Forschung für Mutige Der Spinnenjäger von Frankfurt

In dunklen Höhlen und tropfenden Wäldern sucht ein Forscher aus Frankfurt das, was andere Menschen meiden: Der Mann ist Spinnenjäger. Hundert unbekannte Arten hat er während seiner Expeditionen schon aufgespürt und klassifiziert.


Es ist feucht und dunkel. Mit einem Kescher in der Hand starrt Peter Jäger im fahlen Licht einer am Kopf befestigten Leuchte minutenlang auf eine Höhlenwand im asiatischen Regenwald. Dann entdeckt er etwas: eine Riesenkrabbenspinne. Jetzt muss es schnell gehen, sonst verschwindet das Tier wieder in einer Felsspalte. Mit einer Hand fängt Jäger die für den Menschen harmlose Spinne und lässt sie in einem kleinen Plastikbehälter verschwinden.

Peter Jäger, Riesenspinne Heteropoda Maxima: "Zahlreiche Tiere warten darauf, gefunden zu werden"
DDP

Peter Jäger, Riesenspinne Heteropoda Maxima: "Zahlreiche Tiere warten darauf, gefunden zu werden"

Die Sammlung des Frankfurter Spinnenforschers ist damit um eine neue Art reicher.

In den vergangenen zehn Jahren hat Jäger bereits 100 bis dato unbekannte Arten beschrieben. "In den asiatischen Regenwäldern warten noch zahlreiche Tiere darauf, gefunden zu werden", sagt der Spinnenforscher vom Forschungsinstitut Senckenberg.

Der 37-Jährige ist seit seiner Kindheit von den achtbeinigen Wesen fasziniert. Bereits mit fünf Jahren habe er kleinste Details bei den Spinnen gesehen, erinnert sich der Arachnologe. Später habe er die achtbeinigen Tiere gesammelt und in Terrarien beobachtet.

Wenn Jäger sich nicht auf einer seiner Expeditionen befindet, beschäftigt er sich im Senckenberg-Institut mit der Erforschung der Riesenkrabbenspinnen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Beschreibung und Einordnung der Spinnen in eine biologische Ordnung, die wissenschaftlich als Taxonomie bezeichnet wird. Zudem betreut Jäger als Kurator die umfangreichste Arachnidensammlung in Deutschland, die von Wissenschaftlern weltweit genutzt wird.

"Lautlose Lauerjäger"

Die meist nachtaktiven Wesen der Spinnenfamilie seien "lautlose Lauerjäger" und völlig ungefährlich, betont der Biologe. Die Tiere mit einer Beinspannweite zwischen 15 Millimetern und 30 Zentimetern kommen in tropischen und subtropischen Gebieten der Erde vor.

Weltweit sind 1000 Arten bekannt. Es sei aber noch unerforscht, wie groß die Vielfalt der Riesenkrabbenspinnen ist, sagt Jäger.

Um die Spinnenfamilie genauer zu erforschen, reiste Jäger bereits mehrmals nach Südostasien. Im vergangen Jahr unternahm er Expeditionsreisen nach Laos und China. In einem Naturschutzgebiet im Norden von Laos suchte er nach den Tieren. Neben vielen neuen Arten fing er auch eine vier Millimeter große Spinne, die sich bei der Jagd ihrer Beute wie eine Ameise tarnt.

Mit seiner Arbeit will Jäger nicht nur der Wissenschaft dienen, er hofft auch darauf, mit den Erkenntnissen das Bewusstsein der Menschen für den Artenreichtum der Natur zu öffnen. "Bei vielen Menschen lösen die Tiere nur einen Gruseleffekt aus", sagt Jäger. Die Forschung habe aber für den Menschen einen enormen Nutzen. Neben medizinischen Anwendungen hätten Spinnen eine wichtige Funktion als biologische Schädlingsbekämpfer in der ökologischen Landwirtschaft.

Für März plant der Arachnologe die nächste Reise nach Laos. "Die Expedition ist eigentlich eine Vorbereitungsreise für ein geplantes ökotouristisches Projekt", sagt Jäger. Im Regenwald sollen in absehbarer Zeit Informationstafeln zur asiatischen Tierwelt aufgestellt werden. Erst einmal müsse dazu die Artenvielfalt erfasst werden. Im Frühjahr will Jäger in dem südasiatischen Land Kooperationspartner finden, die ihm helfen, den Regenwald sowie den Lebensraum der Riesenkrabbenspinnen zu erhalten.

Von Carla Willer, ddp

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.