Detaillierte Karte US-Forscher und Google vermessen die Wälder der Welt

Aktuelle Karten zeigen, wie sich die Wälder weltweit zwischen 2000 und 2012 verändert haben. US-Forscher und Google-Mitarbeiter belegen mit Hilfe von mehr als 650.000 Satellitenbildern, dass vor allem in den Tropen massenhaft ursprüngliche Natur verschwindet.

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Science/Google

Die Wälder schrumpfen. Insbesondere in den Tropen, wo zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten in Regenwäldern leben, geht der Trend in die falsche Richtung: Von Jahr zu Jahr geht mehr Wald verloren.

Von 2000 bis 2012 sind weltweit 2,3 Millionen Quadratkilometer Wald verschwunden. Dagegen ist in dieser Zeit auf lediglich 800.000 Quadratkilometern neuer Wald entstanden. In den Tropen nahm der Waldschwund zu - pro Jahr wurden im Schnitt rund 2100 Quadratkilometer mehr gerodet.

Im Fachmagazin "Science" berichten US-amerikanische Forscher, Behördenmitarbeiter sowie Angestellte von Google vom Zustand der Wälder. Sie analysierten und bearbeiteten mehr als 650.000 Satellitenaufnahmen mit Hilfe von Google Earth Engine. Die räumliche Auflösung der Karte liegt bei 30 mal 30 Metern, die Daten sind frei zugänglich.

Wichtige Erkenntnisse der Datensammlung:

  • Brasiliens Regenwaldschutz ist erfolgreich. Während in den Jahren 2003 bis 2004 rund 40.000 Quadratkilometer abholzt wurden, waren es von 2010 bis 2011 nur halb so viele.
  • In Indonesien nimmt die Rodungsrate zu. Von 2011 bis 2012 verschwanden fast 20.000 Quadratkilometer Regenwald - mehr als doppelt so viele wie zu Beginn des Beobachtungszeitraums. Trotz eines 2011 von der Regierung in Kraft gesetzten Moratoriums wurden in den Folgemonaten mehr Bäume abgeholzt als zuvor.
  • Die größeren Verluste an Waldfläche in Indonesien, Malaysia, Paraguay, Bolivien, Sambia und Angola sorgten dafür, dass trotz des positiven Trends in Brasilien jedes Jahr mehr Regenwald verlorenging als im Jahr zuvor.
  • Bei 32 Prozent der weltweit verlorenen Waldfläche handelte es sich um tropischen Regenwald.

In den Subtropen finden sich weniger ursprüngliche Wälder als in den Tropen. Bäume werden mancherorts eher wie Ackerpflanzen behandelt. Innerhalb der zwölf Jahre Beobachtungszeit wurden 31 Prozent der Waldfläche im Südosten der USA abgeholzt beziehungsweise neu angepflanzt, was die intensive Forstwirtschaft dokumentiert.

Die Wälder der gemäßigten Zone sind nur leicht zurückgegangen, auch hier finden sich viele forstwirtschaftlich genutzte Flächen. In Deutschland sind zwischen 2000 und 2012 laut der Studie 4980 Quadratkilometer Wald verschwunden, 2585 Quadratkilometer wurden in dem Zeitraum aufgeforstet.

