlagen! Übrigens, wenn sie eine bestimmte Menge an gelöster Aktivitäts immer weiter verdünnen, dann nehmen sie bei einer Inkorporation weniger Aktivität also erhalten Sie eine geringere Dosis. Somit ist ihr Kommentar sogar zutreffend, wenn auch unbeabsichtigt.
4. Noch Meer Positives!
walter_e._kurtz 03.04.2012
Zitat von sikasuuEndlich mal was Positives und auch ein guter Ansatz für die zukünftige Entsorgung (in Japan und auch hier). Die Reste feinmahlen und gut verteilen. Dann werden sie ungefährlich. Man solte solchen "Schönfärbern" zu DANK einen Brennstab zur Aufbewahrung verehren. Brummende Gruesse Sikasuu
Und Promethium wird uns später des Tages erläutern, daß der Eintrag von z.B. Cäsium ins Meer die Sterblichkeitsrate von Säuglingen in Japan weiter vermindern wird - und wir in D diesem Bsp. folgen sollten! Immerhin wird er Ihren Vorschlag mit dem Brennstab zur Hauslagerung sicherlich befürworten. Ich freu´ mich schon drauf, seine sind stets die humoristisch am besten angelegten Posts im ganzen SPON-Forum!
5. vielen dank
darkangel_ger 03.04.2012
Zitat von sysopForscher geben vorsichtig Entwarnung: Die radioaktive Belastung im Meer vor Fukushima sei wahrscheinlich kaum schädlich für Meereslebewesen - auch der Verzehr der Tiere sei ungefährlich. Dennoch können sie langfristige Gefahren nicht ausschließen. Meer vor Fukushima: Hohe Radioaktivität,*geringe Gefahr - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,825309,00.html)
vielen dank für den sehr sachlichen artikel ! allerdings hätte er durch bessere platzierung mehr aufmerksamkeit verdient. vielleicht hier noch eine kurze anmerkung zu den gesundheitlichen belastungen der anwohner von kohlekraftwerken: Kohlekraftwerk (http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlekraftwerk#Schadstoffaussto.C3.9F)
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