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Forscherskandal Heißer Krieg ums Klima

Bilanz des E-Mail-Skandals: Klimaforscher tappten in Lobbyisten-Falle
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Getty Images

6. Teil: Wie verdiente Reputation zu illegitimer Macht wird

Das Lagerdenken unter den Forschern wurde immer feindseliger. Sie debattierten darüber, wem vertraut werden könne, wer zum eigenen "Team" gehöre - und wer womöglich ein heimlicher Skeptiker sei. Wer zwischen die Fronten geriet, gar lagerübergreifende Kontakte pflegte, machte sich verdächtig.

Das Misstrauen beförderte eine Günstlingswirtschaft, wie die E-Mails belegen: Jones und Mann verfügten demnach über erheblichen Einfluss auf Fachmagazine. Wer die Journale kontrolliert, bestimmt, was veröffentlicht wird - und damit als wissenschaftliche Tatsache gilt.

Studien müssen vor der Veröffentlichung von anonymen Kollegen, den Gutachtern, geprüft werden. Mann - ein gefragter Gutachter - habe bei Magazinen als "Türsteher" beim Thema Paläoklimatologie fungiert, monierten Forscher hinter vorgehaltener Hand bereits seit langem. Dass renommierte Wissenschaftler bei Fachjournalen Einfluss gewinnen, ist bekannt - und riskant: "Die Gefahr, dass sich verdiente Reputation in illegitime Macht wandelt, ist das größte Risiko der Wissenschaft", erläutert Soziologe Weingart.

Absprachen bei der Begutachtung

Mann widerspricht gegenüber SPIEGEL ONLINE den Beschuldigungen, übermäßigen Einfluss ausgeübt zu haben. Allein die Fachmagazin-Redakteure wählten die Gutachter aus, nicht er. In Spezialgebieten mit einer überschaubaren Expertenzahl wie der Paläoklimatologie könnten manche Wissenschaftler aber durchaus erhebliche Macht erlangen, gibt Weingart zu bedenken - einen guten Draht zu den Herausgebern der jeweiligen Zeitschriften vorausgesetzt.

Gute Beziehungen zu Fachblättern hatte das "Hockey-Team", wie sich die Gruppe um Mann und Jones mitunter nannte, zweifellos. Untereinander sprachen sich die Kollegen bei der Begutachtung ab: "Habe zwei Studien abgelehnt von Leuten, die sagen, CRU läge falsch mit Sibirien", schrieb CRU-Chef Jones im März 2004 an Mann. Dabei ging es offenbar um Baumdaten aus Sibirien, eine Grundlage der Klimakurven. Später sollte sich herausstellen, dass Jones' CRU-Gruppe die Sibirien-Daten wohl tatsächlich falsch gedeutet hatte. Die Autoren der von Jones abgelehnten Studie vom März 2004 lagen demnach richtig.

In einem anderen Fall jedoch hatten Jones und Mann die Mehrheit der Wissenschaftler auf ihrer Seite. 2003 relativierte eine Studie im Fachblatt "Climate Research" die derzeitige Warmphase bezüglich der mittelalterlichen Wärmeperiode vor tausend Jahren. Klimaskeptiker feierten die Studie. Die meisten Experten hielten die Arbeit allerdings für methodisch mangelhaft. Doch wie hatte sie dann von den Gutachtern akzeptiert werden können?

"Das Leck wurde gestopft"

"Die Skeptiker haben das Magazin gekapert", folgerte Michael Mann in einer E-Mail am 11. März 2003. Der Einfluss der Gegner müsse gestoppt werden. Das Hockey-Team holte zu einem machtvollen Gegenschlag aus, der das "Climate Research"-Magazin schwer erschüttern sollte: Mehrere Herausgeber legten ihre Ämter nieder. Derartigen Einfluss hatten die Skeptiker nicht. Wenn sich herausstellte, dass alarmistische Klimastudien mangelhaft waren - es gab diverse Fälle -, wurden ähnliche Konsequenzen nie bekannt.

Dass der Einfluss von Mann und Jones begrenzt war, zeigte sich aber 2005, als die unerbittlichen Hockeyschläger-Kritiker Ross McKitrick und Stephen McIntyre Studien im wichtigsten geowissenschaftlichen Fachblatt "Geophysical Research Letters" (GRL) unterbringen konnten. "Es scheint, als hätten die Gegner einen Zugang zu GRL", schrieb Mann an seine Kollegen. "Wir können es uns nicht erlauben, GRL zu verlieren."

Mann entdeckte, dass ein Herausgeber einst an derselben Universität wie der gefürchtete Klimaskeptiker Patrick Michaels arbeitete - und stellte eine Verbindung her: "Ich glaube, nun wissen wir", schrieb er am 20. Januar 2005, wie diverse Skeptikerstudien "in GRL publiziert werden konnten". Sogleich wurde diskutiert, wie man den GRL-Herausgeber - es handelte sich um den Klimaforscher James Saiers - loswerden könnte. Tatsächlich gab Saiers ein Jahr später sein Amt auf, angeblich freiwillig. "Es scheint, das GRL-Leck wurde gestopft", schrieb Mann in einer E-Mail erleichtert ans Hockey-Team.

"Die interne Kommunikation aller Gruppen unterscheidet sich von der Fassade"

"Climategate" scheint die Kritik, das Wissenschaftssystem leiste immer wieder Kartellen Vorschub, zu bestätigen. Soziologe Peters warnt allerdings vor einer Überinterpretation der Affäre. Die Entstehung von Bündnissen sei in allen Wissenschaftsbereichen üblich: "Die interne Kommunikation aller Gruppen unterscheidet sich von der Fassade."