Die nun vorgestellte Weltkarte wurde durch drei Veränderungen möglich, sagt Matthew Hansen von der University of Maryland, einer der Autoren der "Science"-Studie. Erstens habe der 1999 gestartete "Landsat 7" mit dem "Enhanced Thematic Mapper Plus" (ETM+) überhaupt die Daten global gesammelt. Zweitens seien Archive der "Landsat"-Satelliten seit 2008 kostenlos verfügbar, so dass die Forscher entsprechend viele Aufnahmen nutzen konnten, um die 128,8 Millionen Quadratkilometer abdeckende Karte zu erstellen. Und drittens könnte die Berechnung, für die ein einzelner Computer früher 15 Jahre gebraucht hätte, durch Cloud Computing innerhalb von Tagen erledigt werden.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
freiheitstehauf 14.11.2013
1. Mir würde schon genügen,
wenn Google sein Kartenmaterial auf den Stand von 2013 bringt
MaxSeelhofer 14.11.2013
2. Also mal ganz langsam und überlegend ...
“Sekundärurwald” (wächst in der Regel innerhalb weniger Jahre nach der Abholzung des Primärurwalds nach, nachdem die abgeholzte Fläche nicht mehr produktiv genutzt, d.h. „aufgegeben“ wird) weist eine höhere Biodiversität auf als “Primärurwald” (immerhin ein Trost). Im Jahr 1970 haben uns die Apologeten des täglich neu medial zu inszenierenden Weltuntergangs prophezeit (inter alia), dass per 2010 alle tropischen Regenwälder“ abgeholzt sein werden. Ist das geschehen? Nein! Zudem: „Die biologische Produktivität der Erde hat in den letzten Jahrzehnten leicht zugenommen.“ Auch ein Trost für die Apologeten des täglich neu medial zu inszenierenden Weltuntergangs. Vgl. Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 18.11.2012: „Der blaue Planet wird grüner”. http://www.staging.eos.nzz.ch/wissen/wissenschaft/der-blaue-planet-wird-gruener-1.17637140
Trondesson 14.11.2013
3.
Zitat von freiheitstehaufwenn Google sein Kartenmaterial auf den Stand von 2013 bringt
Klar, ist ja auch scheißegal, was mit den Wäldern passiert, Hauptsache Sie müssen sich nicht mit alten Google-Karten rumärgern. Da macht Google mal etwas Sinnvolles, wovon der Privatnutzer nicht unbedingt direkt profitiert (indirekt allerdings sehr, sofern der Datenauswertung auch praktische Konsequenzen folgen), und schon kommt auch wieder Geschrei.
galaxy2525 14.11.2013
4. Liebe SPON-Redaktion,
schreibt doch bitte auch einmal in den Artikel, wo denn das ganze Tropenholz landet, was daraus gemacht wird, was auf den gerodeten Flächen entsteht usw. usw. Denn da ist von Grillholzkohle für den deutschen Markt über die Anbauflächen für den Ethanol und Palmöl bis hin zum Holz für Schalbretter für Baustellen in Deutschland usw. anscheinend wirklich alles dabei. Es ist zwar toll, dass dies alles vermessen wird, aber das Handeln derjenigen, die Handeln können, fehlt. Aber anscheinend ist es nur das Ziel der "herrschenden Schicht" diesen Planeten Erde schnellstmöglichst wie die Oberfläche des Mars aussehen zu lassen.
tobiaswerner 14.11.2013
5. Die Welt- bzw. Menschheitsuntergangs-
Dafür ist dieser allmählich zunehmende Naturverlust aber nur ein Zeichen, alles in allem (also auch mit z.B. dem Müllproblem) aber schon ein gewichtiges. Gleichwohl können wir, wie man heute ja auch sehen kann, sogar auf Müllerbergen, und auch umgeben von landwirtschaftlichen Monokulturen, ja immer schon auch in Wüsten, durchaus überleben. Das allein ist alles hochbedenklich, für viele kaum bis unerträglich, hierfür dann aber nicht das Entscheidende. Das ist m.E. die Erkenntnis, dass wir all unseren Fortschritt auch mit Gewalt, mit - heute riesigen Waffenbergen, und unvorstellbar ausgetüftelten Waffensystemen -, absichern müssen: wir bedrohen uns selbst am meisten ganz direkt! Hin und wieder bricht die Gewalt offen aus, wie am 11.09. 2001 oder jetzt in Syrien und anderswo. Und das kann man, als vernunftbegabtes Wesen, dann wohl doch nicht überstehen, so kann man sich dann wohl nicht mehr fortpflanzen, was heute ja eben auch noch bewusst steuerbar ist. Selbst im zivilen Leben gibt es immer und immer wieder Kriminalität, die würde es in einem Weltstaat also auch weiterhin geben. Die demografische Krise der "fort-"geschrittendsten Länder, die auch in Form von Kriegen in andere Länder kommt, ist sicher ein klareres Zeichen für den Menschheitsuntergang - all die anderen entwickeln sich ja auch! Also: Keine falschen Schlüsse ziehen bzw. Behauptungen aufstellen, sondern alles zusammen bedenken und richtig gewichten! Tobias Werner
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