Knochensplitter

Auszeichnung 2,50-Meter-Tausendfüßer ist Fossil des Jahres

Sven Tränkner

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Vor 300 Millionen Jahren war Deutschland ein tropischer Dschungel, bewohnt von gigantischen Gliedertieren. Das größte von ihnen, Arthropleura armata, macht nun noch einmal Karriere: Der 2,50 Meter lange Tausendfüßer wurde zum Fossil des Jahres 2015 gekürt.

Seit 2008 zeichnet die Paläontologische Gesellschaft ihr "Fossil des Jahres" aus, und sie wählt dazu ganz bewusst nicht unbedingt die spektakulärsten und neuesten Funde: "Zum Fossil des Jahres werden solche Funde gekürt, die von besonderer wissenschaftlicher oder publikumswirksamer Bedeutung sind, und die beispielsweise an vielen Museen zu besichtigen oder von Privatsammlern leicht zu finden sind", heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Gesellschaft.

Es geht also darum, Aufmerksamkeit für paläontologische Themen zu wecken, und vorzugsweise mithilfe von Exponaten, die man sich dann tatsächlich auch ohne zu großen Aufwand ansehen kann.

Wo Arthropleura zu sehen ist

Das ist auf jeden Fall ein Kriterium, das Arthropleura perfekt erfüllt: Die meisten paläontologischen und naturhistorischen Institute und Museen in Deutschland zeigen zumindest Teile dieses Giganten aus dem Karbon (330-290 Millionen Jahre). Weitgehend vollständige Originale des Fossils sind am Zentrum für Biodokumentation (ZfB) in Schiffweiler ausgestellt, in der Paläontologisch-Stratigraphischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg, im Museum für Naturkunde Chemnitz sowie im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen.

Abgüsse oder Modelle als lebensgroße Rekonstruktionen gibt es in Gondwana - Das Prähistorium, in der TU Bergakademie Freiberg, in den Naturkundemuseen in Augsburg, Chemnitz und Schleusingen, im Geomuseum der Technischen Universität Clausthal und am Senckenbergmuseum in Frankfurt und Dresden zu sehen.

Was man von Arthropleura bisher noch nicht gefunden hat, ist eine vollständige Kopfpartie - Rekonstruktionen beruhen hier noch auf Bruchstücken und begründeten Vermutungen. Ob er, wie manche vermuten, also wirklich der gefährlichste Räuber seiner Zeit war, der sich von anderen Gliedertieren sowie Amphibien ernährte, ist nicht gesichert - auch unter heutigen Tausendfüßern finden sich sowohl Pflanzenfresser als auch Räuber.

Gepanzert und möglicherweise giftig

Dass dieses Tier nicht ungefährlich war, ist aber höchst wahrscheinlich: Auch heutige Tausendfüßer besitzen Giftdrüsen, und einige verfügen über Abwehrgifte von erheblicher Stärke. Arthropleura trug dazu dornenartige Stacheln an seinen 60 Beinen. Selbst ohne jede Phobie vor Krabbeltieren wäre eine Begegnung mit diesem flach gebauten, aber schnellen Tier wohl ein wahrer Albtraum.

Das Fossil des Jahres der Paläontologischen Gesellschaft lenkt die Aufmerksamkeit immer wieder auf Funde, die sonst ein wenig im Schatten der spektakulären Dinosaurier und eiszeitlichen Megafauna. Im letzten Jahr zeichnete die Gesellschaft mit Caput medusae eine fossile Seelilie aus - eine vor allem ästhetische Entscheidung, wie der Blick in die Bildergalerie oben beweist.



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