Man dürfe die Innenwelt einer Gruppe nicht mit den Maßstäben der Außenwelt messen, meint auch Weingart. Kontroversen bildeten schließlich die Basis der Wissenschaft, dabei "komme es unweigerlich zu Abschirmung und persönlichen Konflikten". Die Lagerbildung in der Klimaforschung sei allerdings in ihrem Ausmaß außergewöhnlich.

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insgesamt 501 Beiträge
MacErkopp 03.05.2010
Nachdem alternative Medien bereits vor Monaten den systematischen Klimadatenbetrug recherchiert und aufgedeckt hatten, kommen Sie heute - heute!! mit diesem Artikel um die Ecke? Unfassbar.
Nachdem alternative Medien bereits vor Monaten den systematischen Klimadatenbetrug recherchiert und aufgedeckt hatten, kommen Sie heute - heute!! mit diesem Artikel um die Ecke? Unfassbar.
gunman 03.05.2010
Die drei Ursachen des Klimawandels: 1. Es geht um Geld. 2. Es geht um sehr viel Geld. 3. Es geht um noch mehr Geld.
Zitat von sysopWie stark erwärmt sich die Erde wirklich? Klimaforscher sollen Ergebnisse dramatisiert haben - tatsächlich tappten sie eher der Industrie-Lobby in die Falle. SPIEGEL ONLINE hat alle durchgesickerten E-Mails der "Climategate"-Affäre analysiert. Protokoll einer beispiellosen Wissenschaftsfehde. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,688175,00.html
Die drei Ursachen des Klimawandels: 1. Es geht um Geld. 2. Es geht um sehr viel Geld. 3. Es geht um noch mehr Geld.
dunham 03.05.2010
In Bezug auf die Lobbyarbeit sicher im Detail interessant. In der Summe sind sich aber alle einig: die Erde erwärmt sich. Welche Folgen das hat, muss man nicht diskutieren. Man kann auch abwarten...
Zitat von sysopWie stark erwärmt sich die Erde wirklich?
In Bezug auf die Lobbyarbeit sicher im Detail interessant. In der Summe sind sich aber alle einig: die Erde erwärmt sich. Welche Folgen das hat, muss man nicht diskutieren. Man kann auch abwarten...
inselkind88 03.05.2010
Außerhalb von Deutschland wird das Thema in der Öffentlichkeit wesentlich differenzierter behandelt, sei es von Wissenschaftlern, Politikern oder Presse. Die gleichgeschaltete deutsche Kampagnenpresse wird wohl weiter alle [...]
Außerhalb von Deutschland wird das Thema in der Öffentlichkeit wesentlich differenzierter behandelt, sei es von Wissenschaftlern, Politikern oder Presse. Die gleichgeschaltete deutsche Kampagnenpresse wird wohl weiter alle anderslautenden Ergebnisse unterdrücken oder wie im vorliegenden Fall irgendwelche lächerlichen Verschwörungstheorien verhandeln. Der englische Unrersuchungsausschuss ist vergleichbar mit Leuten aus dem Umweltminiisterium a la Steiner. Sie tagten einen ganzen Tag und brachten den Freispruch von Jones gleich mit. Aber die englische Presse lässt sich nicht so vor den Karren spannen wie die deutsche. Von der taz - faz unter Einbeziehung von ZEIT; SPIEGEL etc, alles im angstmachenden deutschen medialen Stechschritt. Was die deutschen Medien der Freiheit und der journalistischen Sorgfaltspflicht mit ihrem Propagandageschwätz angetan haben, diese Folgen werden wir alle weit vor jeder Klima katastrophe noch real merken.
pulegon 03.05.2010
Gibts für solche Artikel eigentlich Boni oder sind die grade 'in' in Anbetracht, dass besagter Mann gerade verklagt wurde? Wie mein Prof in theoretischer Chemie so schön sagte: "Bei den wirklich großen Kontroversen gibt [...]
Zitat von sysopWie stark erwärmt sich die Erde wirklich? Klimaforscher sollen Ergebnisse dramatisiert haben - tatsächlich tappten sie eher der Industrie-Lobby in die Falle. SPIEGEL ONLINE hat alle durchgesickerten E-Mails der "Climategate"-Affäre analysiert. Protokoll einer beispiellosen Wissenschaftsfehde. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,688175,00.html
Gibts für solche Artikel eigentlich Boni oder sind die grade 'in' in Anbetracht, dass besagter Mann gerade verklagt wurde? Wie mein Prof in theoretischer Chemie so schön sagte: "Bei den wirklich großen Kontroversen gibt es keine Sieger. Die Gegner sterben schlicht aus." Somit wird es wohl noch ein paar Jährchen dauern, aber dank globaler Erwärmung gehts vllt auch etwas schneller.
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IPCC - der Klimarat der Vereinten Nationen
ESA 2004
Der Intergovernmental Panel on Climate Change, zu Deutsch der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen mit Sitz in Genf, wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und der World Meteorological Organization (WMO) gegründet, die ebenfalls zur Uno gehört. Der Inder Rajendra Kumar Pachauri ist seit Mai 2002 Vorsitzender des IPCC.

Der auch als Weltklimarat bezeichnete IPCC soll umfassend, objektiv und ergebnisoffen die wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Informationen über den von Menschen verursachten Klimawandel bewerten. Das Gremium, dem Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt zuarbeiten, soll die Folgen und Risiken der Klimaveränderung abschätzen und ausloten, wie man sie abschwächen oder sich an sie anpassen kann.

Der IPCC führt keine eigenen Forschungsprojekte durch, sondern analysiert die Ergebnisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die dem Peer-Review-Verfahren - der Prüfung von Fachartikeln durch unabhängige Gutachter - gefolgt sind. Mehr auf der Themenseite...





